Beharren auf der Minderbewilligung von 20 Römermonaten eilender und 48 Römermonaten beharrlicher Hilfe sowie auf den Erlegungsterminen. Erlegung in Städten am Rhein in örtlich gangbarer Reichsmünze. Verrechnung der Gelddarlehen für den Ks. mit der neuen Steuer. Klärung der Gravamina als Vorbedingung für die Leistung der beharrlichen Hilfe. Sicherstellung der Steuergerechtigkeit durch Einbringung der Restanten.
Im SR verlesen und gebilligt am 23. 7. 15941. Im RR verlesen und dem Ks. zusammen mit der Quadruplik der Reichsstände übergeben am 25. 7.2 Von den Reichsständen kopiert am 28. 7.
HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 444–449’ (Kop. Schlussvermerk:Der erbarn frey- unnd Reichs stedt quadruplic in puncto contributionis. Lectum Regenspurg, den 28. Julii anno 94.) = Textvorlage. HHStA Wien, RK RTA 65 Fasz. 2, fol. 85–90’ (Kop. mit Randvermerken, die den Inhalt zusammenfassen3. Dorsv.:Der stet absonderlich bedencken in articulo turcico. Praesentatum 26. Julii [!]anno 94.) = B. StadtA Ulm4, A 646, fol. 182–186 (Kop. Überschr.:Der erbarn frey- unnd Reichs stött quadruplic under [!] puncto contributionis.) = C. HStA München, KÄA 3230, fol. 116–121 (Kop.). HStA Dresden, GA Loc. 10203/3, fol. 174–178’ (Kop.). LAV NRW R, JB II 2344, fol. 362–365’ (Kop.).
Später wörtlich in den Protest einiger protestantischer Reichsstädte gegen den RAb aufgenommen [Nr. 509, unfol.].
Referiert bei Stieve, Politik I, 246 f., Anm. 4.
/444/ Die Gesandten der Reichsstädte haben der Triplik des Ks. zum 1. HA (Türkenhilfe)5die Aufforderung entnommen, sich sowol in quantitate als qualitateder Bewilligung von KR und FR anzuschließen.
Dazu erklären die Gesandten namens ihrer Obrigkeiten: Ob sie wol nichts liebers wolten, dann das es mit denn erbarn frey- und Reichs stetten also beschaffen were, das irer ksl. Mt. aller underthenigst willfarth werden möchte, so sey es aber einmal an deme, das von wegen der langwirigen kriegen in den Nider- und andern /444’/ benachbarten landten und königreichen wie auch der übermessigen steigerung der zöll und aufschleg zu waßer und zu landt im gantzen Heiligen Reich und anrichtung ungewönlichen licenten und convoy geldts6, auch anderer vilfeltigen neuerlichen uffsetz die commercia jetzo (wie landtkundtig) in merckglichen abgang seindta, auch nun vil jar nach einander die früchten und anders mißrathen, daher alles das jhenige, dessen der mensch zu seiner underhaltung nit entberen kan, zu merckhlichem uffschlag und teürung komen, dardurch und andere mehr dergleichen deß allmechtigen Gottes heimbsuchungen und landtstraffen nit allein der arme gemeine mann (der gleichwol von seiner sauren arbeit und schweiß alles hergeben muß) zu eusserster unvermüglichkeit, sonder auch der stedt jerliche gefelle zu mercklichem abgangkh und die aeraria zu erschöpffung also gerahten, dz sie in dem thuen und vermögen, wie sie etwan gewesen, bei dem grössern theil nit mehr seindt; zu dem, das man sich auch deß genieß der ungerischen unnd öster- /445/ reichischen comercien (aus ursachen, die an jetzo zumelden umbgangen werden) solcher massen nicht zuerfreüen hat, wie irer ksl. Mt. eingebildet sein mag7.
