Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage: Bayern, fol. 147’–158’.

2. HA (Landfriede und Niederlande): Strittige Beteiligung Österreichs an dem nach Reichskreisen konstituierten FR-Ausschuss. Forderung der getrennten Berücksichtigung der beiden sächsischen Kreise mit je eigenen Verordneten.

/147’/ FR-AUSSCHUSSazum 2. HA (Landfriede und Niederlande) [Besetzung (Gesandte): Österreich. Fränkischer Kreis: Würzburg, Brandenburg-Ansbach. Bayerischer Kreis: Salzburg, Bayern. Schwäbischer Kreis: Augsburg, Baden-Baden. Oberrheinischer Kreis: Speyer, Hessen-[Kassel]. Niederrheinisch-Westfälischer Kreis: Jülich, Münster. Ober- und Niedersächsischer Kreis: Sachsen-Weimar. Prälaten und Wetterauer Gff.].

/148/ Es erscheinen alle Ausschussmitglieder mit Ausnahme der Gesandten von Braunschweig-Wolfenbüttel für den Niedersächsischen Kreis. Die Räte Sachsen-Weimars melden dazu, sy wüsten nit ursache ires aussenbleibens; allain das sy ins gemain vernommen, das sy wolten ain protestation schrifft übergeben.

/148 f./ Salzburger Kanzler teilt dazu mit: Am Vortag hat ihm ein Braunschweiger Verordneter eine Eingabe an FR und SR übergeben wollen, die er aber zurückgewiesen hat, da Österreich das Direktorium beim 2. HA zusteht. Braunschweig sollte sie direkt im FR oder im Ausschuss vorlegen. Diesbezüglich bringen erneut die Sachsen-Weimarer Gesandten vor, ein Braunschweiger Diener habe ihnen auf dem Weg zum Ausschuss gesagt, /148’/ seine herrn wurden yetz nit herauf khommen, sonder weren an ainem anndern ortt; hetten ein schrifft übergeben, darauf warteten sy beschaids.Sie, die Weimarer, betrifft dies zwar nicht direkt, doch wolt inen bedenckhlich fahlen, zuesitzen unnd votiren, weill Braunschweig abwesendt.

Österreich (Illsung) stellt zur Debatte, ob man nach den Braunschweiger Gesandten schicken soll. Dagegen bittet Sachsen-Weimar um die Vertagung des Ausschusses und um die Beibringung der Braunschweiger Eingabe. Diese ist zwischenzeitlich dem Ebf. von Salzburg zugetragen worden, der sie an den Ausschuss gereicht hat.

/149/ Verlesung der Braunschweiger Eingabeb,1.

Umfrage. Österreich: Haben den Protest vernommen. Demnach verweigern die niedersächsischen Kreisstände die Teilnahme an der Beratung, wenn Österreich aufgrund seiner Verwicklung in den niederländischen Krieg nicht vom Ausschuss abgesondert werde. Nun wisse sich der ausschuß zuerinnern, wie es herkhommen, dz nemblich Osterreich nit allein im offnem fürstenrath, sonnder auch im ausschuß mit Saltzburg in directione alternirt. cSo seye Osterreich zuvor offt zum ausschuß des landtfridens deputirt, da man auch von dem niderlendischen wesen gehandlet2. Item bringens die abschidt mit sich, unnd wan unnd so offt deputations täg ausgeschriben, so seye Osterreich altzeit darbey gesessen, ob schon Burgundt austrett3. Dieweil es dan also herkhommen unnd geübt worden, so hab man nit ursach, dismahls ain neues anzufangen, oder auch ainiger craiß sovil macht, Osterreich auszuschließen. /149’/ Sollen die braunschweigischen das wissen, das Osterreich nit so vast dis orths intereßirt, unnd wan das solte sein, mueste[n] offt in manchen fellen vil andere unnd mehr intereßierte ausgeschlosen werden. Habe man neulich in dem völligen fürsten rath Osterreich zu diesem ausschuß verordnetd,4. Werde man, ob Gott wil, anderst nicht aus ihren votis vernemmen, als was zu fridt unnd ruhe, auch gemainem wesen zum besten geraiche.

