Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage für den Vormittag: Österreich, fol. 63’–67. Textvorlage für den Nachmittag1: Augsburg, unfol.

1. HA (Türkenhilfe): Beschlussfassung zur Triplik des Ks. Verkürzte Laufzeit, frühere Erlegungstermine als eilende Hilfe. Erstattung der vom Ks. aufgenommenen Gelder aus der neu bewilligten Steuer. Klärung der reichsständischen Gravamina. Benennung der Mitglieder für die Kommission zur Revision der Söldnerbestallung. Keine Einigung mit KR zur Ausweisung einer eilenden Hilfe, zur Laufzeit der Steuer und den zugelassenen Münzsorten für die Erlegung. 2. HA (Landfriede und Niederlande): Resolution des FR zur Friedensvermittlung im niederländischen Krieg. Strittige Votenabgabe für das Hst. Halberstadt durch Braunschweig-Wolfenbüttel.

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/63’/ [Vormittag] Fürstenrata. Salzburg proponiert: Triplik des Ks. zum 1. HA (Türkenhilfe)2.

Umfrage. Österreich: bDeferiert dem churfürsten collegio. Ratione der jenige, so die knecht bestallung sollen besseren, schlecht er für herrn Marquardt von Könseckh3. Doch das diß deferieren dem fürsten rath an seiner hocheyt nichts praejudiciere.

Pfalz-Neuburg: Distinguit triplicam4. 1) Sey ier Mt. mit 80 monat zufriden; 2) beger man, die termin zu näheren; 3) dz die anticipation nit defalciert werde; 4) die knecht[Bestallung]. Vonn wegen der vorstehender noth vermaint, cdz erste[Ziel] Johannis5 20 monat zu erlegen; die zil uff baide Johannis–c,6. dRatione anticipationis soll mann ier Mt. darfür pitten, damit der armen underthanen verschont werde–d. Die ennderung und verbesserung der fueßknecht bestallung: Schlecht[vor] herr Haniwaldt von Raitnau, eKönseckh, herr von Stain, herr von Erlach–e,7, welche alle in locco. Ir Mt. seyend zuerinnern, das man die gravamina wo nit bey werendem reichstag, doch bey fürderlicher deputation abhelffe.

Burgund: Ut Pfaltz-Neuenburg. Bewilligt conditionaliter, fdas man sein principal als ein mittglid deß Reichs nit verlasse–f.

Württembergg,8: hBefindt in der triplic, daß etlicher pro- /64/ testierenden vota zuvor übergangen und nit referiert, wie in dem churfürsten rath beschehen–h,9. Will 80 monat an landtleüffiger müntz erlegen, doch daß mann den gravaminibus bey werendem reichstag würklich abhelffe. Welches zum thayl wol geschehen könde, dieweil ettliche kain fernerr tractation bedörffen, alß den religion- und prophan friden zuhalten; 2) die außländische proceß und einfäll abschaffen. Aber waß so bald nit richtig kan gemacht werden, alß die iustitia, mög er ain deputation leiden. Daß mann die restantzen eintziehe. Die contribution soll nit länger wären allß der türckische krieg. Ratione terminorum, dz die 6 jar in 5 restringiert werden. Diß jar 20 monati, 1. terminus Nativitatis Mariae diß jars, 2. Letare deß anderen. Schlecht für zu der reformation der knecht bestallung: Hainrich vom Stain unnd Burckhardt Stickhel10.

Salzburg: Dieweil mann in voriger tractation fast alletzeit dem curfürstlichen collegio deferiert: Zue der gewinnung der zeit wölle er in den ersten drey puncten den churfürsten deferieren. Schlecht zue der reformation der bestallung für, was die anderen für daugenliche personen wissenj.

Bayern: Wie Pfalz-Neuburg in 1. et secundo puncto. Ratione anticipatae pecuniae: Es werden vil der abgeordneten daruff nit instruiert sein. Deferiert darin den churfürsten. Schlecht zue der reformation für: Hannibal von Raitnau unnd Marquardt von Könseckh11.

