Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Textvorlage: Bayern, fol. 147’–158’.
2. HA (Landfriede und Niederlande): Strittige Beteiligung Österreichs an dem nach Reichskreisen konstituierten FR-Ausschuss. Forderung der getrennten Berücksichtigung der beiden sächsischen Kreise mit je eigenen Verordneten.
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/148 f./ Salzburger Kanzler teilt dazu mit: Am Vortag hat ihm ein Braunschweiger Verordneter eine Eingabe an FR und SR übergeben wollen, die er aber zurückgewiesen hat, da Österreich das Direktorium beim 2. HA zusteht. Braunschweig sollte sie direkt im FR oder im Ausschuss vorlegen. Diesbezüglich bringen erneut die Sachsen-Weimarer Gesandten vor, ein Braunschweiger Diener habe ihnen auf dem Weg zum Ausschuss gesagt, /
Österreich (Illsung) stellt zur Debatte, ob man nach den Braunschweiger Gesandten schicken soll. Dagegen bittet Sachsen-Weimar um die Vertagung des Ausschusses und um die Beibringung der Braunschweiger Eingabe. Diese ist zwischenzeitlich dem Ebf. von Salzburg zugetragen worden, der sie an den Ausschuss gereicht hat.
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Umfrage. Österreich: Haben den Protest vernommen. Demnach verweigern die niedersächsischen Kreisstände die Teilnahme an der Beratung, wenn Österreich aufgrund seiner Verwicklung in den niederländischen Krieg nicht vom Ausschuss abgesondert werde. Nun wisse sich der ausschuß zuerinnern, wie es herkhommen, dz nemblich Osterreich nit allein im offnem fürstenrath, sonnder auch im ausschuß mit Saltzburg in directione alternirt. c–So seye Osterreich zuvor offt zum ausschuß des landtfridens deputirt, da man auch von dem niderlendischen wesen gehandlet2. Item bringens die abschidt mit sich, unnd wan unnd so offt deputations täg ausgeschriben, so seye Osterreich altzeit darbey gesessen–, ob schon Burgundt austrett3. Dieweil es dan also herkhommen unnd geübt worden, so hab man nit ursach, dismahls ain neues anzufangen, oder auch ainiger craiß sovil macht, Osterreich auszuschließen. /
Bayern: Haben keine Einwände gegen die im FR beschlossene Teilnahme Österreichs am Ausschuss. Seye zuvor wider Osterreich dergleichen nit movirt worden. Wan aber dise hanndlung auf dise weiß solte prolongirt werden, welches doch nit guet, so solte man dise beschwert aufs negst im furstenrath referiren; da man sich zubeschliesen, was hierüber zuthuen.
Salzburg: /149’ f./ Im FR ist beschlossen worden, den Ausschuss aus sechs Reichskreisen zu konstituieren, dafür den Ober- und Niedersächsischen Kreis zusammenzuziehen und Österreich nicht auszuschließen5. /
Sachsen-Weimar: e–Habe umb dise ding nichts gewist–e und seye auf das, so jetz von neuem fürgefallen, nit instruirt.Bittet um Abschrift des Protests, um ihn seinem Herrn6vorzulegen und dessen Weisung zu erfragen. Ansonsten wie Bayern, dz dis ad plenum referirt werde.
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Brandenburg-Ansbach: Halts für ain unnotturfft, darvon diffuse zureden: Seye die sache wichtig unnd ad plenum zureferirn.Bittet um Abschrift des Protests.
Augsburg: Hette sich nit versehen, dz dise protestation sollen dz werckh aufhaltenf. Cum conclusum sit in pleno, sey billich, das es darbey gelaßen unnd im ausschuß verfahren werde.
Jülich: Wie Bayrn.
Speyer: g–Osterreich sey alzeit darbey plieben, wan schon andere interessierte ausgetretten. Vermaint, man solt es dismahls halten wie auf den deputation tagen und ainen als den andern weg verfaren–g. /
Hessen-[Kassel]: Beratung im Plenum des FR. Bittet um Abschrift des Protests.
Münster: Wie Bayrn.
Baden-Baden: Bayern hat bei der Beratung im Plenum ausgeführt, warum Österreich am Ausschuss teilnehmen soll7. Bleibt noch darbey. Solches votum sey in pleno per maiora confirmirt worden.
Prälaten: Dieweil hievorn per maiora im fürsten rath beschlosen worden, sol es darbey bleiben, jedoch der nidersäxischen beschwerd in pleno referirt werden.
Wetterauer Gff.: Bittet um Abschrift des Protests. Beratung im Plenum des FR.
Beschlussh: Befinde sich durch das mehrer, das die osterreichischen beim ausschuß zulaßen, dieweil /
Sachsen-Weimar interloquirt: Habe doch vorbehaltlich seins herrn mainung dahin geschlosen, ut in pleno referaturi.
