Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Zurückweisung der den Hg. und das Haus Lothringen betreffenden Punkte in den protestantischen Gravamina: Kein Einfall des Hg. in die Gft. Mömpelgard, Rechtfertigung des Kriegszugs in das Elsass als Notwehraktion gegen Angriffe aus dem Reich. Zurückweisung der protestantischen Forderungen für Mgf. Johann Georg von Brandenburg als Administrator des Hst. Straßburg: Verstoß gegen den Religionsfrieden und das Herkommen, Unrechtmäßigkeit der Wahl und mangelnde Qualifikation des Mgf. für das geistliche Amt, kein Anspruch auf Session beim RT als geistlicher F. Rechtmäßige Wahl des Kardinals von Lothringen zum Bf. von Straßburg. Bitte an den Ks. um dessen Belehnung. Rechtfertigung des Einzugs zweier Klöster gegen die Ansprüche Mgf. Johann Georgs. Unrechtmäßige Maßnahmen der brandenburgischen Administration im Hst. Kein Anspruch der Stadt Straßburg auf Gefälle der exterritorialen geistlichen Institutionen.

Übergeben und im Ausschuss der katholischen Stände vorgelegt1 am 15. 7. 1594. Von den katholischen Reichsständen kopiert am 20. 7. Der Kurpfälzer Kanzlei als Beilage zum Gegenbericht der katholischen Stände zusammen mit der Duplik des Ks.2 übergeben am 16. 8. In der Versammlung der protestantischen Stände bei Kurpfalz verlesen am 17. 8.3

HHStA Wien, RK RTA 65 Fasz. 2, fol. 55–62’ (Kop. Überschr.:Ablainung unnd bericht uber den 14. § der augspurgischen confession stendt ubergebene gravaminum. Dorsv.:Lottringische ablainung und bericht uber den 14. § der augspurgischen confession stendt ubergebnen gravaminum. C. Praesentatum Ratisbonae in coenobio praedicatorum den 15. Julii anno 94.) = Textvorlage. HStA München, KÄA 3231, fol. 41–48’ (Kop. Überschr. wie in Textvorlage. Schlussvermerk:Praesentatum den 15. Julii anno 94.) = B. HHStA Wien, MEA Religionssachen 7 Fasz. 2, fol. 144–151’ (Kop. Überschr. wie in Textvorlage. Dorsv.:Lottringische gravamina. C. Lectum Regenspurgkh, den 20. Julii anno 1594.) = C. GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Ww, fol. 1024–1032’ (Kop.).

Zugleich Beilage C zur Gegenerklärung der katholischen zu den Gravamina der protestantischen Stände [Nr. 417].

/55/ Zum 14. Punkt der protestantischen Gravamina, betreffend den lothringischen Einfall in die Gft. Mömpelgard und andere Hftt.4, gibt man den warhafften, bestendigen bericht, das kaines weegs aus bevelch, gehaiß oder anstifftung des hertzogen von Lottringen, sonder von weilandt dem hertzogen von Guiß mit seinem undergehaptem kriegs volckh solcher außfal beschehen5. Darumb dan derselbig hochgedachtem hertzogen zu Lottringen ungüetlich und wider die geschicht zuegemessen wurd; hat auch die derwegen von der ksl. Mt., unserm allergnedigisten herrn, verordnete commissiones6 niemals eludiert, sonder yederzeit die seinigen darzue deputiert unnd sich solcher ungüetlicher zuelag dermassen purgiern und entschuldigen lassen, das ire Dlt., ichtes (daran sie kein schuldt und dessen sie mit bestandt nit könden uberzeugt werden) abzubringen, billich verbleiben solte.