/64’/ Würzburgk: In restrictione 6 annorum in 5 et ratione terminorum ut Pfaltz-Neuenburg. Will halb batzen unnd drey creützerer erlegen. Waist kein mittel, wie mann die anticipierte hülff ablaine; putat in isto ut Pfaltz-Neuenburg, doch dz mann sich mit den churfürsten vergleiche.

Pfalz-Lautern: Er habe nie 80 monat bewilligt. Repetit omnia priora vota. lEs haben nit alle pure bewilligt. In reformatione12 schlecht er fur ut Württenberg.

Besançon mit Trient: Ut Össterreych et Bayern. Repetit fur Trient.

Pfalz-Simmern: Was er zuvor in hoc puncto uff ratification bewilligt13, repetiert er. Confirmirt[!] sich sonsten uff ratification mit Pfaltz-Neuenburg unnd Württenberg.

Deutschmeister [mit Fulda]: Ut Össterreych.

Pfalz-Zweibrücken: Hab ratione quantitatis contributionis nie nichts pure bewilligt. Referiert sich uff priora14. In puncto contributionis solle man durch uberstimmung keinem standt kein praejudicium machen. Sunsten ut Württenberg.

Bamberg: Ut Pfaltz-Neuenburg, weil es sich mehrertheils mit ir Mt. triplic vergleicht.

Pfalz-Veldenz: Ut Zwaybruckhen unnd Württenberg.

Worms: Ut Össterreych.

Sachsen-Weimar: Ut Pfaltz-Neuenburg, und dz man den churfürsten sine praeiudicio deferiere.

Eichstätt: Ut Pfaltz-Neuenburg et in eventum ut Össterreich etc.

/65/ Sachsen-Coburg (Johann Casimir): Ut Sachsen-Weinmar.

Speyer: Ut Össterreych, in eventum ut Pfaltz-Neuenburg.

Sachsen-Coburg (Johann Ernst): Ut Sachsen-Weinmar.

Konstanz mit Brixen und Murbach: Wie die replic in prioribus duobus15, in posterioribus ut Bayern. Repetit eadem pro Brixenm.

Brandenburg-Ansbach: Bewilligt 64 monat16, so lang der krieg weret, mit bedingung wie zuvor in der resolution uff die duplic17,n. Das man die gravamina in acht neme, ut Württenberg. In reliquis ut maiora.

Augsburg: Ut Össterreych. In moneta ut Würtzburg.

Braunschweig-Grubenhagen: Repetit priora quoad quantitatem18. Ist täglich beschaidts gewertig. Sunsten ut Württenberg.

Hildesheim: Ut Össterreych.

Braunschweig-Wolfenbüttel mit Halberstadt19: oBewilligt 64 monat conditionaliter. Wann man die gravamina, quae indagatione altiori non indigent, in disem reichstag abhelffe, daß erst jar 20 monat; darnach, wan die anderen gravamina abgeholffen werden, die anderen 60 monat. Will auch solches ratione Halberstatt repetiert haben20.

Gegen die Wiederholung des Votums für Halberstadt haben die catholischep alle protestiert21 und dz halberstattische votum widersprochenq.

Braunschweig-Calenberg: Ut Braunschweig.

Freising: Ut Össterreych. Repetit protestationem contra Halberstatt.

Braunschweig-Lüneburg: Ut maiora, unnd dz die gravamina abgeholffen werden.

/65’/ Regensburg: Ut Össterreych. Repetit protestationem catholicorum contra Halberstatt. Es habe anno 82 ain anderen statum gehapt, dann er damals nit verheürat gewesen, auch die confirmation von dem bapst begertr,22.

Jülich: Repetit priora vota cum protestatione contra Halberstatts.

Passau mit Berchtesgaden: Ut Bayern. Repetit protestationem contra Halberstatt.

Baden-Durlach [Ernst Friedrich]: Repetit priora votat.

Trient: Ut supra23. Item es wolle sich einer eintringen, der nit berufft.

Baden-[Baden] (Eduard Fortunatus): Ut Bayern.

Baden-[Durlach] (Georg Friedrich): Ut Durlach.

Basel: Ut Speyr.

Hessen-[Kassel] (Moritz): Repetit priora vota. Consentit in 80 monat24. Es seye nit herkommen, dem churfürsten collegio zue deferieren. Sunsten ut Württenberg, unnd das allesu in die[!] abschidt gebracht werde. Bewilligt landtleufige müntz. Ut defalcetur anticipatio. Schlecht für25 neben den anderen Wilhelm[!] von Rosingen, rittmaister26.

