Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage: Kurmainz, fol. 13–14’.

Eröffnung des RT. Vortrag der Proposition. Mündliche Antwort der Reichsstände. Ausschluss eines Kopisten Mgf. Johann Georgs von Brandenburg als Administrator von Straßburg von der Abschrift der Proposition.

/13/ (Vormittag, 7 Uhr). Ksl. Residenz. Gemäß Ansage des Reichserbmarschalls vom Vortag, heute um 7 Uhr in der Residenz des Ks. zu erscheinen1, mitt irer Mt. in die kirchen, volgents zu anhörung der proposition uff das rathauß zuziehen und zuerscheinen, seindt Meintz, Trier, Cöln churfürsten, so dann Salzburg, Bayrn, Würtzburg, Leüchtenberg und ander catholischer stendt gesanten personlich mitt irer Mt. zu kirchen auß dem palast gezogen, alda ein offitium de sancto spiritu volnbracht, und volgents uff daß rathauß in denen darzu zugerichten pallast mitt irer Mt. sich begeben2. Und alß ire Mt. geseßen und die stende ire sessiones eingenommen, ließen ire Mt. durch pfaltzgraff Philips Ludwigen vortragen, daß ire Mt. zu sonnderm gnedigem gefallen vernemmen, daß uff ir ksl. Mt. auschreiben zu gemeiner deß Reichs wolfarth teilß in der person, teilß durch ire abgesante den außgeschriebnen Reichs tag besuchen laßen. Und demnach ire Mt. daß jenig, so sie fürzutragen, in ein schrifft verfaßen laßen, alß soltte dieselb verlesen werden; mitt allergnedigstem gesinnen, die hohe nott und gefahr der christenheit und gemeiner wolfarth wol vor augen zuhaben und sich also daruff erweisen und erzaigen, wie eß die hohe notturfft erfordert und eß an ime selbst dißmals andere notten fordern wöllen. Deß seyen ir Mt. in kaiserlichen gnaden und allem guetten zuerkennen geneigt.

Daruff haben ir Mt. in der person[Abbruch].

[Einschub: Detaillierte Schilderung der Eröffnungszeremonie in der RT-Beschreibung des daran beteiligten Reichsherolds Peter Fleischmann3]: Gemäß der vorherigen Ansage sind die anwesenden Kff. und Ff. sowie die Gesandten der abwesenden Reichsstände am 2. 6. in den Bischofshof, das Quartier des Ks., zu der Roͤm. ksl. Mt. in dero Cammer vnd in die Ritterstuben Fruͤmorgens vmb 7 Vhr kommen4, in stattlicher anzahl versamlet befunden.Um 7.15 Uhr ist der Ks. mit ihnen aus seiner Cammer in den zugerichten Gang biß in die Thumbkirchen in starcker anzahl gangen, vnd im gehen ist die Ordnung also gehalten worden:An der Spitze der ksl. Kämmerer, sodann die ksl. Geheimen und die Hofkammerräte, die vom Ks. für das Geleit beim RT angeforderten Adeligen aus Böhmen, Schlesien und der Lausitz5zusammen mit dem Hofstaat der Kff. und Ff. sowie Gff., Hh. und Adelige vntereinander vermengt […], alle in koͤstlichen Geschmuck von Goldt, Sylber, Sammat vnd Seyden Kleydungen gezieret vnd geschmuͤcket.Dahinter die Herolde von Ungarn [János Ruda] und Böhmen [Leonhard Döttenhofer], sodann paar- oder gliedweise: Die Söhne [Wolfgang Wilhelm und August] Pfgf. Philipp Ludwigs von Neuburg; F. Christian von Anhalt und ein junger F. von Holstein [August von Holstein-Sonderburg]; Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg in der Mitte, rechts Hg. Johann Casimir von Sachsen-Coburg, links Lgf. Georg Ludwig von Leuchtenberg; Gesandte der beiden abwesenden Kff.: für Kurpfalz Bgf. Fabian von Dohna, für Kurbrandenburg Gf. Wolfgang Ernst von Stolberg; die beiden Reichsherolde mit ihren doppelten Adlern; der ksl. Obersthofmeister Wolfgang Rumpf und der ksl. Obersthofmarschall Paul Sixt Trautson als Directores; der Kf. von Trier allein; Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen allein als Reichserzmarschall mit dem entblößten Reichsschwert; der Ks. allein; die Kff. von Mainz und Köln; der Ebf. von Salzburg und der Bf. von Würzburg. Als man in dieser Ordnung in den Dom kommt, ist dort in der Mitte für den Ks. ein Himel von Guͤlden Stuͤck sampt fuͤr die Churfuͤrsten auch von Guͤlden Stuͤck vnd dann gegen der ksl. Mt. vber fuͤr die Geistlichen vnd Weltlichen Fuͤrsten von roth Carmesin Sammat sessiones vnd Gestuͤl zugerichtet worden.Nachdem der Ks. sich auf den Thron unter den Baldachin gesetzt hat, nehmen die drei geistlichen Kff. ihre Sessionen neben und unterhalb des Ks. ein. Dem Ks. gegenüber sitzen die geistlichen und weltlichen Ff. sowie die Gesandten der abwesenden Reichsstände ebenfalls in Gestuͤl, von rot Carmesin Sammat vberzogen: An erster Stelle Ebf. Wolf Dietrich von Salzburg, danach Gf. Wilhelm von Oettingen als Gesandter des Hauses Österreich, der Mgf. von Havré als Gesandter des Hauses Burgund und Bf. Julius von Würzburg. Dagegen steht Lgf. Georg Ludwig von Leuchtenberg im Gestühl auf der kfl. Seite. Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen übergibt das Reichsschwert im Dom vor dem Ks. an den Reichserbmarschall von Pappenheim6. Hinter diesem stehen bis zum Abschluss des Amtes die beiden Reichsherolde sowie die Herolde von Ungarn und Böhmen in ihrem Habit. Währenddessen verlassen Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen sowie die anderen Ff. und Gesandten der CA den Dom und warten in einem Raum im Bischofshof das Ende des Heilig-Geist-Amtes ab.

