Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage: Österreich, fol. 54’–59’.

2. HA (Landfriede und Niederlande), niederländischer Krieg: Anberaumung der Friedensvermittlung durch Ks. und Reich. Klärung der Friedensbereitschaft beider Kriegsparteien. Restitution besetzter Orte im Reich. Reichshilfe für den Niederrheinisch-Westfälischen Kreis und Vorgehen gemäß EO gegen Söldnerübergriffe.

/54’/ Fürstenrata. Österreich proponiert als Direktor der Beratung des 2. HA (Landfriede und Niederlande): Demnach an gestern der erste punct deß anderen articuls erledigt, were an jetzo von dem anderen puncten, die pacification deß niderländischen kriegs betreffend, zureden.

Umfrage. Österreichb: Ks. regt die Fortsetzung der Friedensvermittlung an und bittet dazu um Stellungnahme der Reichsstände1. Wie aber datzu zu khummen, erinnern mir[!] unns, dz biß dato diß ortts von ier Mt. vergebenlich gearbeit worden2. Vermainendt derwegen, dz es nit in ier Mt. namen allain, sunder in deß gantzen Römischen Reichs namen gemainlich getriben unnd umb einraumbung güetlichen underhanndlung bey bayden kriegenden partheyen durch sunderbare abgesandte ernstlichs vleyß angesucht und den gesandten in befelch gegeben werde, angedeüte beede partheyen unnd eine jede in sunderhayt der vilfältigen, dem Reych unnd besunder dem westphalischen crayß ervolgten beschwärnußen der notturfft nach zuerinnern: Daß Reich werde lenger nit zusehen. Ier Mt. sampt den churfürsten unnd ständen deß Reichs hetten etliche auß ierem mittel, baider religion in gleicher antzal, welche inen namhafft zu machen, vermögt, dz sie sich der sachen zu underfachen bewilligt. Unnd wäre daruff ir Mt., auch der ständt an sie ernstlichs begeren, anmahnen und ersuchen, solcher underhandlung statt zugeben. /55/ Welcher theil aber solchem nit statt thun wurde oder, waß verglichen, nit halten, so könde ier Mt. und dz Reich nit unnderlassen, auff solche mitel unnd weeg zugedenckhen, wie dem Reich solche beschwärliche eingriff abtzuschaffen zu sein[!] möchten etc. Auf welchen fahl mann den deputierten fürsten allen volkommenlichen gewalt geben müeste, auff dz nit auß mangel gewalts das gantze werckh verhindert werde, unnd dz solcher nit weniger gelten solte, dann als wann er deß Reichs beschluss wäre. Dartzu dann zwen churfürsten unnd zwen fürsten alhie bey werendem Reichs tag zuvermögen, baider religion gleich, unnd gelegene tag unnd mahlstatt furderlich furtzuenemen. Unnd in nammen ier Mt. und deß Reichs etliche qualificierte persone[n] mit credentz unnd instruction von hieauß abfertigen, den partheyen solchen tag unnd mahlstatt zuvermelden, sie gegeneinanderen zuverhören unnd auff zimbliche, nach befundtnen dingen leidenliche mittel mit wissenden dingen zuvergleichenc. Damit aber hiezwischen die beschwärdten westphalischen crayß unnd stände nit hülffloß gelassen wurden, so wäre bey disem Reichs tag zuverabschiden, daß inen auf den fahl der gütlichen entschlagung zu ainer defensif hilff die inen anno 82 bewilligten zween monat3 [und] noch zween geraicht wurden, jedoch die direction ir Mt. und deß crayß zugeordneten gebüren solled.

NB: Nach dem Össterreich votiert hat, eist Hatstein, burgundischer abgesanndter, auf etlich ständt zuesprechen, gleichwol in der stille beschehen, gutwillig abgetretten–e.

Pfalz-Neuburg4: Sagt ir Mt. umb die vätterlich sorgfeltigkeyt danckh. /55’/ Placet illi, dz in ir Mt. unnd deß Rechys nammen an jetzo die fridens tractation fürgenommen werdef. Mann solte uff mittel gedenckhen, wie Franckhreich unnd Engellandt, welche die staden nit verlassen wurde[n]5, auch darein getzogen wurden. Welches allßdann nit ohn frucht abgehn wurde, dieweil sie mit einanderen so starckh verbunden. Wie solche tractation antzurichten, vergleicht er sich mit Össterreych. Dieweil es sich aber verweilen möcht oder gar zerschlagen werden, so sey zubedenckhen, wie hiezwischen dem betrangten westphalischen crayß hilff geschafft, item wie die dem Reich abgetrungne plätz in demselben crayß wie auch in dem stifft Cölln restituirt unnd die schäden abgetragen werden möchten. Lasst ime daruber deß westphalischen crayß bedenckhen6 durchauß gefallen unnd belieben. gHiezwischen soll man inen vier monat mitleidenlich contribuieren zue zwayen zihlen uff Letare unnd Nativitatis Mariae7, unnd solches mit den clausulis wie in der türckhenhülff etc.8 Sunsten halten ier f. Gn. für ain notturfft, dz die teütsche libertet in erthailung der patenten in alweg nit geschmeleret werde.

Salzburgh,9: In effectu ut Össterreychi. Allain wann sich die fridens tractation verweylen wurde, dz alß dann die restitution der eingenomnen päß unnd plätzen, so dem Reich zugehörig, auch die freyheit der commercien und suspensionem armorum zuerhalten. Unnd wann alles nit statt haben wurde, wie ime weiters zuthun sein wurde: jNämblich den deputierten allen gewalt geben, wie man solchen dem Reych zugefiegten schaden abwenden möchte. Den deputierten /56/ den gewalt exemplo romanorum zue dilatieren, welche ieren gesandten kein annderen gewalt geben, dann ne respublica detrimentum patiaturk.