Bayern: Haben keine Einwände gegen die im FR beschlossene Teilnahme Österreichs am Ausschuss. Seye zuvor wider Osterreich dergleichen nit movirt worden. Wan aber dise hanndlung auf dise weiß solte prolongirt werden, welches doch nit guet, so solte man dise beschwert aufs negst im furstenrath referiren; da man sich zubeschliesen, was hierüber zuthuen.

Salzburg: /149’ f./ Im FR ist beschlossen worden, den Ausschuss aus sechs Reichskreisen zu konstituieren, dafür den Ober- und Niedersächsischen Kreis zusammenzuziehen und Österreich nicht auszuschließen5. /150/ Weils in pleno also beschlosen, solte mans noch darbey laßen. Unnd dieweil nur mehr verlengerung zugewarten, wan man diß widerumb ad plenum referirn wolt, so solt es der ausschuß uber sich nemmen unnd die nidersäxische dahin weisen, dz sie guetwillig weichen cum protestatione, damit dz werckh befürdert werde. Wan sie das uber [ver]sehen nit thuen wurden, das alsdan die ubrige stendt, zum ausschuß deputiert, ainen als den andern weg vortfahren und dem herkhomlichen gebrauch nach, was beschlosen, in pleno referirt.

Sachsen-Weimar: eHabe umb dise ding nichts gewist–e und seye auf das, so jetz von neuem fürgefallen, nit instruirt.Bittet um Abschrift des Protests, um ihn seinem Herrn6vorzulegen und dessen Weisung zu erfragen. Ansonsten wie Bayern, dz dis ad plenum referirt werde.

/150’/ Würzburg: Were dise protestation nit vonnötten gewest. Lasts bey deme, was in pleno des ausschus halben geordnet worden, verbleiben. Da es aber ain notturfft, dz es in pleno referirt werde, wolle sich nit absondern, unnd hettens die nidersäxischen auch in pleno thuen sollen.

Brandenburg-Ansbach: Halts für ain unnotturfft, darvon diffuse zureden: Seye die sache wichtig unnd ad plenum zureferirn.Bittet um Abschrift des Protests.

Augsburg: Hette sich nit versehen, dz dise protestation sollen dz werckh aufhaltenf. Cum conclusum sit in pleno, sey billich, das es darbey gelaßen unnd im ausschuß verfahren werde.

Jülich: Wie Bayrn.

Speyer: gOsterreich sey alzeit darbey plieben, wan schon andere interessierte ausgetretten. Vermaint, man solt es dismahls halten wie auf den deputation tagen und ainen als den andern weg verfaren–g. /151/ Doch wans in pleno zureferirn, wolle er sich nit absondern.

Hessen-[Kassel]: Beratung im Plenum des FR. Bittet um Abschrift des Protests.

Münster: Wie Bayrn.

Baden-Baden: Bayern hat bei der Beratung im Plenum ausgeführt, warum Österreich am Ausschuss teilnehmen soll7. Bleibt noch darbey. Solches votum sey in pleno per maiora confirmirt worden.

Prälaten: Dieweil hievorn per maiora im fürsten rath beschlosen worden, sol es darbey bleiben, jedoch der nidersäxischen beschwerd in pleno referirt werden.

Wetterauer Gff.: Bittet um Abschrift des Protests. Beratung im Plenum des FR.

Beschlussh: Befinde sich durch das mehrer, das die osterreichischen beim ausschuß zulaßen, dieweil /151’/ sie in pleno darzue verordnet. Wiewol etliche gemeldet, ut in pleno iterum referatur, seins doch nit maiora.

Sachsen-Weimar interloquirt: Habe doch vorbehaltlich seins herrn mainung dahin geschlosen, ut in pleno referaturi.

Bayern (Adam Vetter): Seye nit die quaestio, ob Osterreich auszuschliesen, dan in pleno das contrarium geschlosen, sonnder die frag sey das, ob in des ausschuß macht stehe, ausser aines craiß standts zu procedirn unnd ob der fürsten rath dz möge leiden: Dz es in pleno soll referirt werden.

Österreich (Illsung): Das Plenum des FR soll für 14 Uhr nachmittags einberufen werden, um zu beraten, ob man nit desto weniger, weil sich die nidersachischen[!] absondern, im ausschuß solle procediern.