Das Amt zelebriert Weihbf. Johann Baptist [Pichlmair] von Regensburg; die Epistel trägt Pater Anton Becker, das Evangelium Frater Hieronymus [Brandinus], beide ksl. Hofkapläne, vor. Danach übergibt der ksl. Elemosinarius Jacob Chimarcheus das Evangeliar dem Kf. von Mainz, der es in tieffester Reverentz der ksl. Mt. so wol auch nach der Consecration das Osculum pacis zu kuͤssen dargereichthat. Nach dem Amt geleitet der ksl. Hofmarschall Paul Sixt Trautson die Kff., Ff. und Gesandten der CA zurück in dem Dom, wo Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen das Reichsschwert vom Reichserbmarschall übernimmt. Der Ks. und die andern Anwesenden verlassen den Dom und begeben sich zu Pferde7.

Zug vom Dom zum Rathaus8: An der Spitze der kursächsische Hofstaat, gefolgt vom Hofstaat des Ks. sowie der Kff. und Ff. vntereinander vermengt, den ksl. Geheimen und Hofkammerräten, den Adeligen aus Böhmen, Schlesien und der Lausitz sowie weiteren Gff., Hh. und Adeligen Hoch- vnd Niderstandes in grosser anzahl9, welche alle nach dem Rathause voran zugehen angestellet worden.Diesen folgen zu Ross die Herolde von Ungarn und Böhmen, sodann paar- oder gliedweise: Die beiden jungen Pfgff. von Neuburg, Wolf Wilhelm und August; F. Christian von Anhalt und ein Hg. [August] von Holstein; Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg in der Mitte, rechts Hg. Johann Casimir von Sachsen-Coburg, links Lgf. Georg Ludwig von Leuchtenberg; Bgf. Fabian von Dohna als Gesandter für Kurpfalz, Gf. Wolfgang Ernst von Stolberg als Gesandter für Kurbrandenburg; die beiden Reichsherolde mit ihren Doppelten Adlern; der Kf. von Trier allein; Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen allein mit dem entblößten Reichsschwert; der Ks. allein; neben ihm gehen seine Leibtrabanten10; die Kff. von Mainz und Köln; der Ebf. von Salzburg und Gf. Wilhelm von Oettingen für das Haus Österreich; der Bf. von Würzburg und der Mgf. von Havré als Gesandter des Hauses Burgund.