Münster: Ut Padelborn.

Hessen-[Marburg] (Ludwig): Ut praecedens landtgrave.

Lüttich: Ut Össterreych et Bayern.

Hessen-[Darmstadt] (Georg): Ut Hessen.

Minden: Ut Bayern.

Pommern-[Stettin] (Johann Friedrich): Exspectat reso- /66/ lutionem27. Kan die terminos nit avancieren, vsunder Weihnachten unnd Johannis. In reliquis ut Wurtzburg[!].

Cambrai: Ut Össterreych. Protestatur contra Halberstatt.

Pommern-[Wolgast]: Ut maiora, et contecedens[!] conditionaliter, wann der türckhen krieg ein end habe, dz auch die contribution aufhöre.

Sitten: Ut Össterreych.

Leuchtenburg: Ut Bayernw,28.

Metz: Ut Bayern.

Anhalt: Ut churfürsten, in reliquis ut Württenberg.

Verdun: Repetit priora.

Henneberg: Ut Össterreych, ausserhalb der müntzsorten, welcher in landtleüffigen müntz erlegen will.

Toul: Ut Össterreych.

Nomeny: Ut Metz.

Lausanne: Ut Tull.

Arenberg: Ut Burgundt.

Hersfeld: Ut Össterreych.

Johannitermeister:xProtestatur contra die 4 gefürsten äppt ratione sessionis.

Murbach: Ut Costantz.

Ellwangen, /66’/ Prüm, Stablo: Ut Bayern.

Prälaten: Ut Bayern, cum annexa protestatione contra Halberstatt.

Schwäbische Gff: Ut Össterreych unnd Bayern.

Wetterauer Gff: Referiert sich ad priora vota29. In gravaminibus ut Württenberg.

Beschluss zur Triplik des Ks.: Erstlich dz ier Mt. die zuvor bewilligte 80 monat in 5 jar zu restringieren seye; die zil Nativitatis Christiy und Letarez. Mit fernerer hulff dz anticipiert gelt zu endtrichten, könde der ständ verschont werden; wie auch ier Mt. zubitten, das man die gravamina, welche müglich unnd was geschehen kan, jetz bey werendem reychstag abhelffe. Was ferners nachdencken bedarff unnd nit in ir Mt. willen allein, könden auff einer deputation auch abgeholffen werden.In die Kommission für die Revision der Söldnerbestallung werden vorgeschlagen: Marquard von Königsegg, Wolf von Erlach, Heinrich vom Stein, Rudolfaavon Rössing, Burkhard Stickelab.

/67/ Anschließend hat Illsung für Österreich als Direktor der Verhandlungen zum 2. HA (Landfriede und Niederlande), waß im fürsten rath neulichen die niderländische pacification betreffendt, beschlossen worden30, abgeläsenac etc.

(Nachmittag) Kurfürstenrat und Fürstenrat. [Entsprechend Protokoll des KR, 341–344’.]