/152/ (Nachmittagj) Fürstenrat. Österreich (Illsung) proponiert: FR hat kürzlich für die Beratung des 2. HA (Landfriede und Niederlande) einen Ausschuss aus sechs Reichskreisen und zusätzlich Österreich konstituiert8. Im Ausschuss haben heute die niedersächsischen Kreisstände einen Protest übergeben, der sogleich verlesen wird9. Der Ausschuss hat dazu mehrheitlich beschlossen, es bei der Besetzung zu belassen, wie das Plenum sie festgelegt hat. Hingegen remittiert der Ausschuss die Frage an das Plenum, wovern Braunschweig nit wolt erscheinen, ob man dannoch im ausschuß solle verfahren.

Umfrage. Österreich: Belassen es bei der vom Plenum beschlossenen und heute im Ausschuss bestätigten Besetzung. Falls Braunschweig-[Wolfenbüttel] dort nit wölle erscheinen, haltens darfür, dz der obersäxisch khraiß ain andere fürstliche persohn an deßen statt möge erwehlen. Da aber dz nit wolte geschehen, /152’/ solte man in dem ausschuß verfahren.

Bayern: Zur Besetzung entsprechend Österreich. Wegen der heutigen Verhandlungsverzögerung im Ausschuss sollte man Braunschweig ermahnen, dz gemaine werckh zubedenckhen, damit man ainmahl aus der hanndlung kheme. Khonte nit bewilligen, dz von wegen des saxischen khraiß10 vier gewehlet werden. Solte bey deme, was zuvor gemacht worden, bleiben, unnd habe nit bevelch, sich weiter einzulaßen11.

Burgund: Lassens bey dem beschlußk.

Pfalz-Lautern: Verstehe Braunschweig nit dahin, dz es gemaint, Osterreich a consueta directione auszuschliesen, sonnder dieweil es in disem niderlendischen wesen saltem secundarie, wo nit immediate interessiert, solte es sich dannoch umb mehrer richtigkhait willen unnd damit ain jeder desto freyer sein votum sagen khönte, dismahl und bis auf bessere /153/ gelegenheit der direction enthalten. Damit auch gleicheit gehalten werde, solte man den nidersaxischen khraiß nit ausschliesen, sonnder von ainem so wol als dem andern12 2 erkhiesen. Dan wo sonnst 6 oder 8 babstliche, sein khaum 3 oder 4 evangelischel.

Salzburg: Repetirt sein votum, im ausschuß gegeben, unnd vergleicht sich mit Ossterreich, Bayrn unnd Burgundt.

Pfalz-Simmern: Hette verhofft, es solte zu diser weiterung nit khommen sein. Die sach zubefürdern, damit man von dem uncosten khomme13. Solten die vota libera sein, und wurden die[!] sachen beßer geholfen, wan ain unnd der ander thail dz publicum commodum in acht neme unnd sich darauf erclert. Von den 6 craißen sey vorhin geredt. Ossterreich werde sich wißen der billigkheit zu weisen. Das directorium solle haisen salvo iure uniuscuiusque. Haben zuvor nit allain vor disem fürsten rath, sonder auch er und andere von ihrer /153’/ herrn wegen protestirt14, unnd solle der nidersaxisch khraiß nit ausgeschlosen werden.

Besançon: Wie Ossterreich, Bayrn, Saltzburg unnd Burgundt, unnd khonne in dz widrige vermaint einstreuen nit verwilligen.

Pfalz-Neuburg: Der Streit wäre unterblieben, wenn man den Ausschuss gemäß Votum des Pfgf.15nach Bänken konstituiert hätte. Hab so groß bedenckhen nit, dz Osterreich darbei bleib unnd dz der ausschuß nach den 6 craisen gemacht werde, wie per maiora geschlosen. Jedoch dz von beeden saxischen khraisen von ainem sovil als vom andern genomen werden. mDan ob wol es in dem ausschuß zum ersten puncten nit also gehalten worden16, so khönne es doch jetzo nit in consequentiam gezogen werden oder den khraisen praejudiciren–m.

Deutschmeister mit Fulda: Wie Bayrn.Wiederholt das Votum für Fulda.

/154/ Pfalz-Zweibrücken: Wie Neuburgn. Unnd weil der beschluß auf die 6 khraiß gangen, owerde Osterreich khain bedenckhen haben, sich bey disem puncten der direction zuenthalten, dieweils secundario interessirt. Wo nit, sol man ain gleicheit halten zwischen dem ob- unnd nider säxischen khraiß, dz ain jeder die seinigen zuzuordnen hab–o.

