Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Konflikt in Aachen: Vorlage der Akten zu den Maßnahmen des Rates der Stadt Aachen gegen das ksl. Endurteil. Einsetzung eines Beratungsausschusses im SR. Beschwerde Regensburgs gegen den Reichserbmarschall: Erwiderung an die kursächsischen Gesandten.
/2a/ (Vormittag, 7 Uhr) Städterat (alle beim RT anwesenden Städte mit Ausnahme von Augsburg, Köln und Schwäbisch Gmünd).
Regensburg (Dr. Diemar) proponiert: Fortsetzung der Beratung vom vergangenen Freitag zu den Beschwerden gegen den Reichserbmarschall sowie Anhörung der Aachener Beschwerden. Da die Augsburger Gesandten, die zum Konflikt mit Marschall Pappenheim am besten Bescheid wissen, nicht anwesend sind, wird dies zurückgestellt.
Umfrage. Beschluss: Anhörung der Aachener Beschwerden.
/2a’/ Die Aachener Gesandten bringen in summarischer Form ihre Klage gegen das Vorgehen des Ks. sowie des RHR vor und berufen sich bezüglich der Einzelheiten auf die Verhandlungen und die Verabschiedungades Ulmer Städtetags 15931sowie auf den Bericht von Straßburg und Frankfurt über ihre Vorsprache als deputierte Städte bei den evangelischen Kff. und Ff. in der Aachener Angelegenheit. Übergabe dieses Berichts2,bsowie folgender Stücke: Aachener Notariatsinstrument für eine Supplikation „pro admittenda appellatione“3; Interzessionsschreiben der weltlichen Kff. an den Ks. mit der Bitte um Suspendierung der Exekution gegen Aachen4; Bericht der kfl. und f. pfälzischen, Brandenburger und Württemberger Gesandten an die Stadt Aachen über ihre Interzession beim Ks. und die dazu mitgeteilte Antwort5; /2a’ f./ Notariatsinstrument über Erklärungen der Aachener Bürger, abgegeben bei einem Verhör durch die Zünfte vom 11.–13. 12. (1.–3. 12.) 1593, die lediglich von 80 Personen nicht mitgetragen werden6; /
Die Aachener Gesandten bedanken sich namens des Rates für die vom Städtetag 1593 beschlossene Interzession10und für die weitere Unterstützung bei diesem RT.
Umfrage. Beschluss: Die vorgelegten Akten und besonders c–das Gutachten sollen in die künftige Beratung–ceinbezogen werden. Daneben wird für die causa Aachen ein Ausschuss eingerichtet, an dem Straßburg, Speyer und Frankfurt von der rheinischen sowie Regensburg, Nürnberg und Ulm von der schwäbischen Bank mitwirken. /
Bekanntgabe dieser Beschlüsse an die Aachener Gesandten, die daraufhin bitten, SR möge aufgrund der akuten Bedrohung der Stadt durch die Exekution bei den höheren CA-Ständen befördern, dass die interponierte Appellation beim RT angenommen oder die Exekution zumindest suspendiert werde.
(Nachmittag, 14 Uhr) Städterat. /3’ f./ Regensburg unterrichtet über die bisherigen Streitpunkte mit dem Reichserbmarschall sowie über die diesbezüglich vor wenigen Tagen mit den kursächsischen Gesandten geführten Verhandlungen11und bietet an, die Replik auf deren letztes Vorbringen vor der Übergabe im SR zu verlesen.
Umfrage. Beschluss: Verlesung der Replik, die nur an einer Stelle korrigiert und sodann gebilligt wird12. Da der Regensburger Bericht zudem zeigt, dass die kursächsischen Gesandten die [beim Vergleichstag 1584] vereinbarte Suspension des ksl. Provisionaldekrets nicht eingestehen, wird beschlossen, die Hgg. von Bayern und Württemberg als damalige subdelegierte ksl. Kommissare zu bitten, das Protokoll der Vergleichsverhandlung vorzulegen. Die soeben gebilligte Replik soll den kursächsischen Gesandten [namens aller Reichsstädte] übergeben werden13.