Württembergl: Ut priores. Doch vermaint er, mann solte den könig auß Hispanien ersuchen, wie weit er sich einlassen wölle. Ratione deß betrangten westphalischen crayß: mEß seye im noch mit 4 noch 5 monaten geholffen, dan zu einem offentlichen krieg es nit erspreyßlich. Eß were besser, dz man in dergleichen entpörungen sich der Reichs constitutionibus gemäß verhielte unnd in executione die crayß ain annderen die hendt bieten–m, wie es loblichen versehen10. Erinnert, mann solle die constitutiones nit so hoch scherpffen, daß die teütsche freyheit darunder angegriffen werde11. Item ier Mt. sollen die gravamina, so ubergeben worden12, abhelffen.

Besançon mit Trient: Ut Össterreych. Repetit idem pro Trient.

Bayern: Mann könde nit an allen orten kriegenn. Last ime derwegen die fridens tractation in Niderlanden am besten gefallen. Aber wie sollcher in dz werckh gericht werden möchte, da mueß man nachdenckhen. Mann solle fridliebende fürsten dartzu deputieren. Sunsten in effectu ut Össterreych. Bewilliget für den westphalischen crayß, damit er auch nit hülffloß gelassen wurde, 4 oder 5 monato; aber daß ier Mt. direction daruber habe. Tragt sorg, die staaden werden den friden außschlagen. In quem eventum prospicit, wie inen zubegegnen were: /56’/ Durch sperrung der victualien, commertien unnd handtierungen, durch abforderung der jenigen, so inen zutziehen sub pena confiscationis bonorum, durch anstellung der repressalien unnd verbietung deß Reichs poden etc.

Deutschmeister mit Fulda: Ut Österreich.

Pfalz-Lautern: Habe die sachen dahin erwogen, dz bey disem werckh zuvorderist der ursprung, darauß diß unhail geflossen, auftzuheben sey. pNachdem er aber vernimpt, dz die ständt13 [!] ier Mt. kain pacifications handlung einraumen könden, so halt er für ein notturfft, dz der kunig auß Hispanien die conditiones, die er eintzugehn bewilligen wurde, erclärete–p. Doch soll[man] interim den westphälischen crayß nit verlassen. Unnd das werde geschehen, wann mann eintweders bayden theylen ernstlichen zuschribe, dz sie auß deß Reichs platzen wichen unnd dergleichen unthatten abgeschafft wurden. Im fahl der verwägerung müeß man sich neceßarie der executions ordnung14 gebrauchenq. Weiter zubewilligen an gelt hab er kain befelch. Ratione gravaminum et libertatis germanicae vergleicht er sich mit Württenberg.

Bamberg: Die fridens tractation seye in allweg anzuordnen. Stelt es aber allerdings ier Mt. haimb. Ratione deß westphälischen crayß ut Össterreych.

Pfalz-Simmern: Es seye ein grosse notturfft, dz der friden tractiert werde, doch dz Engelland unnd Franckhreych nit außgeschlossen werden. Sonnsten ut Pfaltz-Neuenburg de modo. /57/ Ratione deß betrangten westphälischen crayß habe er kein befelch, zue contribuieren. Vermaint, die executions ordnung wurde dz ersprießlichest mittel sein; in quo ut Pfaltz-Lauternr.

Würzburg: Referiert sich uff Neuenburg: Dz hiertzue von ier Mt. unnd dem Reich ain ansehenliche commission antzuordnen, die partheyen zum friden ermahnen, restitution der abgenomnen gueter unnd plätzen begeren, item suspensionem armorum; daß die commissarii genugsam gewältigt werden. Wann sie15 es abschlagen werden, solle dz Reich lenger nit zusehen. Wie dem westphälischen crayß mit gelt zuhelffen, vergleiche er sich mit dem mehreren.

Pfalz-Zweibrücken: Tragt sorg, es werde alles umbsunsten sein. Man möge es versuchen. Schlecht ein mittel dartzue fur: Ut liberum exercitium religionis jederman16 vergünnet werde, alles, waß fürgangen, vergessen werde, item die unnderthonen bey ieren privilegien gelassen werden unnd die staaden genugsam assicurirt werdens. Sunsten ut Pfaltz-Lautern. Daß Reych solle sich deß niderlendischen kriegs mit der that neque per directum neque per indirectum annemmen.

Worms: Vergleicht sich mit Össterreych, Neuenburg, Saltzburg und Bayern.

Pfalz-Veldenz: Ut Württenberg.

Eichstätt: Ut Össterreych.

Sachsen-Weimar: Ut Pfaltz-Neuenburg. Und wann nichts helffen wurde, sey die executions ordnung dz beste /57’/ mittel. Habe nit befelch, weitter hiertzu was zu contribuieren, dan 2 monat zu der defension hülff. Verhofft aber, sein genediger fürst unnd herr werde sich nit absünderen. Der patenten, kriegs werbung und teütschen libertet halben ut Neuenburg.

Speyer: Ut Össterreicht.

Sachsen-Coburg (Johann Casimir): Ut Sachsen-Weimar. Erinnert die ständt deß vorigen bitts umb die erledigung deß gefanngnen herrn17.

Konstanz: Ut Österreych.

Sachsen-Coburg (Johann Ernst): Ut Fridrichu.

Augsburg: Ut Össterreych.

Brandenburg-Ansbach: Ut Württenberg. Mann soll dem könig auß Hispannien schreyben, dz er Franckhreych und Engelland auch in den friden ziehen18; so möcht ein general friden zu hoffen seinv. Hietzwischen möchte man ain anstandt machen, den kriegenden partheyen restitutionem injungieren, wdie besatzung auß dem cöllnischen poden abschaffen–w. Die cammergerichts mandata seyendt gegen Burgundt umbsunst, weil es mit dem cammergericht nichts zu thunx,19. Mann solle kheine repreßalien brauchen, damit mir[!] den krieg nit in dz Reich ziehen. Sunsten ut Pfaltz-Lautern.

