Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

1. HA (Türkenhilfe): Gegen die Triplik des Ks. kein Anschluss an die höhere Bewilligung von KR und FR. Verordnete für die Revision der Söldnerbestallung. Werbung der ungarischen Gesandten.

/60’/ Städterata[Regensburg, Straßburg, Nürnberg, Worms, Ulm, Lübeck, Nördlingen, Speyer, Rottweil, Frankfurt, Memmingen, Hagenau, Pfullendorf, Colmar1].

bBeratungsthemen: [1] Triplik des Ks. zum 1. HA–b(Türkenhilfe)2. [2] Soll es bei der zuletzt beschlossenen Resolution zum 2. HA (Landfriede und Niederlande)3bleiben? [3] Beantwortung der Werbung der ungarischen Gesandten4.

Verlesung der Triplik des Ks. zum 1. HA (Türkenhilfe).

Umfrage. Straßburg: Stellen fest, das es gleichwol sehr praejudicierlich, mit der triplica zuverfahren, dieweil solche im Reichs rath noch nit verlesen worden und daher ksl. Mt. verursacht werden mechte, hinfürtter dergleichen ding in die abgesonderte reth zuschieben und durchzubringen. Aber wie dem, dieweil solche durch die maintzisch cantzlei ad describendum geben und umb deß fürgefallenen stritts der session halb im Reichs rath nit verlesen werden könden und mann dann sovil nachrichtung hette, das die churfursten auch alberait darvon deliberierten5, so mechte es umb sovil desto weniger nachdenckhens haben, das die erbarn stett hievon auch in eventum consultierten und, was sie schlüeßten, in reservato behüelten.Da SR zuletzt 68 Römermonate mit dem Zusatz beschlossen hat, darbey stricte zuverbleiben und in sich weiter nit tringen zu lassen6, […] /61/ also köndten und wüßten sie nochmahls mehr oder weiter nit, dann alberait beschehen, zuverwill[ig]en, seitenmahl die stött ohne das zu hoch und theils den churfursten gleich in der Reichs matricul angeschlagen worden weren. Hielten derohalb sie nochmals darfür, das die stött, bey den bewilligten 68 monat zu bleiben und die vorige conditiones zu repetiern, sonderlich wol darumb ursach hetten, dieweil die ksl. Mt. sich der stött gravaminum halb, denselben abzuhelffen, schlecht gnug erbotten hetten7. Stellten es doch zu anderer stött bedencken.

Nürnberg: Obwohl es zu winschen, das es bey den 68 monat verblieben were, seitemahl aber die ksl. Mt. damit nit zufriden, sie auch sovil vermerckhten, das ir Mt. durch dero reth bey den obern stenden umb einziehung der ziel wurden anhallten lassen, so hielten sie darfür, das die achzig[Monate]8 auch[bewilligt werden], doch eintweder der gestalt, das nemblich 20 monat zue eilender und die ubrige 60 monat in 5 jarrn, das ist jedes jarrs 12 monat, oder in vier jarrn, das were jedes jarrs 15 monat[erlegt werden] (doch hierdurch niemandts praejudiciert oder vorgegriffen sein sollte).

Ulm: Haben Weisung erhalten, sich mit den hohern stenden in quantitate et qualitate zuvergleichen.

Dagegen schließen sich Worms, Speyer, Lübeck, Frankfurt, Rottweilc, Hagenau, Colmar, Pfullendorf und Regensburg dem Straßburger Votum an, und sonderlich dieweil /61’/ sie hievor anderer gestalt nit in die 68 monat bewilligt, dann wover man darbei wirdt endtlich und bestendig verharren und in sich weiter nit tringen lassen, und uff die condition, zeit, ziel und maß, dsonderlich aber ratione monetae, wie man sich dessen gegen chur- und fürsten hiebevor protestando erclert–d,9. Darbei sie es auch nochmahls verbleiben liessen.

In den Voten von Speyer, Nördlingeneund Memmingen zur weiteren Begründung: Falls es die mainung haben sollte, das die stött sollten und müeßten in puncto contributionis den obern stenden folgen, so blieben sie so mehr daheim, ersparten den unkosten und zörung10 und erwartteten, was die obern stendt miteinandter entschliessen wurdenf.

Ks. fordert in der Triplik die reichsständische Zuordnung in die Kommission zur Revision der Söldnerbestallung. Umfrage. Beschlussg: SR verordnet Straßburg und Ulm.

Die Beratung zum ebenfalls proponierten 2. HA (Landfriede und Niederlande) wird nicht fortgeführt.

