A) Einzelunterredungen
Vermittlung Kursachsens im Magdeburger Sessionsstreit im Auftrag des Ks.: Bitte an Kurbrandenburg, Magdeburg zum Verzicht auf die Session bei der RT-Eröffnung zu bewegen. Zusage nachfolgender Klärung. Verhandlungen der ksl. Geheimen Räte mit den Magdeburger Gesandten um den Verzicht auf die Session. Bitte des Ks. an die Kurbrandenburger Gesandten, Magdeburg dazu zu veranlassen.
[1] /87/ Unterredunga
Kuradministrator Friedrich Wilhelms von Sachsenmit den
Kurbrandenburger Gesandten1, die in das kursächsische Quartier berufen werden. A. Bock trägt für Kursachsen vor, dass der Kuradministrator in der Angelegenheit [der Magdeburger Session] gern weitter handeln woltten und vorsuchen, wie weitt die sachen zu bringen. Sein auch vorhabens gewesen, die röm. ksl. Mt. derwegen personlich zuersuchen und diße sache mitt derselben zu handeln. Es ist aber von ihrer Mt. der her Trautzem zu ihrer f. Gn. geschickt worden2. Der hatt ahngebracht, daß ihre Mt. die sachen gern befordertt sehen. Es stehen aber ihrer Mt. allerhand hinderunge fohr[!], darumb die sachen zu dem gewunschetten ende nicht kommen konnen. Ks. bittet deshalb, dass der Kursadministrator sich nachmals der sachen woltten ahnnehmen und es bey unß3 [und] den magdeburgischen dahin richten, daß daß gemeine wergh und bestes nicht mochte gesperrett werden, dan ihn[!] warheitt bey den geistlichen /87’/ nichts zuerhaltten sey. Wan es ihn ihrer ksl. Mt. macht alleine stundt, soltte es woll keinen mangell haben, sondern wurden ihre Mt. die geistlichen gern behandeln. Ihre Mt. kommen aber mitt denselben nicht forth,[könne] auch fuhr sich ratione iuramenti zu den sachen mehr nicht thun. Und will gleichwoll nicht wenigk bedengklich fallen, wan diß privat wergk dem gemeinen vorgesetzet oder daß gemeine dardurch soltte gehindert werden. Darumb ihre Mt. dan haben suchen lassen, ihre f. Gn. woltten[es] ihn diser sachen dahin richten, daß die session ferner nicht gestritten wurde. Wie dan diser Reichs tagk ohne condition und ahnhangk bewilligett und ausgeschriben, darumb dan ihrer ksl. Mt. auch die proposition billich nicht gehindertt wurde. Nach geschehener proposition aber woltten ihre Mt. die sache ihn handlunge nehmen lassen. Darauff woltten sein f. Gn. den dingen ohne weitterung und besorglicher gefahr abhelffen. Es wusten sein f. Gn. auch nicht, daß ihrer f. Gn., dem administrator, in substantia ettwaß abginge, und begereten sein f. Gn., wihr4 woltten dises mitt den furstlichen magdeburgischen reden und dahin behandelnb./87’ f./ Ks. hat daneben mitgeteilt, er werde Kuriere zum Kf. von Brandenburg und zum Administrator von Magdeburg schicken und sie auffordern, dass sie /88/ ihre ksl. Mt. respectiren und dero rethen andern bevehl und erklerunge zuschicken5. Und wisten nuhn ihre f. Gn. unß also fridlibende und guthhertzigk gesinnet, daß wihr daß gemeine wergk nicht gehindert, sondern gern befordertt sehen. Versehen sich auch zu den magdeburgischen, daß sie daß gemein wergk nicht hindern wurden, sondern hierinnen sich ettwaß moderiren und weichen. Der gravaminum halben wollen ihre f. Gn. gern auch alle mugliche beforderunge vortsetzen und ihn acht nehmen helffen. Dieselben mußen aber alleine nach der proposition vorgenohmen werden.
