Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

1. HA (Türkenhilfe): Gemeinsamer Beschluss von KR und FR zur Hauptforderung sowie geteilte Beschlussfassung zur Nebenproposition des Ks. Resolution des SR.

/87’ f./ (Vormittag, 9 Uhr) Reichsrat, versammelt im Sitzungssaal des FR.

/88/ Mainzer Kanzler verliest den gemeinsamen Beschluss von KR und FR zum 1. HA (Türkenhilfe) vor SR, ader inhaltlich der am Vortag vorgetragenen Resolution des KR entspricht–a,1. /88’/ Erwarten dazu die Stellungnahme des SR.

Beschlussfassung von KR und FR zur Nebenproposition des Ks.: Es habe die ksl. Mt. vor sich zubedencken, wie sie bis zu der stende freiwilligen contribution eine summa geldts auffbringen und alßdann dieselbe wieder ablegen mögen. FR ist zwar gestrigs tages der meinung gewesen, das man irer Mt. eine namhaffte summa, alß 500 000 fl., furschlagen solle, baber doch endtlich bei obangeregtem bedencken und das der ksl. Mt. keine gewiße summa namhafftig zumachen, gelaßen worden–b.

/89/ Resolution des SR, vorgetragen vom Syndikus der Stadt Regensburg: Haben den 1. HA ebenfalls beraten und erklären dazu2, das die ksl. Mt. in jetziger ihre noth nicht zu[ver]laßen, sonndern die begehrte hulff an gelde und uf den römertzug gerichtet geschehen solle. Wie hoch aber, wollen sie uf zuvorn geschehene designation, was an den alten contributionen noch aussenstehe, sich vorgleichen. Jedoch das die ksl. Mt. der stedte anno 82 ubergebene und sieder deß furgefallene gravaminibus3 bei dieser reichßvorsamblung abhelffe.

Nebenproposition des Ks.: Wollen sie sich nicht absondernc.

Anmerkungen

a
–a der … entspricht] Kurmainz (fol. 39’) differenzierter mit Wiedergabe des Referats: Demnach nun erwogen, das imperator hohe ursachen, hulf zubegern, gehabt, hette chur- und furstenrath wegen irer Mt. gespurter wolmainung geschlossen, das imperatori nit allain danck zusagen, sonder auch zu bitten, iro die wolfarth gemainen vatterlandts khunfftig noch verrer angelegen sein zulassen, damit turcae[!] sein barbarisch vorhaben gebrochen. /40/ Weil man sich aber der gebettenen hulflaistung halben der unterthanen eusseristen unvermögens erindert, und wol zuwunschen, das geubrigt bleiben könten, hetten yedoch chur- und fursten in erwegung der vorstehenden eusseristen gefahr, gebrochenen fridtstandts und greulichen turckischen wüetens sich erclert und entschloßen, eine freywillige hulf fur dißmal nit zuverweigern; der hofnung, imperator wurde dero erpieten nach außlendische potentaten zu gleichmessiger mitleidentlicher hulf ersuechen unnd anlangen. Was gestalt aber solche zulaisten: Ob wol imperator uf den gemainen pfennig ginge, yedoch dieweil der gemain pfennig fur ongepreuchlich und ain neuerlich, onmüglich werckh geachtet worden were [Kurpfalz (fol. 44’) zusätzlich: weil es nicht möglich sei, denselben einzubringen; wie man spürte, solch mittel nicht alle mal effectuirt worden sei], auch ains thails daruf mit bevelch nit instruirt und one das imperator selbst praecise uf solchem begern nit beharren thetten, hette man furs bequemlichist geachtet, beim römerzug oder anschlag zu bleiben. Die difficultates, so man der matricul halber erregt, wurden sich beim gemainen pfennig auch finden und ereugen. Es were auch sonderlich geschloßen, imperatorem zubitten, der beschwerung, so sich zwischen stenden erhebten, abzuhelffen.
1
 Vgl. Kursachsen, fol. 78–81’ [Nr. 9].
b
–b aber … worden] Kurmainz (fol. 40) und Kurpfalz (fol. 45) abweichend: FR beharrt auf der Ausweisung der Summe, KR lehnt dies weiterhin ab.
2
 Vgl. auch die nachfolgende schriftliche Fassung der Resolution: Nr. 266.
3
 Gravamina beim RT 1582: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 247 S. 939–943 (sowie die Folgeakten bis Nr. 270).
c
 nicht absondern] Kurmainz (fol. 40’) eindeutig: von deß churfurstenraths bedencken nit absondern.