Der Zug erreicht das Rathaus11, Ks. und Reichsstände begeben sich in dessen Saal, welcher von Guͤlden, Sylbern vnd Sammaten stuͤck vnd Tapecerey herrlich gezieret. Insonderheit ist ain Himel von Guͤlden stuͤck fuͤr die ksl. Mt. allein ein session, so wol zu beyen Seytten derselben fuͤr die Churfuͤrsten Benck etwas als der Keyserlichen Mt. niderer vnd fuͤr die andern Geistlichen vnd Weltlichen Fuͤrsten vnd der abwesenden Bodtschafften noch ein Staffel auch niderer als der Churfuͤrsten sondere Benck, alle mit Tapecereyen vberzogen, zugericht gewest. […] Darauff haben sich die ksl. Mt.12 in ihren zugerichten Stuel, daruͤber ein Himel von gantz Guͤlden Stuͤck so wol auch der Stuel damit bezogen vnd gezieret gewest, nidergesetzt.Die beiden Reichsherolde und bei ihnen der ungarische sowie der böhmische Herold warten zu beiden Seiten des Ks. in ihren Habiten auf. Als der Kuradministrator von Sachsen das Reichsschwert zum Dienst vor dem Ks. an den Reichserbmarschall übergibt, übernimmt es der junge Joachim von Pappenheim, der unmittelbar neben der Session des Kf. von Trier rechts neben dem Ks. steht und das Schwert während des gesamten Vortrags der Proposition hält. Der ältere Reichserbmarschall Alexander von Pappenheim führt den Kf. von Mainz zu dessen Session zur rechten Seite und eine Stufe unterhalb des Ks. Diese und die Bänke der anderen Kff. sind alle mit gantz Guͤldenen Stuͤcken bedeckt gewest.Sodann führt der Reichserbmarschall 2) Kf. Ernst von Köln zur Session zur linken Seite des Ks.; 3) den Kf. von Trier zu einem eigenen Stuhl auf gleicher Höhe mit den anderen kfl. Sessionen direkt gegenüber dem Ks.; 4) Bgf. Fabian von Dohna als Kurpfälzer Gesandten neben den Kf. von Mainz auf der rechten Seite; 5) Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen neben den Kf. von Köln auf der linken Seite; 6) Gf. Wolfgang Ernst von Stolberg als Kurbrandenburger Gesandten zur linken Seite neben den Kuradministrator von Sachsen. Nach der Zuweisung der kfl. Sessionen fordert Alexander von Pappenheim die geistlichen und weltlichen Ff. auf, jeder möge die Session nach seiner Gebuͤhr vnd Standtselbst einnehmen. Demnach ergibt sich folgende Sessionsfolge: Zur rechten Seite des Ks. auf der geistlichen Bank, die noch eine Stufe unter jener der Kff. platziert und wie die andere Fürstenbank mit karmesinrotem Samt geschmückt ist, Ebf. Wolf Dietrich von Salzburg persönlich, Gf. Wilhelm von Oettingen als Gesandter des Hauses Österreich, der Mgf. von Havré als Gesandter des Hauses Burgund, der Bf. von Würzburg persönlich, [Johann Eustachius] von Westernach als Gesandter von Deutschmeister Ehg. Maximilian, Domherr Wolfgang Heinrich von Redwitz als Gesandter des Bf. von Bamberg; danach die Gesandtschaften weiterer geistlicher Ff. Session zur linken Seite des Ks. auf der weltlichen Fürstenbank: Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg, Hg. Johann Casimir von Sachsen, Lgf. Georg Ludwig von Leuchtenberg sowie Gesandte anderer weltlicher Ff. Die weiteren persönlich anwesenden Ff., nämlich die beiden Söhne Pfgf. Philipp Ludwigs von Neuburg, der junge Hg. von Holstein und F. Christian von Anhalt, sind ein wenig abseits beim Stuhl des Kf. von Trier neben Rumpf und Trautson gestanden13und haben dort die Proposition im Stehen angehört14.

Nach Einnahme der Sessionen tritt Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg vor die linke Seite des Ks. und trägt in dessen Auftrag die Eröffnungsrede vor15. Danach spricht der Ks. persönlich zu den Reichsständen: Dankt für ihr Kommen zum RT und bittet sie wegen des Tuͤckischen[!] Tyrannen an ihr Keyserlichen Mayestat wider den auffgerichten beschlossenen Frieden begangenen Friedtbruchs, auch gewaltthaͤttigem Einfals vnd verheerung ihres Koͤnigreichs Hungern vnd derselben anreinende Osterreichische Erblande vmb ihre mittleydenliche Huͤlff.Näheres wird in der Proposition ausgeführt. Ks. ermahnt die Reichsstände, dass sie diese nicht nur anhören, sondern sich gegenüber ihm, dem Ks., und dem Kgr. Ungarn wider den Tuͤcken[!] also mit ihre Huͤlffe trewlich erzeigen wolten, wie ihre ksl. Mt. zu ihnen allen ihr gnedigist vertrawen setzen.