Anmerkungen

1
 Die Sitzung am Nachmittag wird in Österreich nicht aufgezeichnet.
a
 Fürstenrat] Württemberg (fol. 638) zur Besetzung: Würzburg, Pfalz-Neuburg und Württemberg persönlich; Gesandte der übrigen Stände.
2
 Nr. 252.
b
–b Deferiert … collegio] Augsburg (unfol.) differenzierter: Zusammenfassung der ksl. Forderungen in der Triplik. Österreich befürchtet, falls FR sich in diesen Punkten dem Ks. nähern wollte, dz doch der churfürsten rath darab bedenckhens tragen mechte unnd also die zeit vergebentlich zuebringen.Deshalb soll man die Resolution des KR anhören und sich dieser anschließen.
3
 Frh. Marquard von Königsegg zu Aulendorf (gest. 1626), bayerischer Obersthofmarschall und Geheimer Rat (Lanzinner, Fürst, 316 f. [dort: „Königseck“]).
4
 Vgl. das schriftliche Konz. für das Votum: HStA München, K. blau 274/9, fol. 237–237a’.
c
–c dz … Johannis] Würzburg A (fol. 134) differenzierter: das die 20 monat eilender hilff uff Nativitatis Mariae und Letarae[8. 9. 1594 und 5. 3. (23. 2.) 1595] oder bede Joannis[27. 12. 1594, 24. 6. 1595] schierstkünfftig allwegen zum halben thail solten erlegt werden; dann die 60 monat, uff jedes jar zu gemelten beden terminen 16 und dz letzte jar 12 monat.
5
 = Johann Evangelist: 27. 12. 1594.
6
 Johann Evangelist und Johann Baptist (27. 12. und 24. 6.).
d
–d Ratione … werde] Schriftliche Fassung des Votums (Anm. 4, fol. 236’) differenzierter: Wegen der Erstattung der bei privat personenaufgenommenen Gelder kann Pfgf. allerdings khein mittel sehen, wie ir Mt. gnedigstem suechen dißmaln statt gethon werden möchte.Deshalb Bitte an den Ks., der ständ inn ansehung der bewilligten schweren contribution mit disem begern allergnedigst und mitleidenlich zuverschonen.
e
–e Könseckh … Erlach] Schriftliche Fassung des Votums (Anm. 4, fol. 237a) differenzierter: herr Marquard von Königsekh, f. baierischer marschalkh, herr Heinrich vom Stein und herr Wolff von Erlach, alle vier obristen.
7
 Jakob Hannibal von Raitenau (1563–1611), Bruder des Salzburger Ebf. Wolf Dietrich; ksl. Rat, Kriegsoberst und Kämmerer Ehg. Matthias’ (Koller-Neumann, Wolf Dietrich, 45 f.; Martin, Beiträge, 216–218, 304–306). Frh. Marquard von Königsegg (vgl. Anm. 3). Ritter Heinrich vom Stein zu Niederstotzingen (1528–1605), ksl. und hgl. Württemberger Rat, Heerführer (vgl. Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd1012413985.html [Abruf: 12.09.2017]). Wolf von Erlach, Söldnerführer im Türkenkrieg, sodann in Frankreich und Spanien; seit 1575 Württemberger Obervogt in Waiblingen. 1583 Kriegsrat Ehg. Ferdinands II., tätig im Kölner Krieg (Lossen, Krieg II, 364 f.; Kausler, Stickel’s Tagebuch, 407).
f
–f das … verlasse] Augsburg (unfol.) differenzierter: Protestiert, dz ir kgl. W. in Hispanien vast schwer fallen wurde, so sy sovil contribuiern muessen unnd dannocht in den Niderlannden von den Reichs stennden allso hart beschwert wirten[!]. Pitt umb abstellung.
g
Württemberg] Korr. nach anderen Überlieferungen. In der Textvorlage verschrieben: Würtzburg. Würzburg A (fol. 134’) differenzierter: Hg. ist persönlich anwesend, Vortrag des Votums durch den Kanzler.
8
 Vgl. auch die schriftliche Stellungnahme Hg. Friedrichs I. zur Duplik und Triplik beim 1. HA [Nr. 274].
h
–h Befindt … beschehen] Augsburg (unfol.) differenzierter: Beschwert sich ob der beschechnen relation mit antzaige, es seye, was daselbst ausgelassen, irer Mt. ain memorial[Nr. 272] übergeben worden, unnd sollte insonnderhait vermelltet sein, inmassen der churfürsten rath auch in die relation gebracht, das ettliche vill stenndt nit pure, sonnder allain condicionaliter bewilligt, das auch anndere, in solche hoche summa zubewilligen, nit gewallt hetten.
