Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Textvorlage: Österreich, fol. 54’–59’.
2. HA (Landfriede und Niederlande), niederländischer Krieg: Anberaumung der Friedensvermittlung durch Ks. und Reich. Klärung der Friedensbereitschaft beider Kriegsparteien. Restitution besetzter Orte im Reich. Reichshilfe für den Niederrheinisch-Westfälischen Kreis und Vorgehen gemäß EO gegen Söldnerübergriffe.
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Umfrage. Österreichb: Ks. regt die Fortsetzung der Friedensvermittlung an und bittet dazu um Stellungnahme der Reichsstände1. Wie aber datzu zu khummen, erinnern mir[!] unns, dz biß dato diß ortts von ier Mt. vergebenlich gearbeit worden2. Vermainendt derwegen, dz es nit in ier Mt. namen allain, sunder in deß gantzen Römischen Reichs namen gemainlich getriben unnd umb einraumbung güetlichen underhanndlung bey bayden kriegenden partheyen durch sunderbare abgesandte ernstlichs vleyß angesucht und den gesandten in befelch gegeben werde, angedeüte beede partheyen unnd eine jede in sunderhayt der vilfältigen, dem Reych unnd besunder dem westphalischen crayß ervolgten beschwärnußen der notturfft nach zuerinnern: Daß Reich werde lenger nit zusehen. Ier Mt. sampt den churfürsten unnd ständen deß Reichs hetten etliche auß ierem mittel, baider religion in gleicher antzal, welche inen namhafft zu machen, vermögt, dz sie sich der sachen zu underfachen bewilligt. Unnd wäre daruff ir Mt., auch der ständt an sie ernstlichs begeren, anmahnen und ersuchen, solcher underhandlung statt zugeben. /
NB: Nach dem Össterreich votiert hat, e–ist Hatstein, burgundischer abgesanndter, auf etlich ständt zuesprechen, gleichwol in der stille beschehen, gutwillig abgetretten–e.
Pfalz-Neuburg4: Sagt ir Mt. umb die vätterlich sorgfeltigkeyt danckh. /
Salzburgh,9: In effectu ut Össterreychi. Allain wann sich die fridens tractation verweylen wurde, dz alß dann die restitution der eingenomnen päß unnd plätzen, so dem Reich zugehörig, auch die freyheit der commercien und suspensionem armorum zuerhalten. Unnd wann alles nit statt haben wurde, wie ime weiters zuthun sein wurde: j–Nämblich den deputierten allen gewalt geben, wie man solchen dem Reych zugefiegten schaden abwenden möchte–. Den deputierten /
Württembergl: Ut priores. Doch vermaint er, mann solte den könig auß Hispanien ersuchen, wie weit er sich einlassen wölle. Ratione deß betrangten westphalischen crayß: m–Eß seye im noch mit 4 noch 5 monaten geholffen, dan zu einem offentlichen krieg es nit erspreyßlich. Eß were besser, dz man in dergleichen entpörungen sich der Reichs constitutionibus gemäß verhielte unnd in executione die crayß ain annderen die hendt bieten–m, wie es loblichen versehen10. Erinnert, mann solle die constitutiones nit so hoch scherpffen, daß die teütsche freyheit darunder angegriffen werde11. Item ier Mt. sollen die gravamina, so ubergeben worden12, abhelffen.
Besançon mit Trient: Ut Össterreych. Repetit idem pro Trient.
Bayern: Mann könde nit an allen orten kriegenn. Last ime derwegen die fridens tractation in Niderlanden am besten gefallen. Aber wie sollcher in dz werckh gericht werden möchte, da mueß man nachdenckhen. Mann solle fridliebende fürsten dartzu deputieren. Sunsten in effectu ut Össterreych. Bewilliget für den westphalischen crayß, damit er auch nit hülffloß gelassen wurde, 4 oder 5 monato; aber daß ier Mt. direction daruber habe. Tragt sorg, die staaden werden den friden außschlagen. In quem eventum prospicit, wie inen zubegegnen were: /
Deutschmeister mit Fulda: Ut Österreich.