Bamberg: Wiße sich, so lang er Reichs tagen beygewohnt, anderst nit zuerinnern, dan dz der ausschus nach den craisen gemacht unnd ain director vorgesetzt worden. Gibt zubedenckhen, wan Osterreich solt ausgeschlosen werden, ob nit die ordnung durchaus sol werden confundirt: Habe Osterreich altzeit umbgewexlet17. Solte jetzt ain anderer director sein müesen, were es nie erhört. Unnd dieweil Osterreich allain secundario interessiert, derhalben sey es desto weniger auszuschliesen. Khöne sich von deme nit ansondern, was hievor beschlosen, und gibt zubedenckhen, was es khommender zeit in andern puncten für unordnung geben möcht.

/154’/ Pfalz-Veldenz: Wie Zwaybrug.

Würzburg: Hette leiden mögen, dz man dz commune bonum betrachtet unnd dises jetzmals eingestelt hette. Osterreich seye jederzeit zuegelaßen; gehet unnd helts noch darfür, dz es nit auszuschliesen. Wisse man, was es mit den 6 craisen für ein gelegenheit, und das der ober- unnd nider sachisch[!] khraiß für ainen khraiß geraith18 worden. Wollen die braunschweigischen nit darbey sein, solle man nit desto weniger vorthfahren.

Sachsen-Weimar: Habe sich beschaidts erholt. Halten darfür, dz nit so hoch zufechten, dieweil Osterreich alzeit darbey gewest unnd es alzeit also gehalten worden, dz es noch darbey zulaßen. Erinnern sich aber dannoch, dz der nidersäxisch ain großer, fürnemer khraiß unnd vil stendt in sich begreifft, dz auch Osterreich disfahls interessiert. Schliest derwegen, pdz von dem nidersachsischen khraiß 2 persohn zuwehlen–p. Khonnen beßern bericht thuen19 als etwan andere.

/155/ Worms: Beharren auf dem Mehrheitsbeschluss des FR, Österreich zu beteiligen. Was Braunschweig betrifft: Wollen verhoffen, werde gern darbey sein. Si nolit, absens habeatur pro praesente.

Sachsen-Coburg (Johann Casimir): Dieweil Osterreich zuvor nie ausgeschlosen worden, khönne er sich solchem alten gebrauch nit widersetzen. Jedoch dz man den nidersaxischen khrais auch in acht neme und nit ausschliese.

Eichstätt: Belassen es beim letzten Mehrheitsbeschluss des FR und geben zu bedenken, was inskhunfftig für confusion unnd unordnung daraus zugewarten, wan man also variiren wolle. Werde dardurch die authoritet des hochloblichen collegii labafectiert[!]. Hab sich dis orths khain thail vor dem andern zubeschweren: Treffe den landtfrieden ahn, darbei die catholischen stendt nit weniger als die protestierenden interessiert.

/155’/ Sachsen-Coburg (Johann Ernst): Ut Weymar.

Speyer [mit Weißenburg]: Seye anno 70 versehen, wie es solle gehalten werden20. Bey solcher constitution unnd altem herkhommen unnd was jungstlich beschlosen worden, lest ers verbleiben. Conformirt sich mit Osterreich unnd Bayrnq.

Brandenburg-Ansbach: Habe gleichwol khain bedenckhen dz haus Osterreich halben, halte doch darfür, das Osterreich aus den angezogenen ursachen in der protestation schrifft sich aller gebür dis orths hette wißen zuverhalten. Dieweil aber die motiven nit wollen in acht genommen werden unnd es also herkhomen, so hab man heut auf mittel gedacht, dz aus jedem sachsischen khraiß 2 persohnen genommen werden. Vergleicht sich damit.

Konstanz mit Brixen und Murbach (Votum vorgetragen vom Augsburger Gesandten, da die Konstanzer Räte zu dieser Stunde Audienz beim Ks. haben): /155’ f./ Wie Salzburg. Wiederholt das Votum für Brixen und Murbach.

/156/ Braunschweig-Grubenhagen: Beharren auf dem Protest der niedersächsischen Kreisstände, über den sie sich mit den Gesandten von Magdeburg, Bremen, Mecklenburg, Lübeck etc. verständig haben.

