Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Maßnahmen gegen spanische Lizenten auf dem Rhein. An die Reichsstände.

Supplikation an die Reichsstände (Regensburg, 4. 6. 1594; der Mainzer Kanzlei von den Gesandten Jülichs und Münsters übergeben am 6. 6.; von den Reichsständen kopiert am 2. 7.)1, unterzeichnet von den Verordneten des Kreises; mit 1 Belegdokument2(Personen, denen die Abgaben auf dem Rhein zu leisten sind): Klagen gegen die von den kgl. spanischen Besatzungen den Kaufleuten und Schiffsführern gewaltsam abgenötigten Zölle und Lizenten. Der Rhein teilt sich im Hgt. Kleve in die 3 Flüsse Rhein, Waal und Ijssel. Ein Schiff, das von der Waal in den Rhein fährt, passiert außerhalb des Reichs auf dem Gebiet der niederländischen Generalstaaten 6 Zollstätten, wo jeweils neben Ungeld und Lizenten die Zölle zu entrichten sind. Dessen ungeachtet werden alle Schiffsführer, die diese Abgaben bezahlt haben, in Rheinberg im Erzstift Köln und damit auf Reichsboden von den spanischen Besatzungen nochmals zu Zoll und Lizenten herangezogen. Die Lizenten sind teils höher als die regulären Zölle und werden sogar für Waren verlangt, die im Hgt. Kleve ein- oder ausgeladen werden und damit die niederländischen Zölle nicht passieren. Daneben ankern bei Rheinberg 6 spanische Kriegsschiffe auf dem Rhein, die von den Handelsschiffern ungewöhnliche Abgaben erpressen, damit sie unbehelligt passieren können. In gleicher Weise müssen sich Schiffsführer gegenüber der Besatzung der Schanze am Eschenberg [Asberg, Moers] in der Gft. Moers, die zum Hgt. Kleve gehört, verhalten. Kürzlich musste ein Schiff an derlei Lizenten zu Rheinberg und an den Kriegsschiffen über 125 Goldfl. erlegen. Die Abgaben ruinieren den Wirtschaftsverkehr auf dem Rhein, verteuern alle Güter und verringern Zölle und Gefälle der rheinischen Kff. sowie besonders in Kleve und Berg. Hg. Johann Wilhelm von Jülich beklagt Einbußen von mehreren 100 000 Talern. Bitten um Maßnahmen zur Rücknahme der vervielfacht eingeforderten Zölle und Lizenten insbesondere zu Rheinberg, das auf Reichsboden liegt, sowie gegen die Kriegsschiffe, damit die Handelsschifffahrt auf dem Rhein wieder in Gang kommen kann.

Beratung im Supplikationsrat am 30. 6.3mit Beschluss der Resolution (dort gebilligt am 1. 7.4), die im RR am 22. 7.5als Dekret der Reichsstände (kopiert [als Resolution des Supplikationsrats] am 24. 7.) gebilligt wurde6: Da die Beschwerden am besten durch die Beilegung des niederländischen Kriegs zu beheben sind, wird die Supplikation an die Beratung des 2. HA (Landfriede und Niederlande) zur Friedensvermittlung verwiesen.

Anmerkungen

1
 HHStA Wien, MEA RTA 92, fol. 330–332, 335’. Kop. HStA Dresden, GA Loc. 10202/6, fol. 368–370’, 371’. Kop. LAV NRW R, NWKA X/98, fol. 18–20’. Konz. Referiert bei Häberlin XVIII, 331–335; Moser, Reichs-Tags-Geschäfften, 1458 f. Vgl. Bergerhausen, Köln, 243. Zur Vorberatung der Supplikation durch die Kreisstände vgl. Anm. 1 bei Nr. 467.
2
 HHStA Wien, MEA RTA 92, fol. 333–334’. HStA Dresden, GA Loc. 10202/6, fol. 381. Kopp. Druck: Häberlin XVIII, Vorrede IX.
3
 HHStA Wien, MEA RTA 92, Fasz. ‚Protokoll‘, fol. 9 f.
4
 Ebd., fol. 15 (in allgemeiner Form für mehrere Supplikationen). Bestätigt im Dorsv. des Mainzer Konz. für das Dekret.
5
 Kurmainz, unfol.; Kursachsen, fol. 313’.
6
 HHStA Wien, MEA RTA 92, fol. 319, 319’. Konz. HStA Dresden, GA Loc. 10202/6, fol. 380, 385’. HStA München, KÄA 3231, fol. 221. Kopp als Resolution des Supplikationsrats. Referiert bei Häberlin XVIII, 361 f.