Bayern (Adam Vetter): Seye nit die quaestio, ob Osterreich auszuschliesen, dan in pleno das contrarium geschlosen, sonnder die frag sey das, ob in des ausschuß macht stehe, ausser aines craiß standts zu procedirn unnd ob der fürsten rath dz möge leiden: Dz es in pleno soll referirt werden.
Österreich (Illsung): Das Plenum des FR soll für 14 Uhr nachmittags einberufen werden, um zu beraten, ob man nit desto weniger, weil sich die nidersachischen[!] absondern, im ausschuß solle procediern.
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Umfrage. Österreich: Belassen es bei der vom Plenum beschlossenen und heute im Ausschuss bestätigten Besetzung. Falls Braunschweig-[Wolfenbüttel] dort nit wölle erscheinen, haltens darfür, dz der obersäxisch khraiß ain andere fürstliche persohn an deßen statt möge erwehlen. Da aber dz nit wolte geschehen, /
Bayern: Zur Besetzung entsprechend Österreich. Wegen der heutigen Verhandlungsverzögerung im Ausschuss sollte man Braunschweig ermahnen, dz gemaine werckh zubedenckhen, damit man ainmahl aus der hanndlung kheme. Khonte nit bewilligen, dz von wegen des saxischen khraiß10 vier gewehlet werden. Solte bey deme, was zuvor gemacht worden, bleiben, unnd habe nit bevelch, sich weiter einzulaßen11.
Burgund: Lassens bey dem beschlußk.
Pfalz-Lautern: Verstehe Braunschweig nit dahin, dz es gemaint, Osterreich a consueta directione auszuschliesen, sonnder dieweil es in disem niderlendischen wesen saltem secundarie, wo nit immediate interessiert, solte es sich dannoch umb mehrer richtigkhait willen unnd damit ain jeder desto freyer sein votum sagen khönte, dismahl und bis auf bessere /
Salzburg: Repetirt sein votum, im ausschuß gegeben, unnd vergleicht sich mit Ossterreich, Bayrn unnd Burgundt.
Pfalz-Simmern: Hette verhofft, es solte zu diser weiterung nit khommen sein. Die sach zubefürdern, damit man von dem uncosten khomme13. Solten die vota libera sein, und wurden die[!] sachen beßer geholfen, wan ain unnd der ander thail dz publicum commodum in acht neme unnd sich darauf erclert. Von den 6 craißen sey vorhin geredt. Ossterreich werde sich wißen der billigkheit zu weisen. Das directorium solle haisen salvo iure uniuscuiusque. Haben zuvor nit allain vor disem fürsten rath, sonder auch er und andere von ihrer /
Besançon: Wie Ossterreich, Bayrn, Saltzburg unnd Burgundt, unnd khonne in dz widrige vermaint einstreuen nit verwilligen.
Pfalz-Neuburg: Der Streit wäre unterblieben, wenn man den Ausschuss gemäß Votum des Pfgf.15nach Bänken konstituiert hätte. Hab so groß bedenckhen nit, dz Osterreich darbei bleib unnd dz der ausschuß nach den 6 craisen gemacht werde, wie per maiora geschlosen. Jedoch dz von beeden saxischen khraisen von ainem sovil als vom andern genomen werden. m–Dan ob wol es in dem ausschuß zum ersten puncten nit also gehalten worden16, so khönne es doch jetzo nit in consequentiam gezogen werden oder den khraisen praejudiciren–m.
Deutschmeister mit Fulda: Wie Bayrn.Wiederholt das Votum für Fulda.
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Bamberg: Wiße sich, so lang er Reichs tagen beygewohnt, anderst nit zuerinnern, dan dz der ausschus nach den craisen gemacht unnd ain director vorgesetzt worden. Gibt zubedenckhen, wan Osterreich solt ausgeschlosen werden, ob nit die ordnung durchaus sol werden confundirt: Habe Osterreich altzeit umbgewexlet17. Solte jetzt ain anderer director sein müesen, were es nie erhört. Unnd dieweil Osterreich allain secundario interessiert, derhalben sey es desto weniger auszuschliesen. Khöne sich von deme nit ansondern, was hievor beschlosen, und gibt zubedenckhen, was es khommender zeit in andern puncten für unordnung geben möcht.
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Würzburg: Hette leiden mögen, dz man dz commune bonum betrachtet unnd dises jetzmals eingestelt hette. Osterreich seye jederzeit zuegelaßen; gehet unnd helts noch darfür, dz es nit auszuschliesen. Wisse man, was es mit den 6 craisen für ein gelegenheit, und das der ober- unnd nider sachisch[!] khraiß für ainen khraiß geraith18 worden. Wollen die braunschweigischen nit darbey sein, solle man nit desto weniger vorthfahren.
Sachsen-Weimar: Habe sich beschaidts erholt. Halten darfür, dz nit so hoch zufechten, dieweil Osterreich alzeit darbey gewest unnd es alzeit also gehalten worden, dz es noch darbey zulaßen. Erinnern sich aber dannoch, dz der nidersäxisch ain großer, fürnemer khraiß unnd vil stendt in sich begreifft, dz auch Osterreich disfahls interessiert. Schliest derwegen, p–dz von dem nidersachsischen khraiß 2 persohn zuwehlen–p. Khonnen beßern bericht thuen19 als etwan andere.
