Zurückweisung des vom Braunschweig-Wolfenbütteler Gesandten Jagemann erhobenen Vorwurfs eines Missbrauchs des Mehrheitsvotums im FR durch dessen Direktoren. Verurteilung des Verhaltens Jagemanns. Unberechtigtes Referat des Minderheitsvotums der CA-Stände des FR beim Korreferat mit KR. Bitte, den CA-Ständen das gegen das Herkommen verstoßende Verfahren zu verbieten, Jagemann zurechtzuweisen und den Hg. von Braunschweig-Wolfenbüttel zur künftigen Abordnung friedfertiger Gesandten aufzufordern.
In der Versammlung der katholischen Stände des FR beschlossen am 6. 8. 1594, dort gebilligt am 14. 8.1 Von den katholischen Ständen des FR kopiert am 14. 8.2
HStA München, KÄA 3231, fol. 200–204’ (Kop. Dorsv.:An die röm. ksl. Mt. aller underthenigiste beschwer unnd bittschrüfft der catholischen fürsten, stendt und gesandten des fürsten raths wider hertzog Hainrichen Juliusen zue Braunschweig etc. abgesandten, doctor Johann Jagemann, die maiora vota betreffendt.) = Textvorlage. StA Bamberg, Hst. Bamberg GK 54, fol. 300–303’ (Kop. Aufschr.:Lectum 14. Augusti anno 94. Dorsv. wie in Textvorlage ohne den letzten Teilsatz) = B. LA Salzburg, GA IV/1, fol. 302–306‘ (spätere Kop.) = C. HASt Köln, K+R A 198, fol. 482–484’ (Kop.). StA Würzburg, WRTA 86, unfol. (Kop.). GLA Karlsruhe, Abt. 90 Nr. 245, unfol. (Kop.).
Druck: Stieve, Geschichte, 160–162.
/200/ An den Ks.: Sie, die katholischen Stände des FR, bitten, folgendes Vorbringen zu vernehmen:
Obwohl auf RTT und RDTT im FR ebenso wie in anderen Ratsversammlungen von alters rechtmessig heerkhommen, in allen und yeden berathschlagungen das jhenig für des fürstenraths entschlus gehalten, auch dem hochloblichen kfl. collegio angefüegt und fürgetragen zu werden, darauf aintweders die stendt und gesandten all ainhelligclich oder doch der mehr thaill derselben geschloßen. /200’/ Wiewoll aucha benebens unwidersprechlich wahr, das die catholischen stendt unnd gesanndten sambt und sonders bey yetziger wie auch andern Reichs- unnd deputations versamblungen in denen zue berathschlagen fürgebrachten sachen und handlungen in iren votis und stimmen yedesmahls zuvorderst die göttliche, dann auchb euer ksl. Mt. und des Hl. Röm. Reichs, auch ganzer christenhait ehr, nutz und wolfahrt unnd zumalen, was recht und billich, nach yedes besten verstandtnus aufrichtig, redlich, ohne allen mißbrauch und arglist in achtung gehabt, auch yeder sein stim und votum darauf gerichtet. Wiewoll verrer ebenmeßig wahr, das die jhenige, so das referenten ambt versechen, yedesmals dem hochloblichem churfursten rath das jhenig, so im furstenrath ainhelligclich oder durch c–das mehrer geschlossen worden–c, gleichsfals aufrichtig, redlich, ohne allen mißbrauch und arglist fürgetragen und referirt:
/200’ f./ Dementgegen hat sich im FR am Freitag, 5. 8., bei der Beratung zum Dekret des Ks. im Streit der Stadt Augsburg mit dem Städtekollegium3zugetragen, als man /201/ das jenig, darauf die mehrere vota geschlossen, für den endtschluß des fürsten raths und das es also dem hochloblichen churfürsten rath referiert werden solle, obermeltem altem rechtmessigem gebrauch und herkhommen nach ausgesprochen, dabey aber, die besonndere mainung ettlicher undter der augspurgischen confessions verwohnten dem kfl. collegio irem begern gemeß auch mit anzuvermelden, als obangedeütem herkhommen zuentgegen billichs bedencken gehabt, das hierauf Dr. Johann Jagemann, der Gesandte Hg. Heinrich Julius’ von Braunschweig-Wolfenbüttel, khain scheuch getragen, in gesessnem rath offentlich zuvermelden, als solten die vota (wie mans erstlich verstanden) /201’/ oder (wie ers hernach erclert) die maiora vota mißbraucht werden4. Unnd als hernach der salzburgisch referent dem churfürsten rath das jenig, so durch das mehr im fürsten rath geschlossen, vilermelten altem gebrauch und herkhommen nach gethreulich referiert, ist ainer aus den jenigen, dero vota dem mehrern zuwider geloffen, aufgestannden unnd hat sein und etlicher weniger annderer sonndere mainung in gesambtem der chur- und fürsten rath altem herkhommen zuwider zur gegen relation auch angemeldet5. Welliches zwar der augspurgischen confessions verwohnten thaills in ettlichen mehr vor erganngenen berathschlagungen, bey denen das mehr auf ir mainung nit ausgeschlagen, gleichsfalls beschehen.