Hildesheim: Ut Bayerny.

Braunschweig-Grubenhagen: Ut Württenberg.

Paderborn: Werdt die pacification nit in dz werckh gericht oder sich in die lenge vertziehenz, solle man suspensionem armorum utrinque procurieren. Den westphälischen crayß belangend: aaBegeren sie von dem Reych kain grossen uncossten etc. /58/ Die executions ordnung seye nit für sie, dann mit dem landtvolckh nichts außzurichten.

Braunschweig-Wolfenbüttel20: Den friden künde khain vernünfftiger widerrathen. Mann soll bayde thayl zuvor ersuchenab. Sovil den könig auß Hispanien betrifft, hab sein gnediger fürst unnd herr von ertzhertzog Ernsten21 verstannden, dz der könig sollchen wol leiden müge. Bey dem annderen theyl aber seyen zway obstacula, so vor allem zu removieren sein werden: 1) dz grosse mißtrauen; 2) dz sich die staaden an Engelland unnd Franckhreych gehenckht22. Derwegen von dem könig erstlichen zuvernemmen, wie er die staaden zuversicherenac willens, item ob er Franckhreych unnd Engellandt auch darein ziehen mochten lassen. Unnd wann die zwo sachen nit richtig, würdt sollches ansuchen dem Reych schimpfflich sein. Unnd wo mann sollches versicheret, möge hernacher obenangerürte tractation in dz werckh gericht werdenad. In mittelst soll man den hoch angefochtnen westphälischen crayß nit verlassen, welchen ettliche lose buben, freybeütter23, so hart verfolgen. In werender tractation soll man ain anstandt werben. Item den freybeüttern mit ernst unnd gewalt begegnen, aeund ein underschidt zwischen den krigenden partheyen unnd herlosen buben gemacht werden. Die freybeütter sollend ipso facto in deß Reichs acht erclärt sein: Dz sie alle ständt angreyffen, iere güeter confiscieren, sie uber die klingen springen lasse[n]. Wie dan sein gnediger fürst und herr solchem ein anfang gemacht. /58’/ Den kriegenden partheyen solte man bey disem Reichs abschid bey peen der aacht die einfähl in das Reych zuvermeiden gebietten unnd, was eingenommen, zue restituirn. Im gegenspil aber sollt mann sich der executions ordnung nit mit wordten, sunder mit dem werckh gebrauchen. Dann ob schon Burgundt die ksl. cammer24 vermög deß burgundischen vertrags de anno 48 nit erkent25, so hatt es doch im Reich session unnd stimaf. Dem westphälischen crayß weyter an der defensions hülff beyzuspringen, habe er kein befelch, unnd darneben dz bedenckhen, dz mann darmit den krieg dem land uber den halß laden möchte. Doch wann die maiora dahin giengenag, wölle er sich darvon nit sunderern, doch sub direction ier Mt. unnd deß Reychs zu notwendiger defension, unnd dz mann keinem thayl darmit vorschub thuwe. In dem lanndtfriden unnd gravaminibus ut Würtenberg.

Freising mit Berchtesgaden: Ut Össterreych.Wiederholt das Votum vigore substitutionisfür Berchtesgaden.

Braunschweig-Calenberg: Wie Wolffenbüttel.

Regensburg: Wie Össterreych.

Braunschweig-Lüneburg: Ut Braunschweigah.

Passau: Wie Bayern.

Jülich: Der friden seye dz beste mittel. Wie aber derselbig zuerlanngen, vergleicht er sich mit Össterreych, sunder waß die suspensionem armorum belangt. Wann aber villeicht nichts auß der fridens tractation wurde, soll mann hietzwischen die betrangte ständt nit verlassen, uff dz die partheyen desto genaigter zu dem friden seyen. aiWie in zuhelffen, vergleicht er sich /59/ mit Neuenburg. Mit der executions ordnung seye inen nit geholffen, dann das haylloß gesundlein26 lasse sich verächtlich vernemmen, sy möchten doch wol wissen, was der crayß für ain bästia were, ob eß zäen habe unnd beyßen könde–ai. Pitt auch, die abgetrungen örtter deß Reichs inen widerumb[zu] restituierenaj.

Pommern-[Stettin]: Ut Neuenburg. akDoch eß seye nit räthlich, die repreßalia fürtzunemmen–ak. Die[!] teutschen libertet ut Württennberg, et ratione der executions ordnung.

Brixen: Ut Össterreych.

Pommern-[Wolgast]: Ut Pfaltz-Neuenburg et Pommern.

Basel: Ut Speyr.

Hessen-[Kassel]: Er habe sich zuberichten, dz sich die pacifications handlung anno 79 darumb allein zerschlagen, dz der könig dz exercitium der religionen nit gestatten wollen27. Wann der kunig eines anderen bedacht wurde, wäre etwas zuhoffen. Die repreßalia seyendt nit zurathen, es wurde allein die nächst gesäßene treffen. Vermaint, mann solle ain ernstlichs ansuchen an beyde theil thun, dz sie deß Reichs occupierte güeter restituieren; wie sich dann die staaden anerbotten sollen haben28. Wan solches nit zuerlanngen, solle mann dz ordinarium remedium, die executions ordnung, an die handt nemmen. Zue der defensions hülff hab er kein befelch29, wolle sich aber nit sunderen. Musse sich selbsten vor den excursionibus versehen. Der lanndts friden seye sunsten nit zuverenderen.

Lüttich: Ut Össterreych.

Hessen-[Marburg]: Ut Hessen.

Münster: Ut Padelborn.

Hessen-[Darmstadt]: Ut Hessen.

/59’/ Minden: Ut Hildeßheimb.

Baden-[Durlach, Ernst Friedrich]: Ut Wirttenberg.

Cambrai: Ut Össterreych.

