Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage: Württemberg1, fol. 619.

2. HA (Landfriede und Niederlande): Forderung der getrennten Berücksichtigung der beiden sächsischen Kreise mit je eigenen Verordneten im FR-Ausschuss.

/619/ [Vormittag]. Der Württemberger Gesandte Enzlin wird von Illsung (Österreich) für den Nachmittag zu einer Sitzung geladen, an der Österreich, Salzburg, Pfalz-Neuburg und Württemberg teilnehmen sollen2, um anstelle des gesamten FR die erwartete Erklärung von Braunschweig-Wolfenbüttel [zur Mitwirkung im Ausschuss zum 2. HA3] anzuhören.

Enzlin sagt dies zu, unterrichtet aber die Braunschweiger Gesandten vertraulich von der beabsichtigten Sitzung.

(Nachmittag, 14 Uhr). Zusammenkunft ausgewählter Stände des FR (Österreich, Salzburg, Pfalz-Neuburg, Württemberg, [Braunschweig-Wolfenbüttel]) für die Anhörung der Braunschweiger Gesandten. Diese erklären zum Verfahren wegen der strittigen Besetzung des Ausschusses beim 2. HA, daß man entweder auß dem ober- und nidersechsischen craiß 4 personen in ausschutz nemme oder die deliberation in pleno tractiern wolte. Sonsten wüsten sie von irer meinung nit zu weichen.

Antwort an die Braunschweiger Gesandten: Ihre Erklärung soll dem Plenum des FR referiert werden.

Anmerkungen

1
 Die übrigen Protokolle verzeichnen die folgende Beratung nicht. In Freising B (unfol.) der Hinweis, am 4. 7. hätten die protestierenden iren St. Johans tag[= 24. 6. s. v.] gehalten und dadurch die angestelte zusamenkhunfft[im Plenum des FR] verhindert.
2
 Illsung wollte auch die Sachsen-Weimarer Gesandten beiziehen, nachdem ihn diese am 3. 7. (23. 6.) gebeten hatten, entweder 4 Stände für beide Kreise am Ausschuss zu beteiligen oder im Plenum zu beraten. Gemäß der Aussage Illsungs am 4. 7. (24. 6.) hatte er am 3. 7. nochmals vergeblich mit Braunschweig-Wolfenbüttel verhandelt und wollte dies nunmehr mit Einbeziehung weiterer Stände fortsetzen. Die Weimarer lehnten die Teilnahme ab, um den Eindruck zu vermeiden, als wollten sie sich gegen den Niedersächsischen Kreis stellen. An ihrer Stelle lud Illsung die Württemberger Gesandten ein (Sachsen-Weimar, fol. 142’–145).
3
 Vgl. Österreich, fol. 38’ [Nr. 73, Anm. ab].