Dieweil dann der mehrer theil der erbarn frey- und Reichs stedt deß vermögens nit seind, das sie die mitleidentliche türckhenhilff, so dißmals von inen begert, aus iren aerariis richtig machen und also ihrer mehrer theils verarmbter burger verschonen könten, sonder dieselbig von inen erheben und einziehen; zu dem, das etliche gefährlicher nachbarschafft halb zu sonderbaren landtsrettungen zu contribuiren sich not halben begeben8 und wegen besorgter überfäll in steter bereithschafft stehen müessen, so will inen gebüren, vor allen dingen dahin zu sehen, das sie ire verwilligung nit höher setzen, als sie im werckh zu leisten getrauen. Auch der erbarn frey- und Reichs stedt abgesandten ermessen nach mer allerhöchstgedachter ksl. Mt. damit gar nit gedient /445’/ sein wurde, wan jetzt von denn stedten vil zugesagt werden, hernach aber in praestando die unmüglichkeit (wie bei dem mehrern theil sonder zweifel geschehen wurde) sich ereugen solt. Daraus dann anders nichts zu gewartten, als dz die erbarn frey- und Reichs stedt mit fißcälischen proceßen am keyserlichen cammergericht mercklich wurden beschwerdt; dardurch andere sachen mit höchstem nachtheil der partheyen9 uffgehalten und doch damit dem werckh nit geholffen werden, weil zu unmüglichen dingen niemandt obligirt werden kan. So seind auch die erbarn frey- und Reichs stedt gegen churfürsten, fürstenb und andern stendten, die landt und leuth haben, in iren anlagen ungleich und vil zu hoch angeschlagen.
Derhalben seindt der erbarn frey- und Reichs stedt abgesandte der aller underthenigsten hoffnung, ire ksl. Mt. werden in aller gnedigster erwegung dieser ungleichheit, auch oberzelter und /446/ anderer mehr ursachen (die alhie geliebter kürtze willen umbgangen werden) befinden, das die erbarn stedt mit denn bewilligten zwaintzig monaten eilender und achtundvirtzig monaten beharrlicher hilff10 (welche gleichwol etlicher stedt gesandte auß mangel befelchs noch zur zeit schließlich nit gantzc einwilligen kundten) sich zum allerhöchsten und über ir vermögen angegriffen unndd derhalben von inen, dz sie so wol quo ad quantitatem als auch dero zur zallung bestimbter termin halben11 es bei irem vorigen erbieten der acht und sechtzig monaten (als einer sehr ansehenlichen und höhern Reichs hilff, dann hiebevor jemalse geschehen) nochmals endtlich müessen verbleiben lassen, anderst nit als mit ksl. gnaden vermerckhen und irer mit ferrerm begehren allergenedigist verschonen.
Obwol auch denn abgesandten nichts liebers were, dann das es bei denn erbarn frey- und Reichs stedten durchaus diese gelegenheit hette, dz die bezallung der türckhenhilff bei einer so /446’/ wol als der andern an gangbarer, grober müntz, der Reichs ordnung12 und derselben valvation gemeß, geschehen köndte, so ist doch landtkündtig, was ungleichheit der müntz und deren werths halben in dem Oberlandt und am Rheinstrom, auch andern umbligenden ortten sey, und wie schwer, jha fast unmüglich, in den stetten, sof an bemeltem Rheinstrom und umbligenden orten gelegen, solche summen an Reichs müntz, wie zu richtigmachung der türckhenhilff vonnöten, zu allen terminen zuwegen zubringen, und das solches nit one mercklichen uffwechsel und verlust geschehen kundte; der gestalt, dz, wo die stedt am Rheinstrom und da herumb gelegen, ire angebür an Reichs müntz und nach valvation der Reichs ordnung erlegen solten, sie deß verlusts halb umb etliche vil monat mehr (wie die raittung leichtlich zu machen) als andere stendte, bei denen die Reichs müntz im schwangkh gehet, wurden beschwerdt, und also in dieser mitleidentlichen hilff keine gleich- /447/ heit (welche in dem stehet, das jeder standt die müntzen nit geringer, sonder in dem werth, wie er sie eingenommen, wider ausgebe) wurde gehalten, ein standt mehr als der ander gravirt und mit ungleichen burden beladen werden. Derowegen kundten die abgesandte der jhenigen erbarn frey- und Reichs stedt, bei denen die Reichs müntz nit im schwangkh gehet, wegen irer obern der bezallung halb weiter nit, dann das die türckhenhilff gleichwol an grober müntz, doch anderst nit dann in dem werth13, wie dieselbig an einem jeden ort geng und gebig ist, geschehen soll, versprechen. Dann weil gedachte ire obern an dem, dz das müntz edict der endten nit, wie sie gern sehen wolten, gehalten wurd14, keine schuldt, sollen sie auch desselben nit entgeltten. Wann aber offt allerhöchst bemelte ire ksl. Mt. mit zuthun gemeiner stendten deß Reichs das müntz edict wider renoviren, allenthalben im Heiligen Reich wider in gangkh und zu steiffer handthabung richten /447’/ wurde, als dann wollen die bemelte erbarn frey- unnd Reichs stedt in erlegung irer angebür demselben auch gebürliche volg leisten. Wie dann am 27. und 28. Junii jungst im Reichs rath so wol schrifftlich als auch hernach mündlich in namen der stedt auch referirt und deßhalb protestirt worden15.