Baden-[Baden]: Ut Össterreych.

Baden-[Durlach, Georg Friedrich]: Ut Baden-Durlachal.

Metz: Ut Bayern. amHabe kein befelch, in ain weitere contribution zu bewilligen–am.

Leuchtenberg: Ut Saltzburg.

Verdun: Wie Össterreych.

Anhalt: Ut Württenberg.

Toul: Wie Össterreych.

Henneberg: Wie Weimmar; der freybeuter halben ut Wolffenbüttel.

Nomeny: Ut Metz.

Murbach, Arenberg, Ellwangen und die folgenden Ständean: Ut Össterreych.

Wetterauer Gff.: aoEr habe schlechte hoffnung zu dem friden in betrachtung der spannischen tyraney unnd niderlänndischen confederation. Darneben haben sie auch ein vorthayl. In reliquo concordat–ao,30.

Beschlussap: Eß befinde sich bey diser umbfrag, dz sich die mehreren vota auf Össterreych unnd Bayern referieren. Darbey solle es nuhr billich pleiben. Dieweil aber auch von annderen gute unnd zue der sach dienliche mittel angedeut worden, so sollen auch dieselben auff dz papir gebracht, der relation einverleibt, verlesen und abgehört werden31.

Anmerkungen

a
 Fürstenrat] Württemberg (fol. 632) zur Sitzungszeit: Vormittag. Augsburg (unfol.) zur Besetzung: Salzburg, Pfalz-Neuburg, Württemberg persönlich; Gesandte der anderen Stände.
b
 Österreich] Hessen (unfol.) differenzierter: Das Votum wird ex charta verlesen.
1
 Vgl. Nr. 1, fol. 38’ f. [Hierumb unnd dieweil … ermanglen lassen werden.].
2
 Zu den gescheiterten Vermittlungsbestrebungen vgl. Anm. 50, 51 bei Nr. 1.
c
 zuvergleichen] Hessen (unfol.) zusätzlich: Falls eine oder beide partheien deßen nit geleben oder die friedtshandlung verweigern würde, gegen derselbenn solte, wie oben angedeutet, durch das Reich mit gesampter handt verfahren werden.
3
 Vgl. Anm. 13 bei Nr. 30.
d
 solle] Würzburg B (fol. 31’) zusätzlich: Beide Kriegsparteien sollen das kriegs volckh abschaffen und interim die waffen von sich legen und niemandt belaidigen.
e
–e ist… abgetretten] Württemberg (fol. 628’ [falsche Zuordnung als Randvermerk zum Protokoll für 11. 7. (1. 7.)] differenzierter: Da der burgundische Gesandte an dieser Beratung teilnehmen wollte, haben die beiden persönlich anwesenden weltlichen Ff. [Pfgf. von Neuburg, Hg. von Württemberg] Saltzburg ad partem dahin erinnert, das man ine davon billich außschließen solte. Darauff auch Saltzburg den burgundischen gesandten angeredt und dahin vermöcht, daß er sine protestatione stillschweigendt außgetretten.
4
 Vgl. das schriftliche Konz. für das Votum: HStA München, K. blau 274/10, fol. 100–102’ (Konz., beinhaltend Landfriedenswahrung und niederländischen Krieg), sowie fol. 146–149’ (Reinschr. mit Korrekturen nur zur aktuell beratenen Befriedung der Niederlande).
f
 werde] Schriftliche Fassung des Votums (Anm. 4, fol. 146’) zusätzlich: In die Gesandtschaft, die beiden Parteien die Friedensvermittlung ankündigen soll, können die in der ksl. Proposition [Nr. 1, fol. 38] genannten Kff. von Mainz, Trier, Sachsen und Brandenburg berufen werden, dazu weitere Ff. von beeden religionen.
5
 Vgl. Anm. 43, 44 bei Nr. 34.
6
 Nr. 290.
g
–g Hiezwischen … werde] Schriftliche Fassung des Votums (Anm. 4, fol. 148’ f.) differenzierter: Aufgrund der offenkundigen Notlage des Westfälischen Kreises sollen die 1582 bewilligten 2 Römermonate unverzüglich erlegt werden. Da wegen der hohen Türkensteuer die erbetenen 5 Römermonate [Nr. 290, fol. 268] nicht erschwinglich sind, sollen zumindest jährlich 4 Römermonate geleistet werden, /149/ so lanng, biß den betrangten stenden widerumb zue ruhe geholffen und sie vor aller feindtlicher gewalthatigkheit sicher gesteltsind. Die im Gutachten des Kreises [Nr. 290] den Landfrieden betreffenden Punkte sollen in den RAb aufgenommen und daneben festgelegt werden, dass das RKG uff vorbringung darinn[im Gutachten] gemellten moderation /149’/ decret mandata sine clausula unnd executoriales zuerkennen schuldig sein solle. Doch dz diß orts, wie gestern von vilen ständen erinnert, die freiheit teutscher nation wol in acht genommen und zue abbruch und schmelerung derselben in ertheilung der patenten khein neuwerung oder ohngleichait eingefurt und es mit den werbungen furters, wie in Reichs abschieden notturfftigklich versehen, gehalten werde.
7
 = 5. 3. (23. 2.) und 8. 9. 1595.
8
 Erlegungsmodalitäten, Strafen gegen Säumige usw.: Vgl. Antwort zum 1. HA [Nr. 249], fol. 494’–496’, sowie RAb [Nr. 511], §§ 13–17.
h
 Salzburg] Hessen (unfol.) differenzierter: Der Ebf. ist persönlich anwesend, das Votum verliest der Kanzler auß einer schrifft dießes inhalts.
9
 Vgl. die in Anm. h angesprochene schriftliche Fassung des Votums: HStA München, K. blau 274/10, fol. 151–158’ (Kop.).
i