[Fortsetzung des Protokolls gemäß Textvorlage:] /13’/ Verlesung der Proposition16durch Sekretär Hannewald.

/14/ Im Anschluss getrennte Beratungen der Kurien. Beschluss einer gemeinsamen Antwort an den Ks., die Kf. Wolfgang von Mainz persönlich vorträgt17: Eß hetten die anwesende churfürsten, fürsten und stende und der abwesenden räthe, bottschafften und gesantten[Abbruch18].

/14’/ Anschließend konzipiert die Mainzer Kanzlei einen Ansagezettel für die Abschrift der Proposition, der sofort dem Reichserbmarschall übergeben wird19: Soll den Reichsständen ansagen, daß ein yeder einen vertrauten, beaidigten schreiber mitt furzeigung deßwegen geburender, underschriebener und besigleten urkunth umb zwei uhr uff daß rathauß zu abschreibung der kaiserlichen proposition verordnen wölle; mitt diesem sonndern kaiserlichem gehais und bevelch, demselben bey seiner pflichten uffzulegen, solche abgeschriebene kaiserliche proposition weder gantz noch stückhweiß keinem andern alß seinem hern und obern abzuschreiben, zuzustellen noch zuvermelden; alß auch one dergleichen urkunth keiner zum abschreiben zugelaßen werden wirdt. Signatum Regensburg, den 2. Junii anno 1594.

Daruff seindt der stendt scribenten mitt iren urkhunden20 erschienen und haben nach mittag in dem Augustiner closter angefangen, die proposition abzuschreiben. Und alß sich einer vonn wegen marggraff Johans Georgen zu Brandenburg alß angebnen bischoven zu Straßburg wollen mitt undermengen, ist derselb abgewiesen worden. So hatt man ausserhalb den churfürsten nitt wöllen zulassen, daß ein standt, wehr der auch sey, zwen schreiber sitzen lasse.