So wolte auch denn erbarn stedten gantz beschwerlich sein, das das jhenig, so irer ksl. Mt. zu vortsetzung deß kriegswesens gegen dem erbfeindt uff irer Mt. allergnedigstes ansuchen vor yetziger Reichs versamblung albereith dargeschossen und an geld und volckh uffgewendtet oder uffzuwenden bewilligt, von jetzt eingewilligter beharrlicher hilff nit defalcirt und einbehalten werden solte, bevorab weil es anderer gestalt nit gesucht worden. Derwegen die erbarn stedt nit zuverdenckhen, das sie es bei hiebevor deß- /448/ halb gethaner erclerung16 wie auch bei diesem vorbehalt, das die beharrliche hilff von einem zil zum andern lenger nit weren soll, dann so lang wider denn erbfeindt ein offener krieg beharrlich gefürt wurdt, endtlich bewendten lassen.
Unnd demnach in allen biß daher wegen der erbarn frey- und Reichs stedt im Reichs rath gethanen relationen und erclerungen die bewilligung der mitleidentlichen beharrlichen hilff anderer gestalt nit geschehen als mit diser austrucklichen conditiong, woferr nemblich iren gravaminibus (die gleichwol nit ir allein, sonder gueten theils mit andern höhern stendten gemein seindt17) bei noch werender dieser Reichs versamblung abgeholffen wurde, so lassen es der erbarn frey- und Reichs stedt abgesandte crafft irer habenden instructionen dabei nochmals der gestalt bewendten, das berürten gravaminibus an jetzo oder doch vor erscheinung deß ersten termins beharrlicher hilff18 /448’/ würcklich abgeholffen und sonderlich die stadt Ach noch bei diesem reichstag ausser der gefahr, darinnen sie stehet, mit einstellung der execution gesetzt werde19. Dann dieweil berürte gravamina an sich selbs also geschaffen, das sie, als die uff vorigen reichstägen, auch andern versamblungen und beschickungen vilfaltig und genugsamb ventilirt20, auch im Heiligen Röm.h Reich notori und offenbar seindt, keine altiorem indaginem erfordern, sonder auß ksl. ambt leichtlich erledigt werden können, so getrösten sich die abgesandte aller undterthenigst, ire ksl. Mt. werden allergenedigst für billich ermessen, das denn gravirten gegen so williger und treuhertziger darstreckhung ires eussersten vermögens nunmehr einmal das jhenige widerfahre, daruf sie so lang gewarttet und darumb sie so vilfaltig aller underthenigst flehentlich gebetten haben.
Es machen inen auch die abgesandte keinen /449/ zweifel, ire ksl. Mt. werden deroselben aller gnedigsten vertrösten nach21 die einbringung der restanten ir dermassen allergenedigist angelegen sein lassen, damit der lasst nit allweg allein uff denn gehorsamen stendten ligen bleibe und dieselbige deterioris conditionis seyen als die seumige.
Zur Revision der Söldnerbestallung hat SR bereits Straßburg und Ulm verordnet22.
/449 f./ Die Gesandten der Reichsstädte bitten, diese Erklärung der Quadruplik der Reichsstände an entsprechender Stelle vollständig zu inserieren oder sie dem Ks. als eigene Resolution zusammen mit der Quadruplik zu übergeben23.