Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Zurückweisung der den Hg. und das Haus Lothringen betreffenden Punkte in den protestantischen Gravamina: Kein Einfall des Hg. in die Gft. Mömpelgard, Rechtfertigung des Kriegszugs in das Elsass als Notwehraktion gegen Angriffe aus dem Reich. Zurückweisung der protestantischen Forderungen für Mgf. Johann Georg von Brandenburg als Administrator des Hst. Straßburg: Verstoß gegen den Religionsfrieden und das Herkommen, Unrechtmäßigkeit der Wahl und mangelnde Qualifikation des Mgf. für das geistliche Amt, kein Anspruch auf Session beim RT als geistlicher F. Rechtmäßige Wahl des Kardinals von Lothringen zum Bf. von Straßburg. Bitte an den Ks. um dessen Belehnung. Rechtfertigung des Einzugs zweier Klöster gegen die Ansprüche Mgf. Johann Georgs. Unrechtmäßige Maßnahmen der brandenburgischen Administration im Hst. Kein Anspruch der Stadt Straßburg auf Gefälle der exterritorialen geistlichen Institutionen.
Übergeben und im Ausschuss der katholischen Stände vorgelegt1 am 15. 7. 1594. Von den katholischen Reichsständen kopiert am 20. 7. Der Kurpfälzer Kanzlei als Beilage zum Gegenbericht der katholischen Stände zusammen mit der Duplik des Ks.2 übergeben am 16. 8. In der Versammlung der protestantischen Stände bei Kurpfalz verlesen am 17. 8.3
HHStA Wien, RK RTA 65 Fasz. 2, fol. 55–62’ (Kop. Überschr.:Ablainung unnd bericht uber den 14. § der augspurgischen confession stendt ubergebene gravaminum. Dorsv.:Lottringische ablainung und bericht uber den 14. § der augspurgischen confession stendt ubergebnen gravaminum. C. Praesentatum Ratisbonae in coenobio praedicatorum den 15. Julii anno 94.) = Textvorlage. HStA München, KÄA 3231, fol. 41–48’ (Kop. Überschr. wie in Textvorlage. Schlussvermerk:Praesentatum den 15. Julii anno 94.) = B. HHStA Wien, MEA Religionssachen 7 Fasz. 2, fol. 144–151’ (Kop. Überschr. wie in Textvorlage. Dorsv.:Lottringische gravamina. C. Lectum Regenspurgkh, den 20. Julii anno 1594.) = C. GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Ww, fol. 1024–1032’ (Kop.).
Zugleich Beilage C zur Gegenerklärung der katholischen zu den Gravamina der protestantischen Stände [Nr. 417].
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Sovil dann die angeregte beschedigung anderer herrschafften belangt, da ist nit ohne, das in anno 89 hochgedachtera hertzog mit einem ansehenlichen kriegsvolckh ins Elsäß geruckht7, und solches nit ohne schaden der einwohner abgangen. Wann man sich aber dabey erinnert, welchermassen im 87. jahr zuvor hochge- /
Welchermassen nun volgents in anno 91 der hertzog von Lottringen abermals durch dz f. anhaltische kriegs volckh mit brandt, raub, nahm, plinderung, rantzionieren der armen underthanen unnd aller hostiliteten, so immer zuerdenckhen sein mag, feintlich angegriffen worden12, solches ist mer als zuvil am tag. Dannenher, weil ir Dlt. dem Reich verwant und zuegethan seindt, auch in gemainen Reichs contributionen mit heben und legen ja nit mit einer geringen, sonder einer ansehenlichen quota dem Reich zu steur kommen und hergegen in schutz und schirmb des Reichs sein, auch desselben hoch verpendten landtfridens mit geniessen sollen, in crafft unnd nach außweisung sonderbarer deßwegen aufgerichteter compactaten unnd verträg13, so haben ire Dlt. sich vil mehr ob dem /
Es hat auch das haus Lottringen solche feindtliche persecution umb das Reich und desselbigen stendt nit verdienet, sonder sich zu hertzog Carl von Burgundt zeitten auch mit verlust aller seiner landt und leüthen14, so dan im baurn krieg gegen das Reich und dessen stendt also erzaigt15 und mit demselben zuegehalten, das es sich hingegen vil mehr aller nachbarlicher rettung, hilf unnd beistandts zuerfreüen unnd zugetrösten haben, als mit solcher unnachbarschafft unnd feindlichem aufsatz gemaint werden solte.