Sovil dann die angeregte beschedigung anderer herrschafften belangt, da ist nit ohne, das in anno 89 hochgedachtera hertzog mit einem ansehenlichen kriegsvolckh ins Elsäß geruckht7, und solches nit ohne schaden der einwohner abgangen. Wann man sich aber dabey erinnert, welchermassen im 87. jahr zuvor hochge- /55’/ dachter hertzog zu Lottringen durch dz teutsche kriegsvolckh, so der von Thonau in Franckreich gefürt, ohn ainige gegebne ursach feindlich angegriffen, sein landt und leuth jämerlich verbrendt, verderbt und verhergt, ja mehr als türggisch unnd barbarisch darinen gehauset worden, inmassen die vestigia und warzaichen solcher geüebter tyranney noch vor augen, welch kriegsvolckh sich im Elsäß versamblet, daselbsten mit geschütz, proviant, munition, gelt unnd aller notturfft von etlichen stenden und stetten, so augspurgischer confession zugethan seindt, ausstaffiert und strackh hochgedachtem hertzogen uff den halß geschickt worden8. So dann in anno 89 ein ebenmessiger feindlicher uberzug hochgedachts hertzogen vorhanden gewesen, der im Elsäß abermals ins werckh gerichtet und den von Dommarthin9 und andern, so teutsche reütter und fueßvolckh gefüert, darzue alle möglichste befürderung von etlichen desselben stenden geschehen und erzaigt worden: Als ist, solchem zufürkomen und zubegegnen, merhochgedachter hertzog von Lottringen nit unpillig verursacht worden, seinem feindt entgegen zu ziechen10. Und haben sich die durch solchen ausfahl beschedigte stendt nit sovil ob hochgedachtem her- /56/ zogen als den jhenigen confessionisten zubeclagen, so dises unnd des vorgangnen im Elsäß angestelter musterplätz unnd einlagerung ein ursach, solche gest11 dahin geladenb und sie mit aller notturfft zu außtilgung des f. hauß Lottringen (wie das vornemmen und intent, wo es gelingen mögen, gewesen sein solle) versehen. Dan wo solches verpliben, wurde auch der ausfahl von Lottringen nit beschehen unnd die angezogne beschedigung nit ervolgt sein.

Welchermassen nun volgents in anno 91 der hertzog von Lottringen abermals durch dz f. anhaltische kriegs volckh mit brandt, raub, nahm, plinderung, rantzionieren der armen underthanen unnd aller hostiliteten, so immer zuerdenckhen sein mag, feintlich angegriffen worden12, solches ist mer als zuvil am tag. Dannenher, weil ir Dlt. dem Reich verwant und zuegethan seindt, auch in gemainen Reichs contributionen mit heben und legen ja nit mit einer geringen, sonder einer ansehenlichen quota dem Reich zu steur kommen und hergegen in schutz und schirmb des Reichs sein, auch desselben hoch verpendten landtfridens mit geniessen sollen, in crafft unnd nach außweisung sonderbarer deßwegen aufgerichteter compactaten unnd verträg13, so haben ire Dlt. sich vil mehr ob dem /56’/ Reich unnd desselbigen angehörigen confessions verwanten und stenden zubeschweren und zubeclagen, dz sie obberürter massen wider des Reichs constitutiones unnd dem gemainen landtfridten, auch yetzt angezogne mit dem Reich habente[!] verträg ohne ainige gegebne ursachen feindlichen angegriffen unnd verfolgt worden, als das derselben mit bestendigem grundt köndt zuegemessen werden, das sie ainigen standt des Reichs vorsetzlicher weiß offensive belaidigt.

Es hat auch das haus Lottringen solche feindtliche persecution umb das Reich und desselbigen stendt nit verdienet, sonder sich zu hertzog Carl von Burgundt zeitten auch mit verlust aller seiner landt und leüthen14, so dan im baurn krieg gegen das Reich und dessen stendt also erzaigt15 und mit demselben zuegehalten, das es sich hingegen vil mehr aller nachbarlicher rettung, hilf unnd beistandts zuerfreüen unnd zugetrösten haben, als mit solcher unnachbarschafft unnd feindlichem aufsatz gemaint werden solte.

So würdt auch nochmalen in kainen zweifel gestelt, da so woll das hauß Lottringen als andere potentaten, so man für außlendische achten will, dem Reich aber mit verwandtnus zuegethan seint unnd sich desselben aufnemen und wolfart zum /57/ höchsten angelegen sein lassen, von des Reichs angehörigen ohn irritirt unnd ohnangefochten gelassen wurden, das man sich hergegen von demselben nichts feindlichs zubefahrn, sondern der mit inen habenden verwandtnus in vil weeg ersprießlich zuegeniessen haben wurde.