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Sachsen-Coburg (Johann Casimir): Dieweil Osterreich zuvor nie ausgeschlosen worden, khönne er sich solchem alten gebrauch nit widersetzen. Jedoch dz man den nidersaxischen khrais auch in acht neme und nit ausschliese.
Eichstätt: Belassen es beim letzten Mehrheitsbeschluss des FR und geben zu bedenken, was inskhunfftig für confusion unnd unordnung daraus zugewarten, wan man also variiren wolle. Werde dardurch die authoritet des hochloblichen collegii labafectiert[!]. Hab sich dis orths khain thail vor dem andern zubeschweren: Treffe den landtfrieden ahn, darbei die catholischen stendt nit weniger als die protestierenden interessiert.
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Speyer [mit Weißenburg]: Seye anno 70 versehen, wie es solle gehalten werden20. Bey solcher constitution unnd altem herkhommen unnd was jungstlich beschlosen worden, lest ers verbleiben. Conformirt sich mit Osterreich unnd Bayrnq.
Brandenburg-Ansbach: Habe gleichwol khain bedenckhen dz haus Osterreich halben, halte doch darfür, das Osterreich aus den angezogenen ursachen in der protestation schrifft sich aller gebür dis orths hette wißen zuverhalten. Dieweil aber die motiven nit wollen in acht genommen werden unnd es also herkhomen, so hab man heut auf mittel gedacht, dz aus jedem sachsischen khraiß 2 persohnen genommen werden. Vergleicht sich damit.
Konstanz mit Brixen und Murbach (Votum vorgetragen vom Augsburger Gesandten, da die Konstanzer Räte zu dieser Stunde Audienz beim Ks. haben): /155’ f./ Wie Salzburg. Wiederholt das Votum für Brixen und Murbach.
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Augsburg: Besetzung des Ausschusses, wie vom FR beschlossen. Wie Bayrn.
Braunschweig-Wolfenbüttelr: s–Er solte jetz billich nit votirnt. Dieweil er aber befindt, dz andere die widerpart halten, ihre vota frey haben, müße er sich deßen auch gebrauchen. Unnd wölle seinem herrn schmertzlich fallen, das andere, die nicht auf dem[!] pannckh sitzen, ihme fürgreifen–s. /
Hildesheim: Abfuity.
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Paderborn: Wie neulich mit dem mehrern beschlosen worden.
Braunschweig-Lüneburg: Hat dem Protest zugestimmt und erwartet, Osterreich werde sich aller gebür weisen. Wolte sich nit wol schickhen, dz eben darumb das commune solte negligirt werden, in deme wan die osterreichischen bey der consultation des andern punctens verbleiben.Wiederholt den Protest und das Votum von Braunschweig-Wolfenbüttel.
Freising: Osterreich seye als director billich hierzue gezogen.Votiert wie Österreich, Bayern und Salzburg.
Jülich: Abfuit.
Regensburg: Wie Salzburg, Bayern, Österreich, Burgund. Seye von alters herkhommen, dz der ausschuß also soll gemacht werden.
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Passau: Wie Bayrn unnd Saltzburg.
Pommern-[Wolgast]: Wie Neuburg.
Trient: Wie Bayrn unnd Saltzburg.
Württemberg: Wie Pfaltz-Neuburg unnd Weymar.
Basel: Wie Speir, in effectu wie Bayrn.
Hessen-[Kassel] (Moritz): Wie Pfaltz-Neuburg unnd Weymar; cum appendice, da von den beeden saxischen khraisen nit 4 solten genommen weren, dz alsdan die consultation in plenum zuziehen. z–Wan die absentes pro praesentibus solten gehalten werden, khönne er sich nit darbey finden lassen–z.
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Hessen-[Marburg] (Ludwig): Wie Hessen vor ihme.
Lüttich: Wie Bayrn.
Hessen-[Darmstadt] (Georg): Wie Hessen supra.
Cambrai: Wie Osterreich.
Baden-Durlach [Ernst Friedrich]: Wie Braunschweig.
Baden-Durlach [Georg Friedrich]: Repetirt dz votum.
Sitten: aa–Referirt sich auf seine instruction–aa.
Baden-Baden, Metz, Verdun, Leuchtenberg, Toul: Jeweils wie Bayrn.
Anhalt: Wie Hessen.
Lausanne: Wie Bayrn.
Henneberg: Khonne nit ursachen finden, warumb Osterreich abzusondern, noch auch, warumb bede sachsische khraiß einzuziehen unnd deterioris conditionis sein sollen als andere. Wan consuetudo contraria verhanden, müße ers wol darbey bleiben lassen, habe aber dieselbige noch nit hören allegiern. Solle man alzeit dahin sehen, dz khain trennung im ausschus gemacht werdeab,21.