Anmerkungen

1
 Auftrag Kuradministrator Friedrich Wilhelms von Sachsen als Reichserzmarschall an Reichserbmarschall A. von Pappenheim (Regensburg, 1. 6. {22. 5.} 1594), den Ständen für 2. 6., 7 Uhr, in das ksl. Quartier anzusagen, da Ks. den RT eröffnen wolle (StA Nürnberg, Hft. Pappenheim REMA Akten 144, unfol. Kop.). Dabei liegt ein Zettel mit Ständen, die nicht einzuberufen sind: Für Walkenried haben sich sowohl Braunschweig-[Wolfenbüttel] als auch Schwarzburg angemeldet. Die Kgn. von Dänemark hat nicht eine session.Bremen, Osnabrück, Lübeck, Verden [gestrichen: Halberstadt] sind nicht zu berufen (ebd., unfol.). Vgl. eine teils abweichende Notiz in den kursächsischen Akten: /42’/ Bei der ansage ist dieser scrupulus furgefallen:1) Braunschweig-[Wolfenbüttel] und Schwarzburg werden wegen der Doppelanmeldung für Walkenried tanquam in re litigosa ubergangen.2) Bremen, Osnabrück, Lübeck und Verden lassen sich vom gleichen Gesandten vertreten. Da dieser keine Vollmacht übergeben hat [vgl. dagegen Einleitung, Kap. 4.2.4], /43/ die seßion auch streitig, so seindt sie nicht erfordert worden.3) Hg. Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel hat in eine Vollmacht das stifft Halberstadt und furstenthumb Braunschweig setzen laßen.Die Mainzer Kanzlei hat darauf verzeichnet, das sie angenommen in quantum et quatenus.Die Kgn.-Witwe von Dänemark hat als Hgn. von Holstein in Vormundschaft Dr. Siebrandt geschickt. Diesem ist angesagt worden, aber hat er keine seßion gehalten(HStA Dresden, GA Loc. 10202/6, fol. 42–43’, hier 42’ f. Kop.). Gemäß Bericht der Braunschweig-Wolfenbütteler Gesandten an Hg. Heinrich Julius vom 4. 6. (25. 5.) 1594 ist die Einberufung zur RT-Eröffnung /294/ gantz unversehens geschehen, also das es etlichen kaum ein oder zwey stunde[!] vorher, etlichen gar nicht angezeiget(NLA Wolfenbüttel, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 41/1, fol. 294–296a, hier 294. Or.).
2
 Vgl. zum Folgenden die oben inserierte, genauere Beschreibung durch Reichsherold Peter Fleischmann.
3
 Fleischmann, Beschreibung [C2, C3, D, D2, E]. Überschr.: Beschreibung, wie es zu Regenspurg den andern Junii (als die ksl. Mt. den Chur- vnd Fursten die Proposition thun lassen) so wol in der Kirchen als auff dem Rathause ergangen.Die Beschreibung wird oben ins Protokoll inseriert, um den Anmerkungsapparat zu entlasten. Wohl Abschrift davon: ÖNB Wien, Cod. 9330, fol. 78–83. Von Fleischmann übernommene Beschreibung: Gumpelzhaimer, Geschichte, 1002–1005; Khevenhiller, Annales IV, 1205–1210; Häberlin XVIII, 167–175. Weitere Darstellungen der RT-Eröffnung (Auswahl; dazu auch Schilderung in den Gesandtenberichten): Beschreibung aus der ksl. Überlieferung: HHStA Wien, RK RTA 64, fol. 242–249’ (Kop. Dorsv.: Relation aller ceremonien unnd geschichten von ihr ksl. Mt. ankunft geen Regenspurg den 18. Maii 1594 biß den 2. Junii, wie die ksl. Reichs tags proposition vorgetragen worden etc.). Kursächsische Aufzeichnung: HStA Dresden, GA Loc. 10202/6, fol. 49–52 (Überschr.: Process bei der kayserlichen proposition, uf dem reichstage zu Regensburg den 23. Maii[2. 6.] anno 94 gehalten.). Aufzeichnung aus der Überlieferung Pfalz-Zweibrückens: StA Nürnberg, ARTA 60, fol. 296–299’ (Kop. Überschr.: Kurtzer bericht, wie es den 23. Maii[2. 6.] vor, bey unnd nach dem actu propositionis uffm reichstagh zu Regenspurgh gehaltenn worden, anno 94.). Aufzeichnungen aus der Überlieferung des Reichserbmarschalls: StA Nürnberg, Hft. Pappenheim REMA Akten 146, unfol. (Überschr.: Zusammenkunfft ksl. Mt., chur-, fursten und ständte zur proposition ufm Reichs tag zue Regenspurg anno 1594.); ebd., REMA Akten 147, unfol. (Überschr.: Beschreibung, wie es auf dem reichstag anno 1594 mit der session[bei der RT-Eröffnung] ist gehaltten worden.). Schilderung durch die Kurpfälzer Gesandten als Beilage zum Bericht vom 2. 6. (23. 5.) 1594: HStA München, K. blau 113/3 I Fasz. 2, unfol. Beschreibung im Diarium Gf. Philipp Ludwigs II. von Hanau-Münzenberg: StA Marburg, 81 Nr. A/47/8, hier fol. 48 f. (vgl. Müller-Ludolph, Philipp Ludwig, 90–92; Rauch, Bildungsreisen, 16); zeitgenössische Chronistik: Aitzing, Annalis, 88–92. Allgemein zur RT-Eröffnung im 16. Jahrhundert: Aulinger, Bild, 202–209; zur Bedeutung des Zeremoniells: Stollberg-Rilinger, Symbolik, 87 f.