9
 Vgl. Anm. 5 bei Nr. 274.
i
 20 monat] Wett. Gff. (unfol.) differenzierter und zusätzlich: Zahlung von 20 Römermonaten als eilende Hilfe, anschließend die beharrliche uf die condition mit erledigung der gravaminum zu continuirn; wie dann die anticipation von dem lettsten termin abtzuziehenn.
10
 Stein vgl. Anm. 7. Burkhard Stickel (1541–1603): Söldnerführer und Hauptmann, Württemberger Kriegsrat und Obervogt (ADBXXXVI, 170 f.). Vgl. dessen Tagebuch: Ks. bat den Hg. von Württemberg vor dessen Abreise, er möge „Kriegsverstendige“ zurücklassen, die neben Verordneten anderer Kff. und Ff. „ein Bestallung der Ritter und Knechte sollten helfen begreifen“. Demnach wurden Heinrich vom Stein „und ich“ dafür benannt (Kausler, Stickel’s Tagebuch, 382).
j
 wissen] Pfalz-Neuburg B (fol. 241’) zusätzlich: Weist den Vorwurf Württembergs wegen des Referats vor KR zurück: Es sei ohnvonnöten gewesen, singula vota zu referirn, sondern die maiora, wie mit allters herkhommen, referirt worden.
11
 Vgl. Anm. 3 und 7.
k
 Würzburg] Würzburg A (fol. 135’) differenzierter: Bf. ist persönlich anwesend, Vortrag des Votums durch Dr. Kobold.
l
–l Es … bewilligt] Augsburg (unfol.) differenzierter und zusätzlich: Beschwerdt sich wider den directorem deß refferierns halber, in dem etliche, nit beederthaill aber[!] so weitt zuverwilligen, nit gern gehabt haben.Dem Votum Pfalz-Lauterns sind sodann alle andere welltlichen banckhs zuegefallen.
12
 = Revision der Söldnerbestallung.
13
 Vgl. Bayern, fol. 122 f. [Nr. 66] sowie Votum am 5. 7. (Augsburg, unfol. [Nr. 75]).
14
 Vgl. Votum am 5. 7. (Augsburg, unfol. [Nr. 75]) mit Rückbezug auf vorherige Aussagen.
15
 = in den ersten beiden Punkten.
m
 Brixen] Würzburg A (fol. 136’) zusätzlich: und für Murbach.
16
 Mgf. Georg Friedrich kritisierte in der Weisung vom 13. 7. 1594 (3. 7.; Ansbach) die Erhöhung auf 80 Römermonate und konstatierte, /461/ weil diß ein freywillige huelff, das solche der mehrer stennde bewilligung unns unnd anderer chur- unnd furstenn, so noch zur zeitt nicht allerdings darein consentirt[Bezugnahme auf Nr. 272], nicht binden noch /461’/ praejudicirn könne.Die Gesandten sollten zusammen mit anderen Ständen die zusätzlich [zu den 64] bewilligten 16 Römermonate weiterhin mit bestem glimpf unnd beschaidenheitablehnen, auch weil der Salzburger und der Mainzer Kanzler den Widerspruch der evangelischen Stände des FR [Nr. 272] nicht annehmen wollten. Sollen auf dem Widerspruch beharren, solange andere Stände, namentlich Kurpfalz und Kurbrandenburg, hierinnen bey euch stehen unnd es mit vertreten helffenn(StA Nürnberg, ARTA 60, fol. 461–467’, hier 461 f. Or.; präs. 14. 7. {4. 7.}). Auch in der Weisung vom 21. 7. 1594 (11. 7.; Ansbach) bestand er auf der konditionierten Bewilligung im Junktim mit den Gravamina (ebd., fol. 510–511’, hier 510. Or.).
17
 Memoriale der protestantischen Stände des FR zur Duplik [Nr. 272].
n
 duplic] Pfalz-Neuburg B (fol. 242) zusätzlich: wonach die Steuer in gangbarer muntz entrichtet werden solle. Dann do mann uf grobe Reichs sorten tringen würde, were es bei den armen underthonen umb des großen uffwechsels willen ein neue schatzung.
18
 Beschränkung auf 64 Römermonate (Würzburg A, fol. 50’ [Nr. 67]).
19
 Referat des Votums bei Häberlin XVIII, 266.
o