Was dann bey disem puncten von wegen des vermainten administratorn zu Straßburg, marggrave Johans Georgen zu Brandenburg, angeregt, gesuecht unnd begert wurd16, solches ist den gaist- unnd weltlichen rechten, dem hochbeteürten religions friden, des Heiligen Römischen Reichs wie auch des stiffts Straßburg wissentlichem alten herkomen stracks zuwider. Unnd ob wol dise ding, so an sich selbstenc notori, clar unnd offenbar, weiter außzufüren nit bedörffen, so kan man doch nit underlassen, dise kurtze erinnerung zuthun, das der stifft Straßburg unnd dessen yheweils vor unnd nach aufgerichtem religion friden geweßene bischoffen bis auf den lesten[!] verstorbnen, weilandt bischoffen Johann17, hochseliger gedechtnus, ein geistlicher, der catholischen altten religion zuegethaner standt des Reichs gewesen, sich von demselben corpore nie abgesondert, sonder alzeit steiff darbei gehalten unnd mit demselben überaingestimpt. /57’/ So seindt vors ander alle die geweßne bischoffen zu Straßburg, so lang derselbig stifft gestanden, iuxta praescriptum canonum eligirt unnd nach beschehner election die päbstliche Heiligkait von gemainem dhombcapitl diemüetigist ersuecht worden, solche election zu confirmirn; inmassen hiebeiligent zusehen18, was bei der election des lest verstorbenen bischof Johansen für ein proceß, form unnd modus observirt unnd gehalten worden und in dem fall das stifftd Straßburgk herkomen seye.

Sintemal nun der von Brandenburg nit allain kain geistliche person, auch zu der bischoflichen straßburgischen dignitet nit vone geistlichen, sonder etlich wenig personen, die ires geistlichen standts und würdens privirt unnd entsetzt, darunder auch der fürnembst, weill er für kain geistliche person mer geachtet, sonder von seinem[!] geistlichen ertzbischofflichen würden removiert, so wol von geist- als weltlichen churfürsten aus irem kfl. collegio in chrafft des religion fridens außgeschlossen worden, vermaintlich postulirt unnd aufgeworffen19:

Als hat er in crafft solcher so woll yetzt angeregter als anderer kundtlichen defecten halber mangelhafften, ja gantz nichtigen postulation, sich der bischoflichen dignitet unnd daher eineß geistlichen /58/ standts session unnd voti in dem loblichen Reichs rath anzumassen, weder recht noch fueg20, man wölle dann in zuelassung desselben alle recht, dem religion friden, des Reichs und stiffts Straßburg ohnfürdenckliche herkomen zumahl uber ein hauffen stossen unnd den gaistlichen standt gar verdruckhen. Welches den vilfeltigen widerholten hohen beteürungen nit gemeß, und sich zu den fridtliebenden chur-, fürsten und stenden augspurgerischer confession eines bessern in alweg versehen wurdt. Dieweil aber dannocht hergegen der herr cardinal zu Lottringen von dem jenigen capitl, so von baiden hochsten obrigkaiten für dz rechte, ordentliche capitl yederzeit erkant und erhalten, dem auchf nach absterben bischoff Johansen die verwalttung des stiffts biß zur wahl eines andern haupts allergnedigst anbevolchen worden, darauf zum bischoffen berürter stifft canonice unnd legitime elegirt, auch vonn päbstlicher Heiligkeit des stiffts altem, ohnfürdenckhlichen herkomen nach confirmirt unnd bestettigt worden21:

So khann man nit sehen, mit was fuegen demselben die belehnung der regalien des stiffts abgeschlagen oder ire hochf. Gn. damit so lang aufgehalten werden sollen. Und wurde zwar dem gaist- /58’/ lichem standt zue höchstem praeiudicio, nachtail unnd beschwernus geraichen, da man die sachen so weit wurde komen lassen, wan nach dem straspurgischen exempel bey eim oder anderm stifft etlich wenig personen sich zusamen schlageng, an die alten observationes, consuetudines, gebreüch unnd herkomen nit mehr astringirt sein wollen und zu durchdringung desselben ansehenliche fürsten augspurgischen[!] confession an sich henckhen und dieselbige zu bischoffen unnd prelaten de facto aufwerffen, dz von derentwegen die ordenliche capitula bey iren rechten und gerechtigkaiten nit sollen defendirt unnd gehandthabt, sonder sovil als rechtloß gestelt unnd gelassen werden.