Augsburg: Besetzung des Ausschusses, wie vom FR beschlossen. Wie Bayrn.

Braunschweig-Wolfenbüttelr: sEr solte jetz billich nit votirnt. Dieweil er aber befindt, dz andere die widerpart halten, ihre vota frey haben, müße er sich deßen auch gebrauchen. Unnd wölle seinem herrn schmertzlich fallen, das andere, die nicht auf dem[!] pannckh sitzen, ihme fürgreifen–s. /156’/ Obwol er wol wisse, was man neulich beschlosen, seye er doch nit gestendig, dz er des nidersaxischen khraiß halben darein gewilligt. Derhalben er sich mit den andern khraiß stenden underredet. Habe man sich alberaith offters understanden, den nidersaxischen khraiß also zuschweckhen[!], dz khaum vier vota mehr vorhandenu, da doch diser khraiß den andern wol gewachsen unnd alle bürden tragen müesev. Aber wo man deliberirn solle, so stelle man denselben hinden nach. Khönnen khainen solchen schimpf auf disen khraiß lasen erwachsenw. Das neulich beschlosen worden, man solle nit aus den penckhen, sonder aus den 6 khraisen den ausschuß machen, da habe er sich nit widersetzt. Das man aber jetzt wil ain anderß machen und 7 für 6 khraiß nemen, den ob- und nidersaxischen khraiß zusammen stossen, das seye schimpflich und unleidenlich. Wan mans wölle bey den 6 chraisen bleiben lassen, wol gut; wo nit, sonder weiter gehen, miessen /157/ sie das irige auch darbey thuen. Wan man je wolle verfahren, mogen sies leiden, xwollen aber sehen, wer dem niderlendischen wesen am nechsten gesessen unnd am besten davon wissens habe. Wissen zwar, dz die alternatif im fürsten rath dem hauß Osterreich gebür, aber in den khraisen seye es anderst, unnd ist nit gestendig, das es zuvor in reichstagen also geschehen–x. Das die vota libera sein sollen: Werde es seines verhoffens niemandt streitten oder den schimpf auf sich laden, das man sage, auf dem reichstag zu Regenspurg habe kheiner sein votum liberum gehabt. Seye dem gantzen Reich an diser sachen gelegen unnd nicht umb ettlich tausendt gulden zuthuen. Derwegen der nidersachischen[!] erinnerung nit unzimblich.

Hildesheim: Abfuity.

/157’/ Braunschweig-Calenberg: Wie Braunschweig-Wolfenbitl.

Paderborn: Wie neulich mit dem mehrern beschlosen worden.

Braunschweig-Lüneburg: Hat dem Protest zugestimmt und erwartet, Osterreich werde sich aller gebür weisen. Wolte sich nit wol schickhen, dz eben darumb das commune solte negligirt werden, in deme wan die osterreichischen bey der consultation des andern punctens verbleiben.Wiederholt den Protest und das Votum von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Freising: Osterreich seye als director billich hierzue gezogen.Votiert wie Österreich, Bayern und Salzburg.

Jülich: Abfuit.

Regensburg: Wie Salzburg, Bayern, Österreich, Burgund. Seye von alters herkhommen, dz der ausschuß also soll gemacht werden.

/158/ Pommern-Stettin: Halten darfür, das der nider sachsisch khraiß nit auszuschliesen, sonder, damit ain gleicheit gehalten, sollen aus dem ober- unnd nidersachsischen khraiß jedernn 2 genommen werden.

Passau: Wie Bayrn unnd Saltzburg.

Pommern-[Wolgast]: Wie Neuburg.

Trient: Wie Bayrn unnd Saltzburg.

Württemberg: Wie Pfaltz-Neuburg unnd Weymar.

Basel: Wie Speir, in effectu wie Bayrn.

Hessen-[Kassel] (Moritz): Wie Pfaltz-Neuburg unnd Weymar; cum appendice, da von den beeden saxischen khraisen nit 4 solten genommen weren, dz alsdan die consultation in plenum zuziehen. zWan die absentes pro praesentibus solten gehalten werden, khönne er sich nit darbey finden lassen–z.

/158’/ Münster: Wie Paderborn.