4
 Gemäß der kursächsischen Aufzeichnung (wie Anm. 3, hier fol. 49 f.) zogen Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen, Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg, Hg. Johann Casimir von Sachsen-Coburg und F. Christian von Anhalt zusammen mit ihrem Hofstaat gemeinsam vom kursächsischen Quartier zum Bischofshof. Die sie begleitenden Gff., Hh. und Räte warteten dort im ksl. Vorgemach auf, während die Ff. von Hofmarschall Trautson ins Gemach des Ks. geführt wurden. Nach ihnen erschienen dort die Kff. von Mainz, Köln und Trier, der Ebf. von Salzburg, der Bf. von Würzburg und andere Ff., die alle von Trautson ins ksl. Gemach geleitet wurden. Dort hat der Kuradministrator von Sachsen als Reichserzmarschall /49’/ das bloße schwerdt, welches in der ksl. Mt. gemach sonnderlich von ihrer Mt. dartzu verordent gewesen, zu sich genommen und als administrator des ertzmarschalchsambts ihrer Mt. furgetragen.
5
 Vgl. die Verzeichnisse der vom Ks. angeforderten Hh. und Landleute aus dem Kgr. Böhmen, dem Fst. Schweidnitz-Jauer, der Lausitz sowie dem Vogtland: Fleischmann, Beschreibung [M3, N].
6
 Vgl. genauer in der Beschreibung aus der ksl. Überlieferung (wie Anm. 3, hier fol. 243): Übergabe an Joachim von Pappenheim, den Sohn des Reichserbmarschalls Alexander von Pappenheim.
7
 Vgl. in der Beschreibung aus der ksl. Überlieferung (wie Anm. 3, hier fol. 243’): Der Ks. reitet auf einem sehr zierlichen spanischen schwartzen gaull vom tuemb[Dom] an durch die wallerstrassen[Wahlenstraße] für die neue pfarkirchen[Neupfarrkirche].
8
 Beschreibung der Zugfolge vom Dom zum Rathaus auch in Vorzeichnuss(1594).
9
 Vgl. genauer in der kursächsischen Aufzeichnung (wie Anm. 3, hier fol. 50 f.): An der Spitze Reichsprofos Johann Hainzel mit 2 Trabanten, die kursächsischen Trabanten, der kursächsische Hofmarschall mit den Junkern in 33 Gliedern, die Pfalz-Neuburger Junker, Reichserbmarschall Alexander von Pappenheim mit den ksl. Edelknaben, Junker von Hessen, Braunschweig-Lüneburg, Anhalt, Sachsen-Coburg sowie anderen Kff. und Ff., die den Ks. begleitenden Hh. und Adeligen, die kursächsischen Räte, Gff. und Hh.
10
 Vgl. in der Beschreibung aus der ksl. Überlieferung (wie Anm. 3, hier fol. 244’): Neben dem Ks. gehen Obersthofmeister Wolfgang Rumpf und Oberststallmeister Gf. [Albrecht] von Fürstenberg sowie weitere Räte und Kämmerer. Zu beiden Seiten warten 200 Hartschiere und Trabanten als ksl. Leibgarde auf.
11
 Vgl. ergänzend im Bericht der Kurbrandenburger Gesandten an den Kf. vom 23. 6. (13. 6.) 1594: Vor dem Rathaus ist auf beiden Straßenseiten /120/ von trabanten und hartschirern, welche alle gelb und weiß gekleidet gewesen und schwartze mentel, mit geel[!] und weisem sammat vorbremet[= Randbesatz], gehabt, eine gaße gehalten worden. Alß man auf das palatium kommen, ist ein hoher stuel, fast eines mannes höher alß der churfursten banck, aufgerichtet und mit guldenem stuck bekleidet gewesen, darauf sich ihr Mt. gesetzet(GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Xx, fol. 113–122’, hier 120. Or.; präs. Cölln/Spree, 30. 6. {20. 6.}).
12
 Vgl. die Beschreibung der Kleidung des Ks. in einer kursächsischen Aufzeichnung: ascherfarb seiden atlas zerstochen spanische hosen und wammes mit solchen strümpffen und weißen schuen; ein klein gülden ketlein; ein schwartz seidenmäntlein mit zweien guldtnen posamentbortten, fingerbreit vorbrehmet; ein gefalten schwartz sammet barethlein mit einer schwartzen und weißen strausfeder, die schnure von rubin und einer schönen medeien[Kleinod mit Figuren: Grimm, Wörterbuch XII, 1838] (HStA Dresden, GA Loc. 10202/6, fol. 55).