Derwegen dann ir ksl. Mt. underthenigst zubithen, das sie dise so merckliche im stifft Straßburgkh fürlauffende und consequenter allen gaistlichen stenden zum praeiudicio gereichende beschwernus einest zu kaiserlichem gemüet ziechen, dem betrangten ordenlichen domb capitl sambt irem ordentlichen confirmirten und bestettigten bischoffen, dem herrn cardinal zu Lottringen, dero kaiserliche protection widerfahrn lassen, die regalia /59/ lenger nit vorhalten unnd hergegen den von Brandenburgk sambt seinem anhang von irem offenbaren unfueg mit ernst abweisen.

Dabei ir ksl. Mt. diß ohnangemeldt nit kan gelassen werden, das hochgedachter herr cardinal nit der erst fürst aus Lottringen, so bey dem stifft Straß- burgkh einkomen, sonder in ordine episcoporum argentinensium noch zwen lottringische fürsten befunden werden, so bischoffen gewesen unnd dem stifft billich unnd wol vorgestanden22. Derwegen ir hochf. Gn. umb sovil weniger für ein außlendischen fürsten, sonder vil mehr darfür zuachten, das sein hochf. Gn. als ain nacher benachtbarter umb sovil besser dem stifft vorstehen und demselben mit notwendiger hilf unnd rettung beyspringen khöndt.

Dz dann ferner bei disem punct mer hochgedachtes herrn cardinals officier und bevelchhaber beschuldigt werden, das sie mit einziehung und versperung zwayer dem von Brandenburg assignirten clösster, Hohenburgk unnd Nidermünster, wie auch derselben und anderer gefäll etc. zu neuer landts verderbung ursach geben23: In dem fall geschicht inen nit allain ungüetlich, sonder es werden auch ire Mt. der sachen zu /59’/ milt berichtet, dann was zuvorderist mit einziehung berürter clösster unnd deren gefellen biß dahero vorgangen, das haben ir hochf. Gn. officier unnd bevelchhaber nit für sich selbst, sonder aus gehaptem außtruckhlichem bevelch ires gnedigsten herrn vorgenommen. Die clösster an sich selbst betreffent: Seindt dieselbige dem stifft Straßburgk nie incorporirt oder annectiret gewesen, sonder deren administration erstlich weilandt bischoff Erasmo24, volgendt bischoff Johann25 mit sonderbaren conditionen von pabstlicher Hlt. anbevolchen unnd ubergeben worden. Dannenhero dieselbige in dero zu Straßpurgkh von irer ksl. Mt. commissarien gemachten assignation des stiffts ampter unnd gefell darunter mit nichten begriffen26, wie auch deren in der gantzen tractation weder mündlich noch schrifftlich nie kain meldung beschehen; dessen die commissarii selbsten zeugnus geben.

Dieweil dann solche clöster res separatae seindt von des stiffts Straßburg zuegehör, gefell unnd einkomen, darüber ir Mt. commissarien nichts zu disponiren, vil weniger ire hochf. Gn. macht gehapt, darein zuverwilligen, das sie /60/ dem von Brandenburgk solten assignirt werden, inmassen auch kaines weegs beschehen: Aber dessen alles ungeachtet die brandenburgische soldaten derselben clösster gefell aus der herrschafft Barr bei nacht unnd nebel entfüret, denn weitzi,27, so zue Roßheim im arresst gelegen, bey nacht heimlicher weiß mit butten aus dem hauß, darin er gelegen, entragen, darüber man auch die brandenburgische ergriffen; dem ordenlichen schaffner baider clöster, Veldtin Arzheim, umb deßwillen, das er seine aydt unnd pflicht nit in vergeß stellen unnd sich auf die brandenburgische seithen schlagen wollen, seine in Dachsteiner ampt gelegne güetter verarrestiret, gespert, die fernderigste28 jahrs eingemachte früchten mit gewalt abgeholt29. Des einen closters angehöriger schuldtheiß zu Ottenrodt30 allain der ursachen, das er Brandenburgk nit schweren wöllen, ohnlangst vor tags in seinem aignen hauß und da er noch in der ruhe gelegen, uberfallen, gefencklich angegriffen, auf ain pferdt gebunden und nacher Dachstein gefürt, auch daselbsten in harte gefencknus geworffen. Deßgleichen obgedachtem schaffner baider clöster /60’/ unnd andern mehr von dem brandenburgischen getrouenj [!] worden.