 In effectu ut Össterreych] Schriftliche Fassung des Votums (Anm. 9, fol. 151 f.) differenzierter: Aufgrund der Schädigung vieler Reichsstände durch den Krieg ist das Reich verpflichtet, dem mit allen Mitteln abzuhelfen. Die Bemühungen des Ks. sind vornehmlich daran gescheitert, dass /151’/ die staaden in Holl- und Seelandt entweders solchen underhandlungen nit statt geben haben wollen oder aber /152/ sonsten in werenden handlungen wenig naigung und lust zu dem frid und der rhue erzaigt haben./152–154’/ Weil aber der Friede das einzige Mittel ist, um dem Übel abzuhelfen, soll das Misstrauen beider Parteien ausgeräumt werden, indem der RT eine Vermittlungskommission von Ks. und Reich mit Kff. und Ff. beider Religionen einsetzt, dies beiden Seiten vorab schriftlich mitteilt und versichert, dass die Vermittler /154’/ ein solche gleicheit hielten, damit die fridts conditionen beeder thails leidenlich, gleichmessig und sicher sein möchten und kheinem thail zu gefahr was gehandlet wurde./154’–156/ Zusicherung, dass die Vermittler keine Seite bevorzugen. Aufforderung an beide Parteien, zur Friedensverhandlung nur friedliebende Delegierte abzuordnen und sich der Vermittlung nicht zu verweigern. Ansonsten sei das Reich gezwungen, /156/ gegen solchem thail in khunfftig auff solche mittel bedacht zusein, durch welche deß Reichs gebürender respect und authoritet erhaltten möcht werden.
j
–j Nämblich … möchte] Schriftliche Fassung des Votums (Anm. 9, fol. 157’) deutlicher: Aufgrund der Bitte des Westfälischen Kreises um eine Defensionshilfe soll die Friedensdelegation beauftragt werden, sich mit den betrangten stennden der defension halben zuvergleichen und dieselb in deß Reichs namen zubestellen.Auch sollen zu den 2 Römermonaten von 1582 noch einer oder 2 ergänzt werden, allerdings nur /158/ eventualiter und auff den fall, die anndere mittel nit statt finden oder aber in die lenge verschoben wollten werden.
k
 patiatur] Augsburg (unfol.) zusätzlich: Salzburger Nachtrag zum Votum vom Vortag: Er habe gestern allain scrutando sein votum im lanndtfridten angezaigt.Schließt sich nachträglich Bayern an. [Vgl. Bericht der Brandenburg-Ansbacher Gesandten an Mgf. Georg Friedrich vom 14. 7. (4. 7.) 1594: Aufgrund dieses Votums haben /475’/ alle evangelische iren votis angehengt und sich dahin erclert, das sie den landfriden nicht weitter extendirt oder restringirt wissen köntten, dann dadurch der teütschen freyheit ettwas entzogen oder benommen(StA Nürnberg, ARTA 60, fol. 473–483’, hier 475’. Or.; präs. o. O., 16. 7. {6. 7.}).]
l
 Württemberg] Hessen (unfol.) differenzierter: Hg. ist persönlich anwesend, Vortrag des Votums durch Enzlin.
m
–m Eß … bieten] Württemberg (fol. 632’ f.) differenzierter: Keine zusätzliche Bewilligung zu den 2 Römermonaten von 1582, bevor absehbar ist, /633/ wie sich daß turckhisch kriegs wesen wolte anlaßen. Weil es auch bey 2, 3 oder 4 monaten nit pleiben, sonder der krieg zu continuieren sein würde, so khönde anjetzo bey disen gefehrlichen zeitten und turckhischen kriegs wesen umb sovil desto weniger ein besondere contribution fürgenommen und also dem Reich ein neuer krieg zugezogen werden.
10
 Gestaffelte Zuzugsverpflichtung benachbarter Reichskreise gemäß EO 1555, §§ 62–65 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3125–3127).
11
 Veranlassung dieses Nachtrags zur Beratung vom Vortag durch die vorausgehende Salzburger Modifizierung (vgl. Anm. k).
12
 Bezugnahme nicht auf die Supplikation des Niederrheinisch-Westfälischen Kreises beim 2. HA [Nr. 467], sondern auf die Gravamina der protestantischen Stände [Nr. 390] (vgl. auch Würzburg B, fol. 33’: den gravaminibus der stende).
n
 an allen orten kriegen] Hessen (unfol.) eindeutig: inn Niderlandenn unndt Hungernneinen Krieg führen.
o
 4 oder 5 monat] Augsburg (unfol.) differenzierter: zu den 2 Römermonaten von 1582 weitere 2 oder 3.
p
–p Nachdem … erclärete] Hessen (unfol.) eindeutig: Die Generalstaaten haben bereits erklärt, dass sie keinne pacification einreumenn kontenn[Nr. 1, Anm. 51].Deshalb ist unabdingbar, zunächst bei beiden Parteien erneut in Erfahrung zu bringen, ob unnd wie weitt sie beiderseits guttliche tractation einreumenn wollenn.
13
 = die niederländischen Generalstaaten.
14
 Vgl. oben, Anm. 10.
q
 gebrauchen] Hessen (unfol.) zusätzlich: unnd nicht nur einner, sondernn 4, 5 oder auch nach gelegennheitt mehr kraiße uffzumahnenn. Pfalz-Neuburg C (fol. 135’) zusätzlich: Es konde coniunctis armis et viribus wol was dapffers außgerichtet werden.
r
 Lautern] Augsburg (unfol.) zusätzlich: nämlich dass libertas germanica in acht genommen unnd den gravaminibus abgeholffen werde.
15
 = die Kriegsparteien.
16
 = in den Niederlanden.
s