13
Vgl. in der Beschreibung aus der ksl. Überlieferung (wie Anm. 3, hier fol. 246’): Unterhalb des ksl. Throns zur rechten Seite steht der Obersthofmeister [Rumpf], der einen langen schwartzen stab von ebano, oben und unden mit goltt beschlagen,in der Hand hält; nur linken Seite steht der Obersthofmarschall [Trautson].
14
 Vgl. auch skizzierte Schemata der Sessionsordnung: HStA Dresden, GA Loc. 10202/6, fol. 54 (Skizze des Rates Gerstenberger); NLA Hannover, Cal. Br. 11 Nr. 194/I, fol. 19.
15
 Vgl. oben im Protokoll (Kurmainz, fol. 13) sowie in Augsburg, unfol [Nr. 55].
16
 Nr. 1. Gemäß Fleischmann, Beschreibung, dauerte die Verlesung fast eine Stunde.
17
 Vgl. dazu in der Beschreibung aus der ksl. Überlieferung (wie Anm. 3, hier fol. 247’): Während des Vortrags der Antwort hat ire Mt. von dero kayserlichen stuel mit abnembung ieres parets sich erhebt.
18
 Vgl. das FR-Protokoll [Nr. 55] sowie Wiedergabe der Antwort bei Fleischmann, Beschreibung: Die Reichsstände haben der Proposition den Friedbruch des Türken und dessen Einfall in die ksl. Lande vernommen. Sie danken dem Ks. für seinen Einsatz und versichern: Was Sie zu erhaltung vnd mehrung ihrer ksl. Mt. Hoheit, ksl. Reputation vnd Autoritet, pflantzung vnnd mehrung des Heyligen Roͤm. Reichs, fuͤrnemblich auch derselben betrangten Koͤnigreich Hungern vnd Erblanden wider diesen Tyrannischen Erbfeindt, dem Tuͤrcken, mit ihrer Huͤlff vnd Rath immermehr einrathen vnd helffen moͤgen, das Sie darzu vngespartes fleiß Allervnterthaͤnigst vnd gantz bereytwillig erfunden werden wollen.Bitten um Abschrift der Proposition und sagen deren Beratung zu. Abschließende Rede des Ks. persönlich [wird im FR-Protokoll (Nr. 55) unmittelbar nach der Verlesung der Proposition verzeichnet]: Dankt für das Erbieten und zweifelt nicht, die Reichsstände werden die proponierten Punkte, insbesondere die Türkenhilfe also schleunig, ja trewhertzig befuͤrdern vnd sich deßwegen also vereinigen vnd vergleichen, wie es dieser Sachen an eylender fortsetzung die eusseriste noth erfordert, dann je lenger verzug diser Kriegs expedition vnd Huͤlffleistung grosse Gefahr vnd Schaden auff sich tregt; vnd sich in solchem allen also trewhertzig, guthwillig vnd gehorsamblich erzeigen, auch mit ihrem trewen Rath vnd Huͤlffe in allen des Heyligen Roͤmischen Reichs Hochobligenden proponirten Sachen dahin schliessen vnd bedencken helffen, wie etwa diesen, insonderheit dem Tuͤrckischen grossen Gewaldt zubegegnen, damit solches zu Gottes Ehr vnd vieler armen Christen Seelen Heyl, Schutz, Sicherheit, Nutz vnd Wolfarth gelangenmöge und sie sich nicht mit unnötigen Unkosten länger am RT aufhalten müssen. Sagt Übergabe und Abschrift der Proposition zu. Der Ks. erhebt sich von seinem Thron und wird abschließend von den Reichsständen in der vorherigen Zugfolge zurück in den Bischofshof geleitet. Ergänzend in der kursächsischen Aufzeichnung (wie Anm. 3, hier fol. 52): Der Kuradministrator von Sachsen hat wieder das Reichsschwert vor dem Ks. geführt und es bis in dessen gemach vorgetragen, auch an den ortt, do es sein f. Gn. genommen, wiederumb hingelegt.
19
 Auch die Ansagezettel des Reichserbmarschalls für die Sitzungen der Kurien verfasste die Mainzer Kanzlei. Vgl. deren Sammlung (56 Ansagezettel von der Proposition bis zur Verlesung des RAb): StA Nürnberg, Hft. Pappenheim REMA Akten 144, unfol.
20
 Vgl. Vollmacht Kuradministrator Friedrich Wilhelms von Sachsen (Regensburg, 2. 6. {23. 5.} 1594), ausgestellt für die Kanzleischreiber Georg Bodecker und David Lotter zur Abschrift der Proposition und aller sonstigen Akten (HStA Dresden, GA Loc. 10202/6, fol. 45. Kop.). Weitere Vollmachten bei Nr. 55, Nr. 102.