Pfalz-Lautern: Habe die sachen dahin erwogen, dz bey disem werckh zuvorderist der ursprung, darauß diß unhail geflossen, auftzuheben sey. p–Nachdem er aber vernimpt, dz die ständt13 [!] ier Mt. kain pacifications handlung einraumen könden, so halt er für ein notturfft, dz der kunig auß Hispanien die conditiones, die er eintzugehn bewilligen wurde, erclärete–p. Doch soll[man] interim den westphälischen crayß nit verlassen. Unnd das werde geschehen, wann mann eintweders bayden theylen ernstlichen zuschribe, dz sie auß deß Reichs platzen wichen unnd dergleichen unthatten abgeschafft wurden. Im fahl der verwägerung müeß man sich neceßarie der executions ordnung14 gebrauchenq. Weiter zubewilligen an gelt hab er kain befelch. Ratione gravaminum et libertatis germanicae vergleicht er sich mit Württenberg.
Bamberg: Die fridens tractation seye in allweg anzuordnen. Stelt es aber allerdings ier Mt. haimb. Ratione deß westphälischen crayß ut Össterreych.
Pfalz-Simmern: Es seye ein grosse notturfft, dz der friden tractiert werde, doch dz Engelland unnd Franckhreych nit außgeschlossen werden. Sonnsten ut Pfaltz-Neuenburg de modo. /
Würzburg: Referiert sich uff Neuenburg: Dz hiertzue von ier Mt. unnd dem Reich ain ansehenliche commission antzuordnen, die partheyen zum friden ermahnen, restitution der abgenomnen gueter unnd plätzen begeren, item suspensionem armorum; daß die commissarii genugsam gewältigt werden. Wann sie15 es abschlagen werden, solle dz Reich lenger nit zusehen. Wie dem westphälischen crayß mit gelt zuhelffen, vergleiche er sich mit dem mehreren.
Pfalz-Zweibrücken: Tragt sorg, es werde alles umbsunsten sein. Man möge es versuchen. Schlecht ein mittel dartzue fur: Ut liberum exercitium religionis jederman16 vergünnet werde, alles, waß fürgangen, vergessen werde, item die unnderthonen bey ieren privilegien gelassen werden unnd die staaden genugsam assicurirt werdens. Sunsten ut Pfaltz-Lautern. Daß Reych solle sich deß niderlendischen kriegs mit der that neque per directum neque per indirectum annemmen.
Worms: Vergleicht sich mit Össterreych, Neuenburg, Saltzburg und Bayern.
Pfalz-Veldenz: Ut Württenberg.
Eichstätt: Ut Össterreych.
Sachsen-Weimar: Ut Pfaltz-Neuenburg. Und wann nichts helffen wurde, sey die executions ordnung dz beste /
Speyer: Ut Össterreicht.
Sachsen-Coburg (Johann Casimir): Ut Sachsen-Weimar. Erinnert die ständt deß vorigen bitts umb die erledigung deß gefanngnen herrn17.
Konstanz: Ut Österreych.
Sachsen-Coburg (Johann Ernst): Ut Fridrichu.
Augsburg: Ut Össterreych.
Brandenburg-Ansbach: Ut Württenberg. Mann soll dem könig auß Hispannien schreyben, dz er Franckhreych und Engelland auch in den friden ziehen18; so möcht ein general friden zu hoffen seinv. Hietzwischen möchte man ain anstandt machen, den kriegenden partheyen restitutionem injungieren, w–die besatzung auß dem cöllnischen poden abschaffen–w. Die cammergerichts mandata seyendt gegen Burgundt umbsunst, weil es mit dem cammergericht nichts zu thunx,19. Mann solle kheine repreßalien brauchen, damit mir[!] den krieg nit in dz Reich ziehen. Sunsten ut Pfaltz-Lautern.
Hildesheim: Ut Bayerny.
Braunschweig-Grubenhagen: Ut Württenberg.