So würdt auch nochmalen in kainen zweifel gestelt, da so woll das hauß Lottringen als andere potentaten, so man für außlendische achten will, dem Reich aber mit verwandtnus zuegethan seint unnd sich desselben aufnemen und wolfart zum /
Was dann bey disem puncten von wegen des vermainten administratorn zu Straßburg, marggrave Johans Georgen zu Brandenburg, angeregt, gesuecht unnd begert wurd16, solches ist den gaist- unnd weltlichen rechten, dem hochbeteürten religions friden, des Heiligen Römischen Reichs wie auch des stiffts Straßburg wissentlichem alten herkomen stracks zuwider. Unnd ob wol dise ding, so an sich selbstenc notori, clar unnd offenbar, weiter außzufüren nit bedörffen, so kan man doch nit underlassen, dise kurtze erinnerung zuthun, das der stifft Straßburg unnd dessen yheweils vor unnd nach aufgerichtem religion friden geweßene bischoffen bis auf den lesten[!] verstorbnen, weilandt bischoffen Johann17, hochseliger gedechtnus, ein geistlicher, der catholischen altten religion zuegethaner standt des Reichs gewesen, sich von demselben corpore nie abgesondert, sonder alzeit steiff darbei gehalten unnd mit demselben überaingestimpt. /
Sintemal nun der von Brandenburg nit allain kain geistliche person, auch zu der bischoflichen straßburgischen dignitet nit vone geistlichen, sonder etlich wenig personen, die ires geistlichen standts und würdens privirt unnd entsetzt, darunder auch der fürnembst, weill er für kain geistliche person mer geachtet, sonder von seinem[!] geistlichen ertzbischofflichen würden removiert, so wol von geist- als weltlichen churfürsten aus irem kfl. collegio in chrafft des religion fridens außgeschlossen worden, vermaintlich postulirt unnd aufgeworffen19:
Als hat er in crafft solcher so woll yetzt angeregter als anderer kundtlichen defecten halber mangelhafften, ja gantz nichtigen postulation, sich der bischoflichen dignitet unnd daher eineß geistlichen /
So khann man nit sehen, mit was fuegen demselben die belehnung der regalien des stiffts abgeschlagen oder ire hochf. Gn. damit so lang aufgehalten werden sollen. Und wurde zwar dem gaist- /
Derwegen dann ir ksl. Mt. underthenigst zubithen, das sie dise so merckliche im stifft Straßburgkh fürlauffende und consequenter allen gaistlichen stenden zum praeiudicio gereichende beschwernus einest zu kaiserlichem gemüet ziechen, dem betrangten ordenlichen domb capitl sambt irem ordentlichen confirmirten und bestettigten bischoffen, dem herrn cardinal zu Lottringen, dero kaiserliche protection widerfahrn lassen, die regalia /
Dabei ir ksl. Mt. diß ohnangemeldt nit kan gelassen werden, das hochgedachter herr cardinal nit der erst fürst aus Lottringen, so bey dem stifft Straß- burgkh einkomen, sonder in ordine episcoporum argentinensium noch zwen lottringische fürsten befunden werden, so bischoffen gewesen unnd dem stifft billich unnd wol vorgestanden22. Derwegen ir hochf. Gn. umb sovil weniger für ein außlendischen fürsten, sonder vil mehr darfür zuachten, das sein hochf. Gn. als ain nacher benachtbarter umb sovil besser dem stifft vorstehen und demselben mit notwendiger hilf unnd rettung beyspringen khöndt.
Dz dann ferner bei disem punct mer hochgedachtes herrn cardinals officier und bevelchhaber beschuldigt werden, das sie mit einziehung und versperung zwayer dem von Brandenburg assignirten clösster, Hohenburgk unnd Nidermünster, wie auch derselben und anderer gefäll etc. zu neuer landts verderbung ursach geben23: In dem fall geschicht inen nit allain ungüetlich, sonder es werden auch ire Mt. der sachen zu /
Dieweil dann solche clöster res separatae seindt von des stiffts Straßburg zuegehör, gefell unnd einkomen, darüber ir Mt. commissarien nichts zu disponiren, vil weniger ire hochf. Gn. macht gehapt, darein zuverwilligen, das sie /
Neben disem dem ordenlichem thumbcapitl die erstainische gefell zu Gaispitzen, grave Eberhardten von Manderscheidt die thomb custerey gefell zu Wicherßheim zum thurn, dem chor hoher stifft ire gefell zue Renchen alles wider die austruckliche straßpurgische abredt und vergleichung von Brandenburg und dessen vermainten capittularn gespert und vorgehalten31. Erst neulich ein burger von Moltzhaim32 auf offner strassen gefencklich angriffen und nach Dachstein geschleptk. Geschweigen yetzundt, wie die ordens personen und andere gaistliche wider ihr conscienz unnd gewissen wollen gezwungen werden, Brandenburgk für iren bischoffen unnd ordinarium zuerkhennen.
Alß haben ir ksl. Mt. aus disem und anderm dergleichen vil mehr, so täglichs fürgenommen und attentiert wurd, allergnedigist abzunemen, wer die jhenigen seyen, so zue unruehe und neuer landts verderbung durst haben und darzue mehr als überflüssige ursach unnd anlaß geben. Welchem ir Mt. mit notwendigem einsehen /
Vernner, das sie zu endt des 16. § umb abschaffung der auf anhalten des provincial cartheüser ordens gesperter cartheüser gefell sonderlich gegen Lottringen angerueffen und gepethen33 würd[!], darüber wird von wegen Lottringen der bericht gegeben, das nit ohne, ir hochf. Gn., der herr cardinal zu Lottringen als bischoff zu Straßpurgk, uff des provincial cartheüser ordens rechtlichs anrueffen, berürte in dero anbevolchnen bistumb fallende renten, zinß unnd einkomen in die statt Straßpurgkh zu liffern, verpothen34. Dann weil einmahl solche gefell nit auf die statt, sonder das cartheüser gottshaus unnd die darinnen den gotsdienst abwarttende personen fundiert und gewidmet seindt, aber berürt gotshauß von der statt Straßpurgk nit allain schändlich ruiniert, geschlaifft unnd eingerissen, sonder auch keine ordens personen weder selbigen orts noch in der statt mer verhanden, so könden ir hochf. Gn. weder bei sich noch sonsten in kainem geist- oder weltlichen /
[Ohne Unterzeichnung].