Neben disem dem ordenlichem thumbcapitl die erstainische gefell zu Gaispitzen, grave Eberhardten von Manderscheidt die thomb custerey gefell zu Wicherßheim zum thurn, dem chor hoher stifft ire gefell zue Renchen alles wider die austruckliche straßpurgische abredt und vergleichung von Brandenburg und dessen vermainten capittularn gespert und vorgehalten31. Erst neulich ein burger von Moltzhaim32 auf offner strassen gefencklich angriffen und nach Dachstein geschleptk. Geschweigen yetzundt, wie die ordens personen und andere gaistliche wider ihr conscienz unnd gewissen wollen gezwungen werden, Brandenburgk für iren bischoffen unnd ordinarium zuerkhennen.

Alß haben ir ksl. Mt. aus disem und anderm dergleichen vil mehr, so täglichs fürgenommen und attentiert wurd, allergnedigist abzunemen, wer die jhenigen seyen, so zue unruehe und neuer landts verderbung durst haben und darzue mehr als überflüssige ursach unnd anlaß geben. Welchem ir Mt. mit notwendigem einsehen /61/ zu erhaltung fridt, ruehe unnd ainigkait zeitlich fürzukommen wissen unnd auch darumb underthenigist gepetten werden.

Vernner, das sie zu endt des 16. § umb abschaffung der auf anhalten des provincial cartheüser ordens gesperter cartheüser gefell sonderlich gegen Lottringen angerueffen und gepethen33 würd[!], darüber wird von wegen Lottringen der bericht gegeben, das nit ohne, ir hochf. Gn., der herr cardinal zu Lottringen als bischoff zu Straßpurgk, uff des provincial cartheüser ordens rechtlichs anrueffen, berürte in dero anbevolchnen bistumb fallende renten, zinß unnd einkomen in die statt Straßpurgkh zu liffern, verpothen34. Dann weil einmahl solche gefell nit auf die statt, sonder das cartheüser gottshaus unnd die darinnen den gotsdienst abwarttende personen fundiert und gewidmet seindt, aber berürt gotshauß von der statt Straßpurgk nit allain schändlich ruiniert, geschlaifft unnd eingerissen, sonder auch keine ordens personen weder selbigen orts noch in der statt mer verhanden, so könden ir hochf. Gn. weder bei sich noch sonsten in kainem geist- oder weltlichen /61’/ rechten, vilweniger aus des Heiligen Reichs abschieden befinden, das gemelte statt Straßpurck zu solchen gefällen unnd einkomen berechtigt; es were dann, daß die statt Straspurgk ein besonders, iuri gentium unnd der natürlichen pilligkait wideriges privilegium heten, das sie einem andern das seinig impune nemen und einziehen dörfften, unnd darumb, kain red undl antwort zugeben, schuldig und verbundenm sein solten. Dieweil aber solches weder natürlich noch christlich, sonder aller erbarkait zuwider, unnd da dergleichen unpilligkait im Reich solte gestattet werden, dasselbig der almechtig Gott als einn gerechter richter nit wurde ungestrafft hinngehn lassen, so versehen sich ire hochf. Gn., es werde obangeregtes der statt Straßpurgk ohnbefuegtes, wider rechtliches suechen gentzlichen explodiert und verworffen unnd hergegen von irer ksl. Mt. als obristem schutz- unnd schirmherrn der christlichen gotseeligen fundationen so wol dem cartheüser- als prediger orden unnd andern die kaiserliche hilf erzaigen, das sie zu iren erst neulich inen abgetrungenen und thails devastirten clösster unnd gottheüsern wider kommen, den /62/ waren gotsdienst ohnverhindert darinnen verrichten, auch irer geföll, rendten unnd einkommen ruhwig geniessen mögen unnd deren nit de facto (wie es die statt Straßpurgk vorhabens und wie mit vilen also vor jahren umbgangen) spoliert und entsetzt werden.