Antwort der Kurbrandenburger Gesandten: /88 f./ Danken dem Kuradministrator für sein Engagement und die Freundschaft zum Haus Brandenburg. c–Betonen, /88’/ daß wihr auch habende bevehlich gemeß oder auch die furstlichen magdeburgischen ihn disen dingen ettwaß mehr nachsehen kontten–c.Hören gern, daß ihre ksl. Mt. disen sachen also gnedigst und wol fuhr sich gewogen wehren. Daß aber bey den geistlichen nichts zuerhaltten, mußen wihr wol dahin gestellet sein lassen, und wurden jhe dise ding bey ihnen als einem theill nicht stehen. d–Wollen den Eid des Ks. nicht zur Debatte stellen, merken aber an, daß ihn der capitulation die weldtlichen churfursten ihren vorbehaldt hetten6, darumb man sie darzu nicht asstringiren kontte–d. Und wehre dises nicht allein ein privat wergk, sondern daß ihn gemein mehr stende und die ergentzunge der vota ihm furstenrath betreffe. Ihre f. Gn.7 wehren nicht gesinnet, ihrer Mt. ahn dem publico hinderunge zu thun, sondern suchten ihr recht und session zu erhaltten glimpflich und ohne einige verihrrunge. Der Reichs tag wehre zwar bewilliget und ausgeschriben, den stenden aber dem her- /89/ kommen nach ihre notturfft darauff zu suchen unvorbothen.Verweisen auf das Engagement Kf. Christians I. von Sachsen, wenngleich biß dahero mitt geringem effect. Und hinderte nicht ihr f. Gn., der administrator, sondern die geistlichen dises wergk und die proposition. Die handlunge wehre itzo so guth und nahe als nach gehaltener proposition.Administrator Joachim Friedrich hat dem Domkapitel zugesagt, die Sessionsfrage zu klären und die Reichsstandschaft zu sichern. Sollten sie oder die Magdeburger Gesandten künftig anderweitige Weisung erhalten, werden sie dieser ebenso wie ihrem derzeitigen Auftrag nachkommen. Daruntter sein f. Gn.8 unß als diener ihn unguetem nicht verdencken woltten.
Replik Kuradministrator Friedrich Wilhelms: Ihre f. Gn. wehren ihn disem wergk gahr sorgfeltigk, und kontte man leicht ahn allen orten, waß hierauß /89’/ entstunde, geferlich auffnehmen. Wie es dan auch leicht zu grosser weitterunge gelangen mochte. Sie haben sich allerhand bemuhett und untterstanden, die geistlichen aber sein simpliciter darauff gangen, daß nichts zuerhaltten wehre. Und konnen sein f. Gn. nicht rathen, daß man dem keiser den despect thue. Sein f. Gn. woltten gern des hauses Brandenburgk halben thun, waß ihmmer muglich und zu beforderunge der sachen gereichen magk, begerten aber, wihr woltten unser instruction einsehen und, waß muglich zuthun ist, an unß nichts erwinden noch mangeln lassene,9.
[2] /90/ (Nachmittag). Bekanntgabe der
Magdeburgeran die
Kurbrandenburger Gesandtenin deren Herberge10: Informieren über die Verhandlungen der ksl. Geheimen Räte mit ihnen, den Magdeburgern, am Vormittag11.
[3] /39/ (Nachmittag, nach 14 Uhr)12. Im Anschluss an ihre Audienz beim Ks.13unterrichten die
Kurbrandenburgerdie
Magdeburger Gesandtendarüber. Letztere haben sich aber auf ihren habenden befehlich weiter nicht einlaßen können, dann das ihnen die session bleiben möchte. Und stelleten sie dahin, ob jemandts dargegen protestiren wolte oder aber, das ihnen dißmals bey dieser Reichs vorsamblung ihre session alß auf ein interim gelaßen und alßdann einem jeden sein recht zu kunfftiger zeit vorbehalten wurde14.
B) Beratungen der Stände des Heilbronner Abschieds
Textvorlage: (unfol.).
Fraglicher Verbleib Württembergs beim Heilbronner Abschied oder Anschluss an Kursachsen in der Religionsfrage.
Zusammenkunftfder Gesandten der beim Tag in Heilbronn vertretenen Stände [Kurpfalz, Magdeburg, Pfalz-Zweibrücken, Brandenburg-Ansbach, Württemberg, Baden-Durlach] in der Kurpfälzer Herberge.