–o Bewilligt … conditionaliter] Hessen (unfol.) differenzierter und zusätzlich: Er hette zuvor 64 monatt, jedoch nicht pure, gewilligtt.Hat nunmehr Weisung erhalten, dass der Hg. 80 Römermonate zugesteht.
20
 In der Textvorlage dazu als Randvermerk: N. B.: In diser seßion hat der braunschweigisch abgesandt dz erst mahl von Halberstatt zu votieren sich understanden.Die erstmalige Votenabgabe für Hg. Heinrich Julius als postulierter Bf. von Halberstadt beruhte auf der Weisung des Hg. vom 2. 7. 1594 (22. 6.; Erichsburg) mit der Vorgabe, den bisherigen Sessionsverzicht, den die bereits vom RT abgereisten Halberstädter Gesandten Paurmeister und von der Lippe zugestanden hatten, zu revidieren, um zu verhindern, dass er die Session und andere Rechte für das Hst. verlieren würde (NLA Wolfenbüttel, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 41/1, fol. 503–504’. Or.; präs. 21. 7. {11. 7.}. Vgl. auch Antwort des Hg. zur Werbung des ksl. Gesandten von Schleinitz um den Sessionsverzicht [Nr. 338, Abschnitt F]). Kanzler Jagemann wollte gemäß Bericht an den Hg. vom 24. 7. (14. 7.) 1594 angesichts des kürzlich zugestandenen Sessionsverzichts des Magdeburger Gesandten Meckbach [Nr. 347; Nr. 215, Abschnitt B; Nr. 216] ein ähnliches Vorgehen vermeiden, /333/ weil das exempel mit ime gar frischs und den papisten eine große freude gewesen.Er plante, das Sessionsrecht zu manifestieren, indem er die Session auf der weltlichen Bank für Braunschweig-Wolfenbüttel einnehmen, dafür votieren und sodann das Votum wegen euer f. Gn. als postulirten bischoffen zue Halberstadt suo loco et ordine repetiren und also obtento fine, hoc est voto, de medio per quod, hoc est de sessione, weil ich zugleich an zweyen orthern nicht sitzen konte, mich vor diesmall nit so hart bemuhen, gleichwol aber votando possessionem vel quasi continuiren wolte.Dieses Vorgehen sollte den katholischen Ständen weniger Angriffsfläche bieten als das Procedere Meckbachs für Magdeburg. Jagemann setzte diese Konzeption mit obigem Votum um. /333’/ Welchs dan jederman mit besturtzunge vernommen, also das der nach mihr negst votirender geistlicher dazu stilgeschwiegen und in causa principali zu votiren vortgefahren(NLA Wolfenbüttel, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 41/2, fol. 332–336, 348’, hier 333 f. Or. Vgl. Häberlin XVIII, 142 f.; Lietzmann, Herzog, 30). Zum bisherigen Sessionsverzicht vgl. Anm. 48 bei Nr. 215, Abschnitt B, sowie die Instruktion des Ks. für Christoph von Schleinitz an den Hg. [Nr. 338, Abschnitt C].
p
 die catholische] Metz (unfol.) differenzierter: Zunächst antwortet unmittelbar der Salzburger Kanzler, das er solches votum widersprochen haben woltte, wurde es auch nit prothocollieren.Replik Braunschweig: Sein herr seie in possessione, dan er anno 82 sessionem gehapt, und seie solche contradiction nit modus, aliquem excludendi ex sua possessione. So seie auch sein herr zu recht gesessen. Da jemandts an inen zusprechen, werde man inen finden.
21
 Gemäß Bericht Jagemanns vom 24. 7. (wie Anm. 20, hier fol. 333’) protestierten zunächst der Salzburger Kanzler, der Bf. von Würzburg und der bayerische Kanzler. Er beharrte auf dem Anspruch, /333’/ quod protestatio et contradictio tertii non esset modus amittendae possessionis vel quasi.Heinrich Julius sei 1582 derselben religion wie jetzo gewesen, und gleichwol wegen Halberstadt unstreitige sessionem et votum gehabtt.Wird dies bestritten, ist der Hg. zum rechtlichen Austrag bereit (vgl. dazu und zu den folgenden Protesten: Moser, Staatsrecht XLVII, 102 f.; Häberlin XVIII, 143–149; Ranke, Geschichte, 134; Stieve, Politik I, 242 f.). Vgl. Pölnitz, Echter, 544; Wolgast, Hochstift, 283 f.