 werden] Augsburg (unfol.) zusätzlich: Unterbleibt dies, so seye nichts auszurichten. Weilln es aber zuerhallten vast zweiflig, so solle man daneben auch auf anndere mittl bedacht sein, alls dz ir Mt. ernstliche unnd scharffe mandata, die aufm Reichs poden von inen eingenommne stätt, schlösser, fleckhen unnd päss etc. zu restituiern, ausgeen liessen, wie auch die schiffarten sicher gemacht wurden. Unnd wo solches bey einem oder dem andern thaill nit verfahrn wollte, das alsdann die executions ordnunng fur hanndt genommen wurde.Dafür werden neben den 1582 beschlossenen weitere 2 Römermonate bewilligt. Wahrung der Libertät und Klärung der Gravamina entsprechend Pfalz-Lautern.
t
 Össterreich] Jülich-Berg (fol. 176) zusätzlich: Falls die Friedensvermittlung abgelehnt wird, schleust er mit Bayern auff versperrung der comercien, abschaffung der monopolien, abforderung[der Söldner] und repreßalien wider den unwilligen theill.
17
 Vgl. die Supplikation [Nr. 492].
u
 Ut Fridrich] Hessen (unfol.) eindeutig: Wie Württemberg. Man hat darauf zu achten, dass nicht geste[= Gäste] dem Teutschlanndt uff denn halß getzogenn werdenn, die demselbenn verdrießlich seinn mochtenn.
18
 Vgl. die verspätete Weisung Mgf. Georg Friedrichs an die Gesandten vom 16. 7. 1594 (6. 7.; Ansbach): Da /485’/ leichtlich zuvermercken,dass die Friedensvermittlung derzeit mehr der kgl. W. inn Spanien alls den staaden oder westpahlischen[!] kraiß zue guettem gemeint, so will unnsers ermessens auch hierinnen desto bessere vorsichtigkeit zuegeprauchen und dahero desto weniger zue rahten sein, wann gleich ettliche chur- unnd fursten zue guetlichen underhendlern bewilligt, das innen darumb auch die macht vom gantzen Reich eingeraumbt werden soltt, /486/ was sie auch uf den fall inn entstehung der guete fur constitution oder ausspruch machen würden, das solliches fur einen gemeinen Reichs schlueß zue haltten sein solt. Dann hierauß leichtlich zuvermuetten, wohin man solche sachen gern spielen unnd pringen woltte. Mgf. billigt Friedensverhandlungen nur mit Einbeziehung von Frankreich und England (StA Nürnberg, ARTA 60, fol. 485–487’, hier 485’ f. Or.).
v
 sein] Hessen (unfol.) zusätzlich: Ohne diese vorausgehende Erklärung wurde auß der pacification nichts.Die Generalstaaten haben in einem Druck in frz. Sprache verbreiten lassen, dass sie keine Friedensverhandlung willigenn konnenn ohnn beliebung Franckreich, Engelanndt unnd der andernn unirten provincien.[Wohl Bezugnahme auf die Antwort der Generalstaaten vom 27. 5. 1594 an Ehg. Ernst (vgl. Anm. 45 bei Nr. 34), die als Druck auch in frz. Sprache veröffentlicht wurde.]
w
–w die … abschaffen] Jülich-Berg (fol. 177) differenzierter: Verhandlungen mit dem Kf. von Köln, damit die in Rheinberg und Moers liegenden spanischen Besatzungen außgeschafft werden.
x
 zu thun] Hessen (unfol.) zusätzlich: da der Burgundische Vertrag 1548 vorgibt, das der burgundisch kraiß keinen cammergerichts mandatis zu pariren schuldig seinn soltte.
19
 Bezugnahme auf die im Burgundischen Vertrag 1548 festgeschriebene Exemtion des Kreises von der Rechtsprechung des RKG mit Ausnahme der fiskalischen Gerichtsbarkeit (Kohler, Quellen, Nr. 102, hier S. 396; Machoczek, RTA JR XVIII, Nr. 260, hier S. 2173 f.; vgl. Sellert, Zuständigkeitsabgrenzung, 29).
y
 Bayern] Augsburg (unfol.) zusätzlich: Doch dz die angezogne monat zur defensif hilff alle jar, so lanng der khrieg wert, geraicht werden.Entscheidung über deren Einsatz durch den Niederrheinisch-Westfälischen Kreis gemäß dessen Gutachten. [Nr. 290.]
z
 vertziehen] Augsburg (unfol.) zusätzlich vor dem Folgenden: so wurden dem westphallischen craiß die beschwerden zu groß werden. Haben erst gestern zeittungen bekhommen, welchermassen deß Reichs unndterthonen von wegen der belegerung zu Gröningen[vgl. Anm. 2 bei Nr. 293] beschedigt wurten[Wett. Gff. (unfol.) differenzierter: während der Belagerung Groningens haben sich spanische Söldner in der Gft. Bentheim und im Hst. Münster eingelagert und Schäden von ca. 40 000 fl. verursacht].
aa
–aa Begeren … etc.] Augsburg (unfol.) differenzierter: Die Reichshilfe soll so lanng geraicht werden, alls der khrieg wern thette. Were diser craiß nit gering zuschetzen, sonnsten woll der furnembsten einer etc.
20
 Das Wolfenbütteler Votum ist im Wortlaut überliefert: HHStA Wien, RK RTA 65 Fasz. 2, fol. 9–12’ (Kop.) = Vorlage für folgende Ergänzungen. HStA München, K. blau 274/10, fol. 161–164’ (Kop.). NLA Wolfenbüttel, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 41/1, fol. 529–532’ (Kop. Dorsv.: Mein votum, 2. Julii[12. 7.] anno 94 auf die ander umbfrage des andern puncts ksl. proposition zu Regensburg im Reichs rath gegeben.). Referat: Häberlin XVIII, 366–371. Vgl. Bericht Jagemann an Hg. Heinrich Julius vom 24. 7. (14. 7.) 1594: Obwohl sein Votum /335’/ mehrenteils singularegewesen ist, haben ihm danach der Ebf. von Salzburg und Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg sowie Gesandte zugestimmt. Die österreichischen Delegierten haben ihn gebeten, ihnen das Votum schriftlich zu übergeben, damit sie sich in der Resolution für FR danach richten können. Doch hat sich bei deren Verlesung [Österreich, fol. 67: Nr. 83] gezeigt, das man das beste außengelaßen und darentgegen das hinnein gesetzet, dadurch man dem hispano zu guttem das gantze kriegswesen in das Reich transferiren wurde(NLA Wolfenbüttel, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 41/2, fol. 332–336, 348’, hier 335’. Or. Referat: Häberlin XVIII, 365 f.). Allerdings wird in der Resolution des FR [Nr. 292, fol. 191’; Nr. 255, fol. 113’] auf das schriftliche Votum verwiesen.
