Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe. Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., XIV. Band. Der Reichstag zu Nürnberg 1543 bearbeitet von Silvia Schweinzer-Burian, mit Vorarbeiten von Friedrich Edelmayer

Die Verhandlungen zu Friede und Recht zwischen dem König und den evangelischen Reichsständen begannen in Nürnberg bereits am 25. Januar 1543, also vor der Proposition, mit einer Klage der Schmalkaldener wegen der trotz ihrer Rekusation gegen sie geführten Prozesse des Reichskammergerichts und wegen der ausstehenden Visitation (Nr. 151). Gleich nach Eröffnung des Reichstags wandten sich die Augsburger Konfessionsverwandten am 2. Febr. 1543 mit einer umfangreichen Supplikation an den König und die ksl. Kommissare (Nr. 152), in der sie jene Argumentationslinie zu Friede und Recht vorgaben, die sie bis zum Ende des Reichstags beibehielten, d.h. Verhandlungen zu Friede und Recht als Voraussetzung für die Teilnahme an den Beratungen über die Türkenhilfe. Nach einer am 3. Febr. erfolgten kurzen mündlichen Antwort des Königs (Nr. 153) wurde im Reichsrat am 14. Febr. die Stellungnahme der altgläubigen Reichsstände zur Supplikation der Evangelischen verlesen (Nr. 154). Basierend auf dieser Stellungnahme replizierten Kg. Ferdinand und die ksl. Kommissare am 16. Febr. (Nr. 155) ausführlich auf die erste Eingabe der Evangelischen. Darauf folgte bis zum 10. März ein reger Schriftwechsel zwischen König und Protestanten (Nr. 156–163). Die Bundeshauptleute Kursachsen und Hessen hielten strikt an den von ihnen geforderten Verhandlungen zu Friede und Recht als Vorbedingung für die Gewährung der Türkenhilfe fest. Diese Haltung bekräftigte Lgf. Philipp von Hessen in einem Schreiben an Kg. Ferdinand vom 18. März 1543 (Nr. 164). Die altgläubigen Mitglieder des Fürstenrates drängten auf Verhandlungen über die Türkenhilfe und beschlossen am 24. März, mit den Beratungen ohne protestantische Mitwirkung zu beginnen (Nr. 165). Der Mainzer Kanzler Dr. Jakob Jonas forderte die Evangelischen in der Reichsratssitzung des 26. März abermals auf, an den Verhandlungen über die Türkenhilfe teilzunehmen, andernfalls würden die anderen Reichsstände alleine verhandeln (Nr. 166). Der Ausschuss der Augsburger Konfessionsverwandten wies für den Fall von Verhandlungen über Friede und Recht mit den Altgläubigen in einem Gutachten vom 27. März auf die Missstände in diesem Bereich hin und gab einen klaren Forderungskatalog vor (Nr. 167). In der am 29. März erfolgten Antwort auf den Vortrag des Mainzer Kanzlers beharrten die Evangelischen auf den von ihnen formulierten Bedingungen (Nr. 168), welche die Altgläubigen ablehnten (Nr. 169). Am 2. und am 7. April versuchte Kg. Ferdinand erneut, mit zwei den evangelischen Ständen gemachten Vorschlägen (Nr. 170und Nr. 173) einen Kompromiss zwischen den Streitparteien zu erzielen. Aber die geringen Zugeständnisse beider Seiten reichten für ein Aufbrechen der verfahrenen Situation nicht aus (Nr. 171–172, Nr. 174).

Mitte April begannen die Beratungen zur Abfassung des Reichsabschieds zwischen dem König, den ksl. Kommissaren und den Altgläubigen. Ein Gutachten Kg. Ferdinands, in welcher Form die Artikel zu Friede und Recht in den Reichsabschied aufzunehmen seien, stammt vom 14. April (Nr. 175). Über diesen Vorschlag berieten die katholischen Reichsstände am 15. April (Nr. 176) und arbeiteten eine Stellungnahme mit der endgültigen Formulierung der Artikel aus, die im Reichsrat verlesen wurde (Nr. 177). Nachdem der König und der ksl. Kommisare Naves noch einige Änderungen und Ergänzungen der Artikel veranlasst hatten (Nr. 178), überreichten sie den Evangelischen am 18. April im Reichsrat die für den Reichsabschied zusammengestellten Bestimmungen zu Friede und Recht (Nr. 179) Die Übergabe der Artikel war von einem mündlichen Vortrag Kg. Ferdinands begleitet (Nr. 180). Nach Beratungen des Ausschusses der Augsburger Konfessionsverwandten am 19. April und einem Gutachten zu den strittigen Artikeln (Nr. 181), erfolgte am 20. April zuerst eine kurze Antwort der Evangelischen (Nr. 182). Nach einer mündlichen Aufforderung des Königs zum Einlenken gaben sie eine ausführliche Stellungnahme ab, in welcher sie die Gründe für ihre Ablehnung der Türkenhilfe und der Artikel zu Friede und Recht nochmals darlegten (Nr. 183). Am 22. April bemühte sich Kg. Ferdinand ein letztes Mal, durch Entgegenkommen in einzelnen Punkten und durch das Angebot einer Nebenversicherung zum Reichsabschied die Zustimmung der Protestanten zur Türkenhilfe und zum Abschied zu erreichen (Nr. 184), jedoch vergeblich, wie ihre letzte kurze Antwort und die Schlussbemerkung des Königs zeigen (Nr. 185).