Kurpfalz (Hochfelder) proponiert: Die Württemberger Gesandten haben zuletzt geäußert, sie wolten sich von den gravaminibus nit absondern, aber doch nach Sachssen regulirn15.Sollen nunmehr erklären, ob sie darauf beharren und ob sie von Kursachsen einen Bescheid dazu erhalten haben, weil die Eröffnung des RT bevorsteht und man sich der gravaminum halber also zuvergleicheng, damit dem heilbronischen abschiedt16 steiff nachgesetzt würde. So were sich auch der stet und irer gravaminum17, damit sie nit sagen, daß die mehrere18 [!] stendt daß irige fortreiben und irer nit achten, anzunemmen.
Die Württemberger Gesandten (anwesend sind Gf. Konrad von Tübingen, S. Welling und Dr. Reinhardt) unterreden sich kurz und bringen sodann vor: Hatten zwar bereits Audienz bei Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen19, dieser hat in specie aber nichts erclert.Wollen heute oder morgen nochmals um eine Erklärung bitten und sich anschließend in diesem Gremium dazu äußern. Verfügen bisher über keine anderslautende Weisung des Hg.
Kurpfalz (von Dohna): Enzlin hat sich letzlich gut rundt vernemmen lassen, sie heten bevelch, sich in den gravamina und andern sachen sich[!] nach Sachssen zu regulirn. Wan nhun Sachssen nit wolte, so verstehe man, dz sie sich auch abzusondern begern. So miessen sie in puncto gravaminum einen andern bevelch haben, dan zu Heilbron verabschiedet.
Württemberg: h–Hg. Friedrich hat in Heilbronn erklärt, er wolle die Gravamina beraten und sich dazu bis 13. 4. (3. 4.) äußern. Berufen sich dafür auf das Protokoll des Heilbronner Tages20. Verlesen zur aktuellen Beauftragung den entsprechenden Abschnitt aus ihrer RT-Instruktion, wonach sie sich, im faal von dem heilbronnischen abschiedt gehandlet werden solte, mit den sechssischen zuvergleichen etc.–c,i
Diese Aussage wird von allen anwessenden mit befrembden vernommen21.Culmann (Kurpfalz), Schwebel (Pfalz-Zweibrücken) und Püttner (Brandenburg-Ansbach) stellen klar: Waren an den Verhandlungen in Heilbronn beteiligt, wissten sich aber einicher protestation, welche herzog Friderich zu Würtemberg gethon, im wenigsten zuberichten.Zwar hatte der Hg. zu Beginn der Beratung die Gravamina nicht zur Hand und ließ sie deshalb aus der Kanzlei in Stuttgart holen, doch sind sie gemäß Gutachten der anwesenden Kff. und Ff. erst einige Tage später zusammengetragen, auch etlich tag hernacher der abschiedt begriffen, verlesen, approbirt und underschriben worden.Culmann und Schwebel waren daran persönlich beteiligt, sie wissen aber nichts von einem Württemberger Protest oder Vorbehalt, auch ist in den Protokollen dazu nichts enthaltenj.
Württemberg: Gf. Konrad von Tübingen und andere Räte waren zwar in Heilbronn anwesend, dort aber nicht direkt an den Beratungen beteiligt. k–Können hier nur vorbringen, was ihnen dazu berichtet worden ist. Der jetzt nicht anwesende Dr. Enzlin wird sich weiter mit Sachssen zuvergleichen nit vernemmen haben lassen, dan ausserhalb, waß daß religion wesen und nit zugleich auch zumal alle andere darin begriffene puncten antreffe–f.
Dagegen beharren die anderen Gesandten auf der Gültigkeit des Heilbronner Abschieds, mit anzeig, wa ir f. Gn. denselben durchauß nit annemen, sonder in etlichen einen vorbehalt haben wölle, were dasselbige demselben, insonderheit oder ufs wenigst dem prothocoll uff selbigen tag, allß der abgelesen, einverleipt worden. Nhun kunden sie bey irem höchsten gewissen, auch irer seelen seligkheit erhalten[!], dz sie davon einich wort nit vernommen22.
Württemberg: Können dazu nichts weiter sagen und wollen sich bei Enzlin, der seit einigen Tagen erkrankt ist, erkundigen23.