Hessen-[Marburg] (Ludwig): Wie Hessen vor ihme.

Lüttich: Wie Bayrn.

Hessen-[Darmstadt] (Georg): Wie Hessen supra.

Cambrai: Wie Osterreich.

Baden-Durlach [Ernst Friedrich]: Wie Braunschweig.

Baden-Durlach [Georg Friedrich]: Repetirt dz votum.

Sitten: aaReferirt sich auf seine instruction–aa.

Baden-Baden, Metz, Verdun, Leuchtenberg, Toul: Jeweils wie Bayrn.

Anhalt: Wie Hessen.

Lausanne: Wie Bayrn.

Henneberg: Khonne nit ursachen finden, warumb Osterreich abzusondern, noch auch, warumb bede sachsische khraiß einzuziehen unnd deterioris conditionis sein sollen als andere. Wan consuetudo contraria verhanden, müße ers wol darbey bleiben lassen, habe aber dieselbige noch nit hören allegiern. Solle man alzeit dahin sehen, dz khain trennung im ausschus gemacht werdeab,21.

Anmerkungen

a
 FR-AUSSCHUSS] Hessen (unfol.) zum Sitzungszeitpunkt: Vormittag, 8 Uhr.
b
 der Braunschweiger Eingabe] Österreich (fol. 35 f.) differenzierter: Es handelt sich um einen Protest der Stände aus dem Niedersächsischen Kreis, in dem sie die Vertretung im Ausschuss mit zwei Ständen fordern und das dortige Direktorium bzw. die Mitwirkung Österreichs ablehnen.
1
 Nr. 289.
c
–c So … gesessen] Würzburg B (fol. 8) differenzierter: Österreich hat bei der Beratung des Landfriedens und der niederländischen Frage auf vielen RTT neben Saltzburg die direction gehabt; wie auch anno 86 zu Wormbs und anno 90 zu Franckfurt uff gehaltenen deputations tägen beschehen.
2
 Vgl. am Beispiel des RT 1582: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 70 S. 464.
3
 Zum Direktorium Österreichs im FR beim RDT 1586 vgl. Fröschl, RTA RV 1586, Nr. 12 S. 444 (Vorbemerkung), 447, 450 (Direktorium in den ersten Sitzungen des FR, das auch anschließend beibehalten wurde). Zu Teilnahme und Direktion Österreichs im FR beim RDT 1590 vgl. Schweizer, Deputationstag, 64.
d
 verordnet] Österreich (fol. 35’) zusätzlich: khönndts khain privat craiß verwerffen.
4
 Vgl. Bayern, fol. 135–138’ [Nr. 69].
5
 Wie Anm. 4.
e
–e Habe … gewist] Würzburg B (fol. 9) differenzierter: Wisse sich zuerinnern, das auß dem ober- und nidersächssischen kraiß und jedem insonderheit ain person zu disem ausschuß verordnet worden. Nemme ihn wunder, das Braunschweig aussen pleib, hab dessen kein wissenschafft gehabt.
6
 = dem am RT anwesenden kursächsischen Administrator Hg. Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar. Gemäß Bericht Hg. Maximilians von Bayern an Hg. Wilhelm V. vom 5. 7. 1594 verweigerten auch die Stände aus dem Obersächsischen Kreis [Sachsen-Weimar] die Teilnahme am Ausschuss, bevor sie über einen Bescheid des Kuradministrators verfügten (HStA München, KÄA 3232, fol. 352–354’, hier 352. Or.; präs. 6. 7.).
f
 aufhalten] Augsburg (unfol.) zusätzlich: weilln sich befindte, das Österreich bey disen sachen jhe unnd alwegen auf Reichß- unnd teputation tegen, lestlich auch anno 86 unnd 90, geweßen were; wie sy auch dahero bessern bericht deß ganntzen verlauffs der sachen geben khinden. Unnd hette man nit allain sich zu inen zuversechen, sy wurden sich ohne ainichen partheyschen affect erweißen […].
g
–g Osterreich … verfaren] Würzburg B (fol. 9’) differenzierter: Wisse sich zuerinnern, das uff deputations tagen, alß von dem niderlendischen wesen tractirt, Burgund außgedretten, aber Österreich darbei pliben. Derhalben so schliessen sie noch, wie in pleno beschehen, das Österreich nit außzuschliessen und mann im hauptpuncten verfahren soll. Sey mher geschehen, da einer oder der ander nit gewolt, das gleichwol dardurch die sachen nit uffgehalten worden.