ab
 ersuchen] Wolfenbütteler Votum (Anm. 20, fol. 9) zusätzlich: ob sie Ks. und Reich fridens tractation einraumen wöllen.
21
 = als spanischer Generalstatthalter.
22
 Vgl. Anm. 44 bei Nr. 34.
ac
 zuversicheren] Wolfenbütteler Votum (Anm. 20, fol. 9) differenzierter: der kunfftigen fridens artickel halben genugsamb assecuriren unnd versichern.
ad
 werden] Wolfenbütteler Votum (Anm. 20, fol. 9’) zusätzlich: Für diesen Fall Billigung, dass die 4 genannten Kff. [Nr. 1, fol. 38] sowie je 2 Ff. beider Religionen für die Friedensverhandlung bevollmächtigt werden.
23
 Hier gemeint: (herrenlose,) die Bevölkerung bedrängende Söldner und Gartknechte.
ae
–ae und … werden] Wolfenbütteler Votum (Anm. 20, fol. 10) differenzierter: jedoch zwischen denen, so dem einen oder andern kreigenden[!] theilen zugethan, unnd denen, so gantz hernloß […] sich vergaddern und die leuthe vergewaltigen unnd belästigen […], ein unterschiedt gemacht werden muß. So viel die hernlosen gesellen unnd losen buben, so man freybeutter nennet, anlanget, befindt sich, das die meisten auß dem Reich sein unnd […] hin und widder im Reich geduldet, ja geehret und wol andern vorgezogen werden.
24
 = das RKG.
25
 Vgl. oben, Anm. 19.
af
 stim] Wolfenbütteler Votum (Anm. 20, fol. 11) zusätzlich: Demnach gehort doch Burgundt und die Niderlande mitt zum Reich.
ag
 maiora dahin giengen] Wolfenbütteler Votum (Anm. 20, fol. 11) eindeutig: mit Mehrheit beschlossen wird, dass zur Hilfe von 1582 noch zwey monat zur defension dem westphalischen kreisse erlegt weren solten.
ah
 Ut Braunschweig] Augsburg (unfol.) differenzierter: Hat der pacification halber wie anndere geschlossen, sonnsten auf die executions ordnunng, unnd dero wegen sollten vom Reich ain jar ettliche pferdt in wartgellt genommen, et sicut alii die teütsche freyheit erhallten unnd die gravamina erledigt werden.
ai
–ai Wie … könde] Jülich-Berg (fol. 180’) differenzierter: Zur Abhilfe regt das Gutachten des Kreises [Nr. 290] zwei Wege an: Verbesserung der EO; Mandate gegen Übergriffe auf das Reich. Weill aber eine maxima politicorum ist, das ein herr nicht befehlenn solle, er seie es dan gemeint unnd mechtig, zuexequiren, so must es dabei nicht pleiben, sonder jetz bedacht unnd im abschied versehenn werden, welcher maßenn die ungehorsame von irem mutwillenn abzuwenden unnd die beschwerte wurcklich zurettenn./181/ Leistung der Hilfe gemäß Votum Pfalz-Neuburg. Allein das der abschiedt dermaßen clar gemacht, damit die bewilligung dem kreiß zum besten erschieße und nicht widerumb wie anno 82 disputirlich gemacht, unnd die directio bei dem beschwerten gelassen werde.Allein die Androhung von Mandaten ohne deren Exekution bewirkt wie in der Vergangenheit nichts, vielmehr sind damit das Reich und die constitutiones inn solche verachtung kommen, das auch sein gnediger furst und herr der Reichs constitution, landtfriedens unnd execution ordnung in beschickung der kriegsleuth […] nicht woll mehr anregen darff. Wie dan zuweilenn damittenn geschimpfft unnd gesagt wirtt, man puche[poche] viell auff das Reich – was ist das Reich oder kreiß, was seindts fur bestien, haben keine zehen[Zähne], sie beißen nicht./181’/ Wiederholen ihre Bitte an den RT, zu dem sie ir letzte zufluchtnehmen.
26
 = Gesindel.
aj
 restituieren] Jülich-Berg (fol. 180) zusätzlich: nämlich die Gft. Moers sowie die Schanzen Grevenwarth [Schenkenschanz] und Isselort [bei Arnheim]. Wenngleich anlässlich des RDT 1590 die Generalstaaten behauptet haben, beide Schanzen seien geldrisch, so hat der Hg. dargelegt, dass sie klevisches Eigentum und Kammergüter sind (vgl. Anm. 27 bei Nr. 290).
ak
–ak Doch … fürtzunemmen] Hessen (unfol.) differenzierter: Friedensvermittlung nach Anfrage bei den Kriegsparteien, Restitution entzogener Orte und Unterbindung der Einfälle. Eine Hilfe für den Westfälischen Kreis ist in Anbetracht des Türkenkriegs unmuglich. So kontenn sie, die gesandtenn, alß der zwey monatenn weitter begertter defensiff hulff halbenn sich nichtt einnlaßenn ohnn bevelch. So viell die mandata sine clausula[betrifft], die wurdenn nicht geachtett werdenn. So wehre der wegk repressaliorum ihres gn. f. und herrnn unnderthanenn, so in Hispanienn, Franckreich, Niederlanndt unnd andere ortter handtirung treibenn,[nicht zuträglich. Sie würden] unverschultter ding widerumb mitt dem irigenn in die gröste gefahr kommenn.