Paderborn: Werdt die pacification nit in dz werckh gericht oder sich in die lenge vertziehenz, solle man suspensionem armorum utrinque procurieren. Den westphälischen crayß belangend: aa–Begeren sie von dem Reych kain grossen uncossten etc.– /
Braunschweig-Wolfenbüttel20: Den friden künde khain vernünfftiger widerrathen. Mann soll bayde thayl zuvor ersuchenab. Sovil den könig auß Hispanien betrifft, hab sein gnediger fürst unnd herr von ertzhertzog Ernsten21 verstannden, dz der könig sollchen wol leiden müge. Bey dem annderen theyl aber seyen zway obstacula, so vor allem zu removieren sein werden: 1) dz grosse mißtrauen; 2) dz sich die staaden an Engelland unnd Franckhreych gehenckht22. Derwegen von dem könig erstlichen zuvernemmen, wie er die staaden zuversicherenac willens, item ob er Franckhreych unnd Engellandt auch darein ziehen mochten lassen. Unnd wann die zwo sachen nit richtig, würdt sollches ansuchen dem Reych schimpfflich sein. Unnd wo mann sollches versicheret, möge hernacher obenangerürte tractation in dz werckh gericht werdenad. In mittelst soll man den hoch angefochtnen westphälischen crayß nit verlassen, welchen ettliche lose buben, freybeütter23, so hart verfolgen. In werender tractation soll man ain anstandt werben. Item den freybeüttern mit ernst unnd gewalt begegnen, ae–und ein underschidt zwischen den krigenden partheyen unnd herlosen buben gemacht werden–. Die freybeütter sollend ipso facto in deß Reichs acht erclärt sein: Dz sie alle ständt angreyffen, iere güeter confiscieren, sie uber die klingen springen lasse[n]. Wie dan sein gnediger fürst und herr solchem ein anfang gemacht. /
Freising mit Berchtesgaden: Ut Össterreych.Wiederholt das Votum vigore substitutionisfür Berchtesgaden.
Braunschweig-Calenberg: Wie Wolffenbüttel.
Regensburg: Wie Össterreych.
Braunschweig-Lüneburg: Ut Braunschweigah.
Passau: Wie Bayern.
Jülich: Der friden seye dz beste mittel. Wie aber derselbig zuerlanngen, vergleicht er sich mit Össterreych, sunder waß die suspensionem armorum belangt. Wann aber villeicht nichts auß der fridens tractation wurde, soll mann hietzwischen die betrangte ständt nit verlassen, uff dz die partheyen desto genaigter zu dem friden seyen. ai–Wie in zuhelffen, vergleicht er sich /
Pommern-[Stettin]: Ut Neuenburg. ak–Doch eß seye nit räthlich, die repreßalia fürtzunemmen–ak. Die[!] teutschen libertet ut Württennberg, et ratione der executions ordnung.
Brixen: Ut Össterreych.
Pommern-[Wolgast]: Ut Pfaltz-Neuenburg et Pommern.
Basel: Ut Speyr.
Hessen-[Kassel]: Er habe sich zuberichten, dz sich die pacifications handlung anno 79 darumb allein zerschlagen, dz der könig dz exercitium der religionen nit gestatten wollen27. Wann der kunig eines anderen bedacht wurde, wäre etwas zuhoffen. Die repreßalia seyendt nit zurathen, es wurde allein die nächst gesäßene treffen. Vermaint, mann solle ain ernstlichs ansuchen an beyde theil thun, dz sie deß Reichs occupierte güeter restituieren; wie sich dann die staaden anerbotten sollen haben28. Wan solches nit zuerlanngen, solle mann dz ordinarium remedium, die executions ordnung, an die handt nemmen. Zue der defensions hülff hab er kein befelch29, wolle sich aber nit sunderen. Musse sich selbsten vor den excursionibus versehen. Der lanndts friden seye sunsten nit zuverenderen.
Lüttich: Ut Össterreych.
Hessen-[Marburg]: Ut Hessen.
Münster: Ut Padelborn.
Hessen-[Darmstadt]: Ut Hessen.
Baden-[Durlach, Ernst Friedrich]: Ut Wirttenberg.
Cambrai: Ut Össterreych.
Baden-[Baden]: Ut Össterreych.
Baden-[Durlach, Georg Friedrich]: Ut Baden-Durlachal.
Metz: Ut Bayern. am–Habe kein befelch, in ain weitere contribution zu bewilligen–am.
Leuchtenberg: Ut Saltzburg.
Verdun: Wie Össterreych.
Anhalt: Ut Württenberg.
Toul: Wie Össterreych.
Henneberg: Wie Weimmar; der freybeuter halben ut Wolffenbüttel.
Nomeny: Ut Metz.
Murbach, Arenberg, Ellwangen und die folgenden Ständean: Ut Össterreych.
Wetterauer Gff.: ao–Er habe schlechte hoffnung zu dem friden in betrachtung der spannischen tyraney unnd niderlänndischen confederation. Darneben haben sie auch ein vorthayl. In reliquo concordat–ao,30.
Beschlussap: Eß befinde sich bey diser umbfrag, dz sich die mehreren vota auf Össterreych unnd Bayern referieren. Darbey solle es nuhr billich pleiben. Dieweil aber auch von annderen gute unnd zue der sach dienliche mittel angedeut worden, so sollen auch dieselben auff dz papir gebracht, der relation einverleibt, verlesen und abgehört werden31.