/201’ f./ Daraufhin hat Gf. Karl von Hohenzollern als Vertreter Österreichs für sich und namens aller katholischen Stände des FR der unbedachten Anschuldigung Jagemanns /202/ umb errettung und erhaltung willen seiner unnd irer dardurch zum hogsten unbillich angegriffener ehren und sonsten khainer anderer gestalt und mainung offenlich widersprochen6 mit disen ungevarlichen wortten, das er, Dr. Jagenmand, darmit die unwarhait geredt hette, auche khain ehren mann, das er, herr graf Carl zu Hohen Zollern etc., sein votum yemahlen mißbraucht, mit warhait nit sagen khöndte; mit der andeüttung, da er, Dr. Jagenman, dise reden ausser raths gethan, das er annders zugewartten haben solle. Darauf Dr. Jagenman vermeldt, das er ime das maul nit beschliessen oder binden ließ. Dargegen herr graf zu Hohenzolern: Da er, Jagenman, ain solliches anderer ortten redte, wolte herr graff sehen, wellicher dem andern dz maul beschliessen mechte, unnd es werde ohne zweivel sein herr ime, sich sollicher /202’/ unbeschaidenhait zugebrauchen unnd die stendt und gesanndte dermassen anzugreiffen, nit bevolchen haben.
Eben vast ein gleichmessiges anden unnd widersprechen obgeschribner reden ist auch von den anndern anwesenden stendt und gesandten durcheinandern für sich und ire herrschafften in gleicher mainung und auf ungeverliche weißg beschehen, also das dem doctor Jagenman dieh gedachte unbegründte zuelag durch die catholische stendt unnd gesandte genuegsamblich retorquirt und haimb in seinen puesen gewisen7 worden.
Der Salzburger Referent hat dem Vortrag des Minderheitsvotums für einige CA-Stände als dem alten herkhommen zuwider und derwegen nichtigclich beschehen, gleichsfalls der gebür widerfochten8. Unnd haben alsoi die catholische stend und gesandten diß orts, was die recht in dergleichen fellen zulassen, /203/ auch irer und irer herrschafften ehren notturfft ervordernj, zumal zue erhaltung des loblichen fürstenraths heergebrachter besitzlicher gerechtigkhait unnd gebrauchs vonnötten sein wöllen, gethan. Derhalben unnd dem allem nach wirdet hiemit solche von den catholischen stendten unnd gesandten beschechen widersprechung und andung hieheer wider erholt unnd euer ksl. Mt. darauf aller underthenigist und hochfleissigist gebetten, die geruchen, obangedeutte der stendt unnd gesandten augspurgischer confession angemasste neüerung deß gegen rerferierens der wenigerer stimmen abzustellen unnd mit inen, das sy es bey altem heerkhommen, nemblich das mehrer für den rathschlus zuehalten und zu referieren, verbleiben lassen, aus ksl. macht unnd authoritet zuverschaffen; dann auch nit allain dem vilgemelten doctor Johann Jagenman die oberzelte sein geüebte hochsträfflichek ungebür mit ernst zuverweisen, sonnder auch ob hochermelts herzogen Hainrichs Julii zue Braunschweig etc. f. /203’/ Gn. dise der catholischen stendt und gesandten notgetrangte beschwernuß mit angehenckhter vermahnung, das ire f. Gn. fürohin beschaidenlichere gesandten zue den Reichs- und deputations versamblungen abordnen, der gebür anzufuegen.
An solchem geschicht den catholischen stendten und gesandten zue dem, das dißl ir suechen und bitten ires verhoffens nit unzimblich noch unbillich, ain sondere gnad. Welches sy umb euer ksl. Mt. zuverdienen sich yederzeit nach vermögen befleissen wöllen.
Schlussformel. Unterzeichnet von den beim RT anwesenden katholischen Ff. und Ständen sowie den Gesandten der abwesenden Stände.