7
 Vgl. Bayern, fol. 135’ [Nr. 69].
h
 Beschluss] Österreich (fol. 36) differenzierter: Die Beschlussfassung wird resümiert von Österreich.
i
 referatur] Würzburg B (fol. 10) zusätzlich die Feststellung: Damit seindt paria vota.
j
 Nachmittag] Pfalz-Neuburg C (fol. 82) differenzierter: 14 Uhr.
8
 Vgl. Beratung am 27. 6. (wie Anm. 4).
9
 Nr. 289.
10
 Gemeint: der beiden sächsischen Kreise.
11
 Zur Begründung des Votums Österreichs, Bayerns und Salzburgs vgl. Bericht Hg. Maximilians von Bayern vom 5. 7. (wie Anm. 6, hier fol. 352’): Haben so votiert zur Sicherung des FR /352’/ reputation unnd damit mahn[!] den protestierenden nicht zuvil einräumbe unnd ins khonnfftig ein nachtheillige consequenz mache, da mahn vom vorigen beschluß falle, dise tractation von dem ausschus wider ad plenum ziehe etc. Dann es khöndte nachmahlen, so offt es die protestierenden gelustet, ihnen hierdurch gelegenhait geben werden, etwas von dem ausschus ad plenum zu ziehen; zue dem mittler weil die ausschüß, durch welches mitl dannoch bißhero vil guets geschafft unnd Bayrn altzeit darein gezogen worden, gahr aufgehebt werden möchten.
k
 Lassens bey dem beschluß] Österreich (fol. 36’) eindeutig: Ut Össterreich.
12
 = aus dem Ober- und dem Niedersächsischen Kreis.
l
 evangelische] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: Der Gesandte Pfalz-Lauterns ist während des Votums in fine von einem osterreichischen exsibilirt[ausgepfiffen, ausgezischt] worden. Dessen sich Braunschweig angenommen: Er solt inhalten, biß daß votirn an ihne kheme.
13
 Gemeint: Eine Verzögerung des RT-Abschlusses verhindern.
14
 Vgl. Bayern, fol. 136 [Nr. 69].
15
 Vgl. Bayern, fol. 136 [Nr. 69].
m
–m Dan … praejudiciren] Würzburg B (fol. 12) abweichend: Und da mann sich also nit vergleichen köndt, schlüsse er dahin, den ausschluß nachmals von den bencken zunemmen, und solte keinem thail praejudicirlich sein. Pfalz-Neuburg C (fol. 83’) entsprechend Textvorlage.
16
 Vgl. Beratung am Nachmittag des 6. 6.: Augsburg, unfol. [Nr. 56 mit Anm. an].
n
 Wie Neuburg] Würzburg B (fol. 12) differenzierter: nur im Hinblick darauf, dass der Ausschuss nach Bänken konstituiert worden sein sollte.
o
–o werde … hab] Österreich (fol. 37) deutlicher: Putat, Össterreich soll sich enthalten, oder wann es verplib, so sollen die ober- unnd nider sächßischen alle beede in die außschuss abgeordnet werden.
17
 = mit Salzburg in der Führung des FR-Direktoriums.
18
 = gerechnet.
p
–p dz … zuwehlen] Österreich (fol. 37) differenzierter: unnd zwo personen auß jedem crayß nemmen: Zwo auß dem ober- unnd zwo auß dem nider sachsischen.
19
 = im Ausschuss zur Problematik des niederländischen Kriegs.
20
 Bezugnahme wohl auf das entsprechende Verfahren beim RDT gemäß RAb 1570, § 20: Verhandlungsaufnahme und Beschlusskompetenz, auch wenn einer oder mehrere Stände nicht erscheinen (Lanzinner, RTA RV 1570, Nr. 567 S. 1214).
q
 Bayrn] Österreich (fol. 37) zusätzlich: Wiederholt das Votum für Weißenburg.
r
 Braunschweig-Wolfenbüttel] Hessen (unfol.) differenzierter: vertreten durch Kanzler Jagemann.
s