q
 widersprochen] Augsburg (unfol.) zusätzlich: Auf den im Folgenden von den katholischen Ständen jeweils vorgebrachten Protest hin hat der Braunschweiger Gesandte stets sein Votum wiederholt und trutzenlich geantworttet. Darob menigclich seiner lachen miessen.
r
 begert] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: were ime aber abgeschlagen wordenn.Dazu antwortet der Braunschweiger Gesandte: Gestunde solches ansuchens mit nichten. Bath, seinen hernn mit solchen falschen ufflagen zuverschonen.
22
 Vgl. Anm. 2 bei Nr. 331. Gemäß Bericht Hg. Maximilians von Bayern an Hg. Wilhelm V. vom 25. 7. 1594 brachte obigen Einwand nicht Regensburg, sondern der Bf. von Würzburg vor. Jagemann habe repliziert, /466’/ das khain redlicher man sagen werde, das sein herr mit dem bapst yemals derowegen etwas zuschaffen gehabt noch denselben angelanget habe.Maximilian stellte dazu fest, es sei /466’/ unschwer zuermessen, daß diß zwischen den magdenburgischen unnd andern ires gleichen gesündl ein angelegtes düng unnd was sy darundter suechen./466’ f./ Die folgende Initiative Bayerns bei Kurköln, Salzburg und anderen katholischen Ständen für weitergehende Maßnahmen entsprechend dem Vorgehen im Magdeburger Fall blieb ohne Ergebnis: Man möge die Wiederholung des Votums /467/ auf irem unwerd lassen berhuen, dieweil khain sondere session genommen worden, die repetitio voti von ainem auf der weltlichen panckh unnd also in deme so wol, als auch so vil die erholung der vorgegebenen votorum belangent, inutiliter et frustra geschehen, unnd das solliches den catholischen fürsten unnd stenden khönfftig nichts praejudicirn khöndte.Es genüge der Protest, das man es für khain votum halte, dasselb auch darfür nit rechnet oder prothocollirt(HStA München, KÄA 3232, fol. 466–468’, hier 466–467. Or. Vgl. Stieve, Politik I, 243 f.). Vgl. dagegen die spätere Eingabe der katholischen Stände des FR an den Ks. [Nr. 355] sowie die Beratung am 6. 8. [Nr. 247 mit Anm. 2 zu weiteren bayerischen Initiativen].
s
 Halberstatt] Metz (unfol.) zusätzlich: Jagemann erwidert zum Protest des Jülicher Gesandten, ob sein herr nit gnug sonsten zuthun und sich mher feindt machen wolle.
t
 vota] Pfalz-Neuburg B (fol. 243’) zusätzlich: Bezüglich der Münzsorten werde es fast beschwerlich zugehen, wenn mann grobe Reichs sorten beharren solte, wegen des großen ufwechsels und dz dieselbige nit wol zubekhommen.
23
 Vgl. Votum oben bei Besançon.
24
 Lgf. Moritz hatte auf die ksl. Triplik hin [Nr. 252] in der Weisung vom 14. 7. 1594 (4. 7.; Eschwege) seine bisherige Vorgabe für die Bewilligung (vgl. Anm. 22 bei Nr. 75) auf 80 Römermonate erhöht (StA Marburg, 4e Nr. 1397, unfol. Or.; präs. 19. 7. {9. 7.}).
u
 alles] Hessen (unfol.) deutlicher: die Klärung der Gravamina noch beim RT bzw. durch einen künftigen RDT.
25
 = für die Kommission zur Revision der Söldnerbestallung.
26
 Vgl. dagegen in der Beschlussfassung zur Umfrage: Rudolf von Rossingen.[korrekt: Ludolf; so auch beim Korreferat mit KR: Kursachsen, fol. 342’]. Ludolf von Rössing (1534–1594), seit ca. 1570 wiederholt Heerführer im spanischen und französischen Dienst; Rat der Hgg. Julius und Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (Reden-Dohna, Rittersitze, 116 f.). Von Rössing war beim RT anwesend als Gesandter Hg. Heinrich Julius’.
27