27
 Vgl. Anm. 24 bei Nr. 34.
28
 Vgl. Anm. 27 bei Nr. 30.
29
 Die diesbezügliche Weisung Lgf. Moritz’ vom 14. 7. 1594 (4. 7.; Eschwege) erreichte die Gesandten erst am 19. 7. (9. 7.): Er stellte zu den Forderungen im Gutachten des Niederrheinisch"–Westfälischen Kreises [Nr. 290] fest, diese würden den Kreisständen in ihrenn kram wohl dienen, wozu aber dieselbenn gemeinet unndt ob es dem Reich zu rathenn unndt, da es gleich zu rathenn, in der stende vermögenn seie,Kriege in Ungarn, Kärnten, Österreich und den Niederlanden zu führen, sei zu bedenken. Wen die flammen an allenn orternn ausschlagenn wollen, […] werde das feur ubell zuleschenn sein. Unndt solte disfals in allwege der friede an einem oder dem andernn orte das beste sein(StA Marburg, 4e Nr. 1397, unfol. Or.; präs. 19. 7. {9. 7.}).
al
 Durlach] Augsburg (unfol.) zusätzlich: Votum Sitten: Wie die ersten 4 Votanten sowie Worms und Freising.
am
–am Habe … bewilligen] Metz (unfol.) differenzierter: Zur Kontribution für den Niederrheinisch"–Westfälischen Kreis hette ich[Bilonius] khein bevelch. Haltt auch darfur, weil ir hochf. Gn.[Karl von Lothringen] an der franzosischen frontier gesessen und die unrhue und gefhar der ortter noch nitt allerdings gestiltt, dz ir hochf. Gn. sich mitt vherner contribution und anlag nit wol khondten beschweren lassen, es wurde dann derselben die hilffliche handt gleichfals gepotten. Steltt derwegen disen puncten dahin, dz man die friedens handlung furnemmen soltt. Wan dieselbige nit stattfinden oder zerschlagen wurde, was aldan ir Mt. und gemaine stendt fur rhattsam finden und vherner zuthun sein mocht, wurden ir hochf. Gn. sich davon nit absondern.
an
 die folgenden Stände] Augsburg (unfol.) differenzierter: Lausanne, Berchtesgaden, Prüm, Stablo, Prälaten, schwäbische Gff.
ao
–ao Er … concordat] Wett. Gff. (unfol.) differenzierter: Stimmen zu, dass den bedrängten Ständen nur ein Friedensschluss helfen kann. Demnach aber zubesorgen, daß die stadten von Hollandt unnd die adhaerenten, dieweill sie durch die spanische tyrannei zum höchsten offendiret und den vortheill itzo in hannden hetten, auch mit Franckreich und Engellandt in foedero stünden, und da man ihnen schon das exercitium der religion wolte freystellenn, wie sie auch wieder bey ihren privilegiis restituirn, inen dardurch nichts neues angebotten würde, so sie nicht alberait selbsten hetten, schwerlich zu einiger friedtshandlung verstehen würden:Deshalb zunächst Nachfragen bei den Kriegsbeteiligten, ob sie zu Friedensverhandlungen bereit sind. Unterstützung für den Westfälischen Kreis: 4 oder 5 Römermonate helfen nicht weiter, weil sie zu solchem werck nicht erklecklich, auch von den stenden ins gemein nicht würden khonnen oder mögen erlegtt werden.Deshalb bleibt nur die Anwendung der EO, um die Söldner beider Parteien aus dem Reich zu bringen, indem man dem Kg. von Spanien auferlegt, den Reichslandfrieden und den Burgundischen Vertrag zu beachten. Wie sich dann auch die stadischen jedezeitt erbottenn, wan sich das spanische kriegßvolck deß teuttschen bodens enthalten würde, das sie dergleichen thun wollten.Daneben: Keine Verschärfung der EO [für Söldnerwerbungen], sondern Wahrung der deutschen Libertät. Klärung der reichsständischen Gravamina noch beim RT.
30
 In der Textvorlage als Kommentar direkt beim Votum: Ist doch gut staadisch im voto gewäsen. Gf. Johann VI. von Nassau kritisierte später im Schreiben an seinen Sohn Wilhelm Ludwig vom 15. 8. 1594 (5. 8.; Dillenburg) die von Jülich und Münster veranlasste Reichshilfe als eine sonderbare Spanische practique,um damit diese und andere Lande under die Spanische Inquisition und regierung[zu] bringen; darausz, wie auch ausz dem stifft Cölln, welchen sie, unsere wiedersacher, albereith gefast und in henden haben,eine stärkere Grenze gegen die Niederlande zu bilden, damit die Macht der Liga zu steigern und die bekenner göttlicher warheithzu unterdrücken (Groen van Prinsterer, Archives II/1, Nr. CXIX S. 276–284, hier 279).
ap
 Beschluss] Pfalz-Neuburg C (fol. 141) zusätzlich: resümiert von Salzburg.
31
 Vgl. Bericht der Brandenburg-Ansbacher Gesandten vom 14. 7. (wie Anm. k): Zunächst stellte Salzburg lediglich das Mehrheitsvotum fest. Als daraufhin Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg und Hg. Friedrich von Württemberg mit dem Ebf. /478’/ inn ein eng gesprech kommen, hat Salzburg offentlich angezeigt, obwol Osterreich unnd Bayrn das mehrer, weren doch vil gueter, nützlicher bedencken von ettlichen stenden einkommen, die nicht inn wind zuschlagen. Darumb wolle man uff ein bedencken verdacht sein unnd zu vergleichung ablesen.