Für den gesamten Schriftwechsel gilt, dass zeitgenössische Bezeichnungen, wie Antwort, Replik, Duplik, Triplik etc., nicht einheitlich zu definieren sind, sondern stark variieren, und zwar in Abhängigkeit davon, wann und auf welche Weise in der jeweiligen reichsständischen Überlieferung mit der Zählung der Schriftstücke begonnen wurde. Das macht es oft schwierig, die in den Quellen erwähnten Aktenstücke eindeutig zu identifizieren; dies ist nur bei genauer Kenntnis des Inhalts und des Hintergrunds der Verhandlungen möglich. Zur Vermeidung von Unklarheiten findet sich im kommentierenden Text der Edition eine eindeutige, gleichbleibende Bezeichnung für die einzelnen Aktenstücke, selbst wenn diese gelegentlich nicht mit der Quelle übereinstimmt, worauf in den Anmerkungen hingewiesen wird. Zur Identifizierung der in den Quellentexten erwähnten Aktenstücke wird in eckigen Klammern die Nummer des betreffenden Aktenstücks im vorliegenden Band angegeben.

Da die Schriftstücke aufeinander Bezug nehmen, wurde eine Untergliederung einzelner Aktenstücke in Artikel vorgenommen, auf die unter Angabe der Stück- und Artikelnummer leicht verwiesen werden kann. Auf diese Weise ist die Argumentation und Gegenargumentation der Reichsstände und des Königs leichter nachvollziehbar. Oft wird von den beteiligten Parteien zur Beweisführung auf Dokumente früherer Reichstage verwiesen; diese Verweise werden kursiv in eckigen Klammern aufgelöst unter Angabe des gedruckten Reichstagsaktenbandes und der jeweiligen Stücknummer. Am Bandanfang (S.  ) befindet sich eine Liste mit Titel- und Datumsangaben zu den am häufigsten zitierten Aktenstücken früherer Reichstage.

Nr. 151 Eingabe der Schmalkaldener an Kg. Ferdinand und die ksl. Kommissare wegen Suspension der Prozesse des Reichskammergerichts – Nürnberg, 1543 Jan. 25

Nr. 152 Erste Eingabe der Augsburger Konfessionsverwandten an Kg. Ferdinand und die ksl. Kommissare zu Friede und Recht – übergeben Nürnberg, 1543 Febr. 2/verlesen 1543 Febr. 3

Nr. 153 Mündliche Antwort Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare auf die erste Eingabe der Augsburger Konfessionsverwandten (Nr. ) – Nürnberg, 1543 Febr. 3

Nr. 154 Stellungnahme der altgläubigen Reichsstände zur ersten Eingabe der Augsburger Konfessionsverwandten (Nr. ) und zur mündlichen Antwort Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare (Nr. ) – verlesen Nürnberg, 1543 Febr. 14

Nr. 155 Schriftliche Antwort Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare auf die erste Eingabe der Augsburger Konfessionsverwandten (Nr. ) – Nürnberg, 1543 Febr. 16/verlesen Nürnberg 1543 Febr. 26

Nr. 156 Gutachten des Ausschusses der Augsburger Konfessionsverwandten zur Antwort Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare (Nr. ) – Nürnberg, 1543 (nach 1543 Febr. 16)

Nr. 157 Replik der Augsburger Konfessionsverwandten auf die Antwort Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare (Nr. ) – verlesen Nürnberg, 1543 Febr. 26

Nr. 158 Duplik Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare auf die Replik der Augsburger Konfessionsverwandten (Nr. ) – actum Nürnberg, 1543 März 3/verlesen 1543 März 4

Nr. 159 Triplik der Augsburger Konfessionsverwandten auf die Duplik Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare (Nr. ) – verlesen Nürnberg, 1543 März 7

Nr. 160 Quadruplik Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare auf die Triplik der Augsburger Konfessionsverwandten (Nr. ) – actum Nürnberg, 1543 März 8/verlesen 1543 März 9

Nr. 161 Votenprotokoll der hessischen Gesandten zu den Beratungen der Augsburger Konfessionsverwandten über die Quadruplik Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare (Nr. ) – actum Nürnberg, 1543 März 9

Nr. 162 Quintuplik der Augsburger Konfessionsverwandten auf die Quadruplik Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare (Nr. ) – verlesen Nürnberg, 1543 März 9

Nr. 163 Mündliche Antwort Kg. Ferdinands auf die Quintuplik der Augsburger Konfessionsverwandten (Nr. ) und deren mündliche Replik an den König – actum Nürnberg, 1543 März 10