–s Er … fürgreifen] Würzburg B (fol. 13’) differenzierter: Ist zornig und sonderlich von wegen, das ein österreichischer doctor dem pfältzischen Lauttern in sein votum geredt. Vermeldet, ob er wol nit votirn solte, dieweil er aber befinde, das andere ire vota gleichsamb beharren, so werd /14/ seinem gnedigen fürsten und herrn verwunderlich und schmerzlich fürkomen, daß die jhenige, so kein votum haben, auch nicht uff der banck sitzen, andern wöllen vorgriffen. Sey also im Reich nicht herkommen.
t
 votirn] Augsburg (unfol.) zusätzlich: weilln er alls ain pars anzogen werde. Pfalz-Neuburg C (fol. 84 f.): weil er den vorausgehenden Voten entnimmt, dass der jetzt debattierte Vorfall allein seinem Herrn /84’/ und seiner wenigen person zugeschoben werden wolle.Doch betrifft dies den gesamten Niedersächsischen Kreis.
u
 vorhanden] Hessen (unfol.) zusätzlich: als Folge davon, dass man viell aus demselben in diesem rath ausgeschloßenn; so wolten sie doch dieselben nicht ausschließen.
v
 müese] Hessen (unfol.) zusätzlich: Wan man anticipiren und vorauß schießen solte, alsdan wehre es ein großer, vornehmer craiß, sonsten aber nicht.
w
 erwachsen] Würzburg B (fol. 14) zusätzlich: mann soll ponderiren und nicht nummeriren. Österreich (fol. 37’): Mann wölle nit quantitatem, sunder qualitatem votorum ponderieren.
x
–x wollen … geschehen] Würzburg B (fol. 14) deutlicher: wöllen aber gern sehen, was mann werde außrichten, da niemandt von disem nidersächssischen kraiß, aldo mann die maiste erfahrnuß und wissenschafft hab, darbei sey. In deputation rhäten sey Osterreich nit außgeschlossen, aber in kraißrhäten hab es ein andere mainung und werd sich nit finden, das Österreich darbei gewesen oder das directorium gehabt.
y
 Abfuit] Würzburg B (fol. 13) abweichend: Wie Österreich und Saltzburg.
z
–z Wan … lassen] Hessen (unfol.) deutlicher: Wir köntten im fall, der niedersächsische craiß außgeschloßenn, uns auch beim ausschuß nicht finden laßenn.
aa
–aa Referirt … instruction] Österreich (fol. 38) anders: Ut Saltzburg.
ab
 werde] Das bayerische Protokoll bricht an dieser Stelle ab. Österreich (fol. 38 f.) mit den restlichen Voten: Hersfeld, Nomeny, Ellwangen und Berchtesgaden stimmen mit Bayern, Arenberg mit Burgund, die Prälaten und die schwäbischen Gff. mit Salzburg. Wetterauer Gff.: Ut Pfaltz-Lautern, oder dz man es in pleno tractiere[Württemberg (fol. 618’ zusätzlich: Wie Hessen erklären die Wetterauer Gff., da Braunschweig nit würde im ausschutz erscheinen, daß sie sich auch deßen enthalten wolten]. /38’/ Beschluss: Daß es nochmalen bey dem angeordneten außschuss verpleiben soll. Würzburg A (fol. 16) differenzierter: Mehrheitsbeschluss, resümiert von Österreich, das es bei den deputirten 6 kraisen zulassen, und sie, die österreichische, disem ausschuß auch beywhonen sollen, das auch Braunschweig zuersuchen, deme sich nicht abzusondern.Replik Braunschweig-Wolfenbüttel: Er sey nit gemaint, mühe zusparen. /16’/ Was er thue, geschehe nicht allein von seines gnedigen fürsten und herrn, sondern deß ganzen nidersächssischen kraiß wegen, deren zum wenigern thail alhie. Müsse es an die abwesenden gelangen lassen; mit bitt, ine nicht zuverdencken.
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 Nach der Sitzung richteten ein Sachsen-Weimarer Gesandter und der Hessen-Kasseler Rat von Weyhe die Bitte an Illsung, er möge dafür eintreten, damit diese weittleufftigkeit verhütet würde, und sonderlich haben wir angedeutet, obs nicht köntte wieder ad plenum gebracht werden. Darzu er sich erbottenn(Hessen, unfol.).