Beratung zur Werbung der ungarischen Gesandtschaft11. Umfrage. Beschlussh: Da die werbung mehr nit, dann allain ein erinnerung vorschwebender noth, und die stendt desto ehe und leuchter zur gesuechten ihilff der ksl. Mt. furnemblich der cron Hungern halb alberait bewilligen–i [!], /62/ so ist yberkomen worden,[es dabei] bewenden zu lassen und, wie dieselben uff ir ansuechen zubeantworten sein mechten, uff die höhere stendt zusehen und sich mit denselben zuvergleichen.

Anmerkungen

a
 Städterat] Nürnberg (fol. 101) zum Sitzungszeitpunkt: Vormittag, 7 Uhr.
1
 Teilnehmer gemäß Umfrageliste in Speyer A, fol. 372’–374.
b
–b Beratungsthemen … HA] Speyer (fol. 72’) differenzierter: Zwar hat FR aufgrund des Streits um die Magdeburger Session seit 13. 7. (3. 7.) die Beratungen eingestellt, doch führt KR die Verhandlungen fort. Deshalb kommt auch SR zusammen, um die Triplik des Ks. zum 1. HA, ob sie wol im Reichs rhat vorgemelter verhinderung halben nit verlesen, doch ad describendum gegeben worden, zu beraten.
2
 Nr. 252.
3
 Vgl. Beratung am 8. 7.: Ulm, fol. 58 f. [Nr. 122].
4
 Nr. 286.
5
 Die Beratung im KR zur Triplik wurde am 14. 7. zwar aufgenommen (vgl. Kursachsen, fol. 289’–294 [Nr. 30]), dann aber wegen des Magdeburger Sessionsstreits bis 22. 7. aufgeschoben (Kurmainz, unfol. [Nr. 32]).
6
 Vgl. Beratung am 7. 7.: Ulm, fol. 56–57’ [Nr. 121].
7
 Vgl. die Triplik [Nr. 252], fol. 357 [Dann sovil … nach erledigen.].
8
 = die Bewilligung durch KR und FR in der Duplik, deren Übernahme durch SR der Ks. in der Triplik forderte.
c
 Rottweil] Nürnberg (fol. 102) abweichend: Rottweil votiert wie Nürnberg und Ulm. Speyer A (fol. 373’): Wie Nordlingen.
d
–d sonderlich … erclert] Speyer (fol. 72 f.) differenzierter: insbesondere die Städte der rheinischen Bank beharren /72’/ alle sampt unnd sonders darauf, die Kontribution nur mit grober muntz in dem werth, wie das gelt allenthalb geng unnd gebe,erlegen zu können. Berufen sich dafür auf die am 8. 7. (28. 6.) im RR unter Protest vorgebrachte Erklärung (vgl. Anm. 9). Unnd konte man nit darfur, dz das muntz edict am Reinstrom nit wie an andern orten gehandthabt wurde. Wann caesar et status Imperii, bei denen es stunde, dz muntz edict zu renoviren unnd handtzuhaben, eine durchgehende gleichheit wurden anordnen, alßdann wurde ein jeder auch wissen, wie er sich mit erlegung der schatzung zuverhalten.
9
 Vgl. RR am 8. 7.: Kursachsen, fol. 268 f. [Nr. 26]; Ulm, fol. 58’ f. [Nr. 122].
e
 Nördlingen] Speyer A (fol. 373’) differenzierter zum Votum: Muss man mehr als 68 Römermonate bewilligen, so solte man es uff die termin wie Nurmberg[stellen]. Aber sein gesell[= der zweite Nördlinger Gesandte], der wolt pure nit weitter, dann wie nechst geschlossen. Denn wan die stett den obern[Ständen] volgen musten, plieben sie wol daheim etc.
10
 = Zehrung, Unterhaltskosten.
f
 wurden] Speyer (fol. 72) zusätzlich: Demnach Mehrheitsbeschluss, es bei 68 Römermonaten zu belassen, auch um den Eindruck zu vermeiden, als seien die Reichsstädte zum Anschluss an KR und FR verpflichtet. In diesem Sinn habe das Direktorium [Regensburg] bereits bei der Korrelation zum 1. HA am 7. 7. (27. 6.) gegen den Beschluss von KR und FR für SR auf dessen abweichender Resolution bestanden. [Vgl. Kursachsen, fol. 257 f. (Nr. 25).] /72’/ Beschluss: Regensburg formuliert das Konz. für eine entsprechende Resolution des SR.
g
 Umfrage. Beschluss] Speyer A (fol. 374 f.) differenzierter: Mehrheitsbeschluss gemäß Votum Straßburg.
11
 Nr. 286.
h
 Umfrage. Beschluss] Speyer A (fol. 374’) differenzierter: Einhelliger Beschluss gemäß Votum Straßburg.
i
–i hilff … bewilligen] Speyer (fol. 73) eindeutig: hilff laistung zu bewegen, unnd dann die hilff der ksl. Mt. furnemlich der cron Hungern halben alberait bewilligt.