[Ohne Unterzeichnung].

Anmerkungen

1
 Kurmainz B, fol. 68 [Nr. 237, Abschnitt A].
2
 Nr. 406.
3
 Nr. 224.
4
 Nr. 390, dort als Punkt 13.
5
 Vgl. Anm. 58 bei Nr. 390.
6
 Zur Anordnung der Kommission und deren Verlauf vgl. Anm. 59 bei Nr. 390.
a
 hochgedachter] In B: obgedachter. C wie Textvorlage.
7
 Vgl. Anm. 10.
8
 Kriegszug eines von Pfgf. Johann Casimir gesammelten Söldnerheers (30 000 Mann) unter der Führung des Fabian von Dohna im Jahr 1587 zur Unterstützung Heinrichs von Navarra, das zwei Monate im Elsass lagerte und im August Lothringen durchquerte; später Niederlage gegen Hg. Heinrich von Guise. Vgl. Beiderbeck, Heinrich IV. [I], 27–32, bes. 29 f.; Beiderbeck, Religionskrieg, 92–103; Krollmann, Selbstbiographie, 106–115; Meister, Kapitelstreit, 241–249.
9
 François de Dommartin, Reiteroberst (Tuetey, Allemands I, 146 mit Anm. 2, 149, 332).
10
 Zug Hg. Karls III. von Lothringen ins Elsass im Dezember 1589 gegen die dort versammelten protestantischen Truppen: Mohr, Geschichte IV, 238 f.; Beiderbeck, Religionskrieg, 128 f., 296; Meister, Kapitelstreit, 347–349.
11
 = ‚Gäste‘.
b
 geladen] In B: zuladen. C wie Textvorlage.
12
 Kriegszug eines deutschen Söldnerheers unter F. Christian von Anhalt 1591 zur Unterstützung Heinrichs von Navarra. Die Einheiten zogen im August 1591 auf ihrem Anmarsch durch Lothringen. Auch beim Rückzug 1592 kam es im Zusammenhang mit dem Straßburger Kapitelstreit zu Auseinandersetzungen mit Hg. Karl III. (Beiderbeck, Religionskrieg, 131–143, bes. 140 f., 247; Press, Fürst, 196–198; Ritter, Gründung, 20–24).
13
 Bezugnahme auf den Nürnberger Vertrag 1542 (Fitte, Verhältnis, 27–30; Mohr, Geschichte IV, 162–164).
14
 Wohl Bezugnahme auf Hg. Karl I., den Kühnen (1433–1477), und die Burgunderkriege 1474–1477 (Pesendorfer, Lothringen, 80–86).
15
 Eingreifen Hg. Antons II. von Lothringen im Elsass 1525 gegen die aufständischen Bauern (Mohr, Geschichte IV, 145 f.; Pesendorfer, Lothringen, 98).
16
 = in den protestantischen Gravamina [Nr. 390], Punkt 13 [nachdem der administrator deß hohen …].
c
 sich selbsten] In B: im selbs. C wie Textvorlage.
17
 Bf. Johann IV. von Manderscheid-Blankenheim, Bf. 1569–1592 (NDBXVI, 14 f.; Lit.).
18
 Dazu in Nachweis B (fol. 44) als Randvermerk: Die Beilage wurde bei der Abschrift nicht diktiert.
d
 das stifft] In B, C: des stiffts.
e
 von] In B: von den. C wie Textvorlage.
19
 Bezugnahme auf die Teilnahme der während des Kölner Kriegs gebannten und exkommunizierten Kölner Kapitulare, darunter der abgesetzte Kf. Gebhard Truchsess, als Mitglieder des im Kapitelstreit gespaltenen Straßburger Domkapitels an der Wahl Administrator Johann Georgs 1592. Vgl. Anm. 6 bei Nr. 354.
20
 In der Textvorlage am Rand als Kommentar: Nota bene: Contra der lutherischen bischoff angemaste session und voti beim reichstag.
f
 dem auch] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: dann auch.
21