Nr. 164 Lgf. Philipp von Hessen an Kg. Ferdinand: Verhandlungen über Friede und Recht als Vorbedingung für die Bewilligung der Türkenhilfe – Kassel, 1543 sonntags Palmarum (März 18)

Nr. 165 Fürstenratsbeschluss der altgläubigen Reichsstände: Beginn der Verhandlungen über die Türkenhilfe ohne vorherige Beratungen über Friede und Recht – Nürnberg, 1543 März 24

Nr. 166 Vortrag des Mainzer Kanzlers Dr. Jakob Jonas im Namen der altgläubigen Reichsstände vor den Augsburger Konfessionsverwandten – Nürnberg, 1543 März 26

Nr. 167 Gutachten des Ausschusses der Augsburger Konfessionsverwandten für den Fall von Verhandlungen mit den altgläubigen Reichsständen – datum Nürnberg, 1543 März 27/verlesen März 29

Nr. 168 Antwort der Augsburger Konfessionsverwandten auf den Vortrag des Mainzer Kanzlers von 1543 März 26 (Nr. ) – Nürnberg, 1543 März 29

Nr. 169 Mündliche Entgegnung des Mainzer Kanzlers Dr. Jakob Jonas im Namen der altgläubigen Reichsstände auf die Antwort der Augsburger Konfessionsverwandten (Nr. ) und deren Erwiderung – Nürnberg, 1543 März 29

Nr. 170 Vortrag Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare zu Friede und Recht vor den Augsburger Konfessionsverwandten – Nürnberg, 1543 April 2

Nr. 171 Antwort der Augsburger Konfessionsverwandten auf den Vortrag Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare von 1543 April 2 (Nr. ) – übergeben Nürnberg, 1543 April 3/verlesen im Reichsrat April 4

Nr. 172 Stellungnahme der altgläubigen Reichsstände zur Antwort der Augsburger Konfessionsverwandten von 1543 April 3/4 (Nr. ) – Nürnberg, 1543 April 6

Nr. 173 Zusammenfassung eines mündlichen Vorschlags Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare zu Friede und Recht durch die evangelischen Reichsstände – Nürnberg, 1543 April 7

Nr. 174 Antwort der Augsburger Konfessionsverwandten auf den mündlichen Vorschlag Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare (Nr. ) – Nürnberg, 1543 April 7/April 8

Nr. 175 Gutachten Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare zu einzelnen Paragraphen des Reichsabschieds – verlesen im Reichsrat Nürnberg, 1543 April 14

Nr. 176 Beratungen der altgläubigen Reichsstände zu einigen Paragraphen des Reichsabschieds (ad Nr. ) – Nürnberg, 1543 April 15

Nr. 177 Stellungnahme der altgläubigen Reichsstände zum Gutachten Kg. Ferdinands und der ksl. Kommissare zum Reichsabschied (Nr. ) – o.O., o.D. (übergeben Nürnberg, 1543 April 18/verlesen 1543 April 20)

Nr. 178 Änderung und Ergänzung der altgläubigen Vorschläge zu Friede und Recht durch Kg. Ferdinand und den ksl. Kommissar Naves (ad Nr. ) – o.O., o.D. (Nürnberg, 1543 April 18)

Nr. 179 Zusammenstellung der Artikel zu Friede und Recht für den Reichsabschied durch die altgläubigen Reichsstände – übergeben Nürnberg, 1543 April 18

Nr. 180 Vortrag Kg. Ferdinands vor den Augsburger Konfessionsverwandten anlässlich der Übergabe der Beschlüsse der altgläubigen Reichsstände zur Türkenhilfe (Nr. ) und zu Friede und Recht (Nr. ) – Nürnberg, 1543 April 18/April 20

Nr. 181 Gutachten des Ausschusses der Augsburger Konfessionsverwandten zu den von Kg. Ferdinand und dem ksl. Kommissar Dr. Naves übergebenen Artikeln zu Friede und Recht (ad Nr. –179) – Nürnberg, 1543 April 19/April 20

Nr. 182 Kurze Antwort der Augsburger Konfessionsverwandten auf den Vortrag Kg. Ferdinands von 1543 April 18 (Nr. ) und die von ihm übergebenen Beschlüsse (Nr. , Nr. ) – Nürnberg, 1543 April 20 

Nr. 183 Ausführliche Stellungnahme der Augsburger Konfessionsverwandten zu den von Kg. Ferdinand und dem ksl. Kommissar Dr. Naves übergebenen Artikeln zu Friede und Recht (ad Nr. ) und zur Türkenhilfe (ad Nr. ) – Nürnberg, 1543 April 20 

Nr. 184 Antwort Kg. Ferdinands auf die beiden Eingaben der Augsburger Konfessionsverwandten von 1543 April 20 (Nr. –183) – Nürnberg, 1543 April 22

Nr. 185 Letzte Antwort der Augsburger Konfessionsverwandten an Kg. Ferdinand (ad Nr. ) und Erwiderung des Königs – Nürnberg, o.D. (1543 April 22)