 Hg. Johann Friedrich bestätigte in der folgenden, hier noch nicht vorliegenden Weisung vom 25. 7. 1594 (15. 7.; Schönfließ) seine vorherige Vorgabe (vgl. Anm. 24 bei Nr. 75) zum Anschluss an die Mehrheit (AP Stettin, AKS I/201, pag. 211–214, hier 211. Or.; präs. 3. 8. {24. 7.}). Seine spätere Weisung vom 7. 8. 1594 (28. 7.; Friedrichswalde) mit der Stellungnahme zur ksl. Triplik erreichte seine Vertreter nicht mehr in Regensburg. Der Hg. bestätigte darin, dass der 1. Erlegungstermin zu Nativitatis Mariae (vgl. Anm. v) für ihn eine /219/ wahre unmugligkeittsei, da er das Geld aus der eigenen Kammer nicht aufbringen und von den verarmten Untertanen so eilig nicht erheben könne (ebd., pag. 219–222, hier 219 f. Or.).
v
–v sunder … Johannis] Pfalz-Neuburg B (fol. 244 f.) abweichend und zusätzlich: Termine auf Johann Baptist und Johannes Evangelist [24. 6., 27. 12. 1595]. Erster Termin zu Nativitatis Mariae [8. 9. 1594] ist nicht möglich, weil sie, die Gesandten, vor Michaeli [6. 10.] /244’/ kaum zu haus gelangenkönnen und anschließend die Landstände einberufen werden müssen.
w
 Bayern] Hessen (unfol.) zusätzlich: Da auch Leuchtenberg den Protest gegen das Votum für Halberstadt wiederholt, antwortet Jagemann: „Quoad te liberas aedes habeo.“
28
 Vgl. dazu den Bericht Jagemanns vom 24. 7. (wie Anm. 20, hier fol. 334’): Auf seine Erwiderungen an Jülich (vgl. Anm. s) und Leuchtenberg hin wurden /334’/ beide gutte hern nicht allein von allen evangelischen, sonder auch von vielen papisten außgelachet, und also die comoedia mit lachen geendiget.
x
–x Protestatur … sessionis] Wett. Gff. (unfol.) differenzierter: Protestirt, das die vier praelaten Fulda, Hirschfeldt, Murbach, Ellwangen die session eingenommen, unnd das solches dem johanniter orden möge unnachteilig sein. Pfalz-Neuburg B (fol. 244’) zusätzlich: Protest zu diesem Zeitpunkt, weil der Gesandte des Johannitermeisters hier erstmals am FR teilnimmt.
29
 Vgl. zuletzt am 5. 7. (Bewilligung von 50 Römermonaten): Augsburg, unfol. [Nr. 75].
y
 Nativitatis Christi] Korr. nach Württemberg (fol. 638’) und weiteren Protokollen. In der Textvorlage abweichend und falsch: Nativitatis Mariae.
z
 Letare] Augsburg (unfol.) zusätzlich: Demnach sollen auf jetzt khunfftig Weichnachten[!] angefangen mit 10 monat und auf Letare hernacher wider 10 erstattet werden. Die uberige jar sollen eingethaillt werden, so weit sichs erstreckhen thuett. Die müntz soll auf Reichs werung gerichtet, doch drey khreitzer unnd halb patzen darunter eingewillt werden.
aa
 Rudolf] Hessen (unfol.), Jülich-Berg (fol. 189) abweichend: Ludolff.Dagegen Augsburg (unfol.) wie Textvorlage. Wett. Gff. (unfol.) abweichend: Wilhelm. [Vgl. Anm. 26.]
ab
 Stickel] Augsburg (unfol.) zusätzlich: Doch solle zuvor der churfürsten bedenckhen angehert unnd sich mit denselben verglichen werden.Salzburg abschließend: Was in der Umfrage wegen ihres Direktoriums vorgebracht worden ist, dz hetten[!] seinen weeg; man liest es auch bey demselben verbleiben.[Jakob Hannibal] von Raitenau kann ohnehin nicht in die Kommission zur Revision der Söldnerbestallung berufen werden, weil er alberaith in werbung unnd im anzug.
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 Vgl. die Beratungen am 12. 7. [Nr. 80]. Schriftliche Fassung als Resolution des FR: Nr. 292(nur zum 2. Teil des 2. HA). In Jülich-Berg (fol. 189–191) detailliertes Referat der Resolution. Vgl. zum Inhalt auch den Vortrag vor KR am 27. 7. (Kursachsen, fol. 390’–393’ [Nr. 37]).
ac
 abgeläsen] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: Vor der Verlesung ist Burgundt abgedretten.