 Verwaltung des Hst. nach dem Tod Bf. Johanns IV. (2. 5. 1592) im Kapitelstreit durch das katholische Kapitel und Wahl Kardinal Karls von Lothringen zum Bf. durch dessen Mitglieder. Vgl. Anm. 6 bei Nr. 354.
g
 sich zusamen schlagen] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
h
 Straßburgk] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
22
 Die Bezugnahme konnte nicht geklärt werden. Erwähnt wird Bf. Richwin (ca. 912–933) als Lothringer (ADBXXVIII, 501 f.; NDBXXI, 546).
23
 Bezugnahme auf die protestantischen Gravamina [Nr. 390], Punkt 13 [auch bey dem gegenthaill …].
24
 Bf. Erasmus Schenk von Limpurg, Bf. 1541–1568 (NDBIV, 554; Lit.).
25
 Bf. Johann IV. von Manderscheid (vgl. Anm. 17).
26
 Zum Streit um die Einkünfte der Klöster Hohenburg und Niedermünster bei den Nachverhandlungen zum Pazifikationsabschied vom 27. 2. 1593 mit obigen Argumenten vgl. Anm. 62 bei Nr. 390. Im Abschied (vgl. Einleitung, Kap. 3.5.2 mit Anm. 485) werden sie nicht erwähnt, sondern lediglich das Administrator Johann Georg zugesprochene Amt Dachstein, dem er beide Klöster zuordnete. Dagegen berief sich Kardinal Karl bei den Nachverhandlungen zum Abschied sowie vor der ksl. Kommission ab April 1593 auf deren vom Hst. exemten Status (Widmaier, Prechter, 11–25).
i
 weitz] In B: wein. C wie Textvorlage.
27
= Weizen.
28
 = vorjährig.
29
 Der Zwischenabschied der ksl. Kommission im Bischofskonflikt vom 13. 4. 1593 (Speyer) (vgl. Einleitung, Kap. 3.5.2 mit Anm. 488) untersagte beiden Parteien jegliche Tätlichkeiten namentlich im Hinblick auf die Einkünfte beider Klöster. Unter Verstoß dagegen annektierte Administrator Johann Georg den Klosterhof zu Rosheim, in dem die Gefälle von Niedermünster untergebracht waren. Den Hof des Klosters Hohenburg in Oberehnheim verteidigte der Schaffner des Kardinals, Valentin Arzt (Widmaier, Prechter, 14 f.).
30
 = Ottrott (Amt Dachstein), Kanton Molsheim, Département Bas-Rhin.
j
 getrouen] In B: getroet.In C: getrawen.
31
 Das Amt Erstein teilte der Straßburger Abschied vom 27. 2. 1593 (vgl. Einleitung, Kap. 3.5.2 mit Anm. 485) bis zur Klärung dem katholischen Teil des Domkapitels zu. Hier Bezugnahme auf die Ersteiner Gefälle in Geispolsheim, das im Abschied ansonsten den protestantischen Kapitularen zugesprochen wurde. Weyersheim zum Turm ging im Abschied zur Hälfte an Administrator Johann Georg, die andere Hälfte verblieb wohl bei Gf. Eberhard von Manderscheid, Mitglied des katholischen Domkapitels, als vorherigem Empfänger der Gefälle (Meister, Kapitelstreit, 411, 418, Anm. 49; dort als „Wiwersheim“). Renchen (rechtsrheinisch) und die dortigen Gefälle des „Hohen Chors“ (Meister, Kapitelstreit, 294) werden im Abschied nicht angesprochen.
32
 = Molsheim.
k
 geschlept] In B: geschlaipfft. C wie Textvorlage.
33
 Bezugnahme auf die protestantischen Gravamina [Nr. 390], Punkt 15 [Nichts desto weniger aber …].
34
 Vgl. Anm. 79 bei Nr. 390 und Anm. 10 bei Nr. 419.
l
 und] In B: noch. C wie Textvorlage.
m
 verbunden] In B: